youtube gaming vs. twitch

Das Duell der Giganten – YouTube Gaming & Twitch

Videospiel-Streaming ist ein riesiger Markt der weltweit von Millionen Zuschauern genutzt wird. Dabei haben Google und Amazon sich den Markt untereinander aufgeteilt.

Gaming mit all seinen Facetten ist ein riesiger Markt mit knapp über eine Milliarde Euro Umsatz im 1. Halbjahr 2017 und allein 30 Millionen Deutsche spielen regelmäßig am heimischen PC. Auch das Streamen von Inhalten, wie Gameplay oder gleich von ganzen Spielen, wie es auf der PlayStation 4 möglich ist, wird immer beliebter. Folglich ist es nicht verwunderlich, dass auch in diesem Bereich zwei der größten Unternehmen in der Digital-Branche ihre Chance wahrgenommen haben und sich aktiv beteiligen.

Amazon setzt dabei auf die Streaming-Plattform Twitch, die sie am 26. August 2014 für 970 Millionen US-Dollar dem Konkurrenten aus Mountain View vor der Nase wegschnappten. Für Google ist diese Tatsache besonders ärgerlich, denn die Google-Tochter YouTube hatte nur wenige Wochen vorher noch als Favorit für die Übernahme gegolten. Infolge dieser Niederlage entschlossen sich die Verantwortlichen bei Google ein alternatives Angebot im Windschatten von YouTube auf den Markt zu bringen.

Nachdem YouTube Gaming im August 2015 in den USA startete (wir berichteten), wurde medienwirksam pünktlich zur gamescom 2016, der weltweit größten Computer- und Videospiel-Messe, auch der deutsche Markt für das Angebot freigegeben.

Gaming-Videos und Livestreams

Ein Blick auf die Statistiken der Plattformen zeigt, dass Twitch hinsichtlicher der Nutzerzahlen nach wie vor mit großem Abstand das Feld anführt, danach erst folgt YouTube Gaming. Seit Mitte 2017 ist zudem der von Microsoft vorgestellte Dienst Mixer mit im Rennen, konnte jedoch bisher nicht zu den etablierten Anbietern aufschließen. Trotz der Dominanz von Twitch ist mit YouTube Gaming in den vergangenen Monaten ein ernstzunehmender Konkurrent entstanden. Vor allem im deutschsprachigen Raum wechselten einige Streamer im Zuge des Launches die Plattform, um auf YouTube zu streamen. Prominentestes Beispiel war wohl Rocket Beans TV (wir berichteten). Allerdings ist dieser Wechsel mittlerweile revidiert, denn bereits nach 9 Monaten wurde zusätzlich wieder auf Twitch gesendet. Als VOD-Mediathek von RBTV wird aber weiterhin primär auf YouTube gesetzt.

Dennoch ist ein großes Publikum nicht gleichbedeutend mit hohen Zuschauerzahlen für die Streamer. Gerade wegen der Vielzahl an Nutzern ist es auf Twitch durchaus schwieriger aus der Masse herauszustechen. Perfekt umgesetzt haben beide Plattformen eine Chat-Funktion die es den Zuschauern ermöglicht  mit den Streamern  in Kontakt zu treten und sich mit anderen Zuschauern auszutauschen. Zudem bieten die Twitch-Kanäle eine bessere Möglichkeit aus dem Hobby eine zuverlässige Einnahmequelle zu erschließen, gerade auch vor dem Hintergrund einer Verschärfung der Regeln für Werbung auf YouTube. Die Möglichkeiten reichen dabei von Sponsoring und Abonnements, bis zu Werbeeinblendungen oder auch der Verkauf von Merchandise.

YouTube Gaming – Der Neuling

Grundsätzlich ist YouTube Gaming der Ort an dem alle Gaming-Inhalte von YouTube  gebündelt und übersichtlich für Gamer und Gaming-Interessierte dargestellt werden. Zum Start sollen insgesamt 25.000 unterschiedliche Spiele auf der Plattform verfügbar gewesen sein. Die heutige Anzahl dürfe sich um ein Vielfaches erhöht haben.

Der größte Vorteil von YouTube Gaming gegenüber Twitch ist der hohe Verbreitungsgrad der YouTube-App auf allen möglichen mobilen Geräten, wie auch von YouTube auf dem PC. Wer sich als Video-Creator bereits bei YouTube eine treue Community mit seinen Videos aufbauen konnte, für den ist es leichter diese Zuschauer auf seinen Stream aufmerksam zu machen. Sie werden zum Beispiel per Mail auf den Livestream hingewiesen und profitieren ganz allgemein davon, dass sie nur eine Plattform nutzen müssen, um ihre Lieblingsinhalte zu sehen. Zusätzlich werden auch Kanäle von bekannten Let’s Playern und Gaming-Channels, sowie von Publishern eingebunden. Das Layout der Inhalte auf dem PC bleibt dabei so wie man es gewohnt ist – lediglich das Chatfenster erscheint auf der rechten Bildschirmseite. Die schon von YouTube bekannte Trend-Seite, sowie eine eigene Seite für Videos im Trend und angesagte Kanäle runden das Angebot ab.

Auf der technischen Seite gibt es zudem einige interessante Features, wie die Möglichkeit bis zu drei Stunden im Stream zurückzuspulen (DVR), 360-Grad-Videos, 60 FPS und umfangreiche Tools für den Chat.

Abseits des PCs gibt es wenige Unterschiede bei dem Einrichten eines Live-Streams im Vergleich zu Twitch. Lediglich Streamer mit einer Xbox One müssen sich um eine andere Lösung bemühen, denn dort ist dies bisher nur mit Microsofts Plattform Mixer und Twitch möglich. Um die Statistiken und den Chat besser im Auge zu behalten ist es jedoch zu empfehlen einen PC zusätzlich zur Verfügung zu haben. Eine Moderation des Chats kann ebenso wie bei Twitch von Personen durchgeführt werden, eine Automod-Funktion mit definierbaren geblockten Wörtern und Wortgruppen ist zusätzlich vorhanden.

Twitch – Der Veteran

Twitch hat sich in der Vergangenheit nur wenige Fehler erlaubt und ist damit nicht umsonst zum Marktführer für Game-Streaming aufgestiegen. Inzwischen ist die Plattform auf nahezu allen stationären und mobilen Plattformen vertreten. Dabei bleibt die App auf allen Geräten immer übersichtlich, ganz egal ob Konsole, PC, Chromecast, Fire TV, Smartphones oder Tablets. Darüber hinaus gibt es gute Suchfunktion und Kategorien wie Sprache, Spiel und sogar Spielfigur- durch die große Vielfalt von unterschiedlichen Formaten ist es aber nicht  immer einfach, die gewünschten Inhalte zu finden. Wer nicht bekannt ist, hat zudem nur relativ geringe Chancen, per Zufall gefunden zu werden. Wie bei der YouTube-App ist es mit der App von Twitch möglich den laufenden Stream am unteren Bildrand weiter anzusehen.

Technisch befindet sich Twitch auf einem hohen technischen Niveau. Die Videoqualität lässt sich nach den persönlichen Vorlieben und verfügbarer Internetverbindung manuell einstellen und reicht bis zu Full-HD; häufig werden sich die Zuschauer wohl aber auf das gängige Format von 720p bei 60 Bildern pro Sekunde einlassen müssen. Einzig eine Rückspulfunktion fehlt zum perfekten Streaming-Erlebnis.

Ein besonderes Merkmal ist die Clips-Funktion. Mit Clips kann jederzeit ein Ausschnitt des gesehenen Streams erstellt und beispielsweise anschließend über Social Media geteilt werden. Ganz neu sind die Video Producer-Tools mit denen beispielsweise statische Seite für das Video und Countdown-Timer erstellt werden können. Die Verknüpfung eines Amazon Kontos und Twitch Prime ermöglicht werbefreie Streams und Preisnachlässe bei Spielen auf Amazon. Die Freundesliste aus Steam kann ebenso verknüpft werden.

Ein wichtiges Instrument der Interaktion mit dem Publikum sind bei allen drei Streamingdiensten die Chats, die parallel zum Video eingeblendet werden. Der Chat kann durch menschliche Moderatoren überwacht werden, oder je nach Belieben auch durch einen Automod. Wie bei der Konkurrenz erkennt dieser vorher definierte Wörter und Wortgruppen und nimmt automatisch eine Sperrung vor. Ausgenommen davon sind die ebenfalls angebotenen Voice-Chat-Räume.

Die Entwicklung

In den letzten Jahren fanden sowohl auf YouTube Gaming, als auch bei Twitch eine Reihe von Weiterentwicklungen statt. Nach dem ursprünglichen Start als reine Game-Streaming-Plattform bietet Twitch inzwischen eine Reihe von Non-Gaming-Streams an, darunter Anime– und ’80er-Marathons, Kochshows und eine speziellen Creativ-Bereich. Es wurde das Cheering-System eingeführt und Spielverkäufe können direkt auf einzelnen Kanälen erledigt werden. Auch bei YouTube Gaming hat sich in der Zwischenzeit etwas getan. Es wurden Live-Shows ins Leben gerufen, die Benutzeroberfläche mehrmals überarbeitet und „Sponsorships“ eingeführt, die es den Zuschauern ermöglichen, jeden Monat einen festen Betrag als Unterstützung an Streamer zu zahlen.

Twitch ist wie bereits erwähnt immer noch die größere Plattform, aber ein Blick auf die Nutzerzahlen zeigt, dass YouTube Live, also der Hub von YouTube Gaming, tatsächlich schneller wächst als Twitch, wenn es um die Anzahl der Streamer auf jeder Website geht. Wie Streamlabs, berichtet, stieg die Anzahl der monatlich aktiven Streamer auf YouTube Live zwischen November 2016 und März 2017 um sagenhafte 330 Prozent, während der Anstieg bei Twitch nur 19 Prozent betrug. Auf YouTube Live waren demnach insgesamt knapp 76.200 Streamer angemeldet, bei Twitch hingegen etwa 260.000.

Twitch gibt es in seiner jetzigen Form seit 2011, was ein langsameres Wachstum bedeutet. Insgesamt hat sich Twitch, mit der finanziellen und strukturellen Unterstützung von Amazon, eine eigene In-Stream-Wirtschaft mit integrierten Optionen zum Bezahlen von Streamern und erweiterten Support-Systemen aufgebaut. YouTube Gaming hat in diesem Sektor definitiv noch mehr aufzuholen, denn aktuell ist es für Streamer immer noch lukrativer ihre Inhalte auf Twitch zu streamen.

Die Qual der Wahl

Twitch und YouTube Gaming bieten eine riesige Auswahl an unterschiedlichen Spielen und nicht zuletzt auch an unterschiedlichen Streamern. Aber auch für die Leute, die sich nicht für den Bereich Gaming interessieren finden gerade auf Twitch noch viele weitere Kanäle zu verschiedenen Bereichen, wie Cosplay, Kunst, Programmierung und vieles mehr. Grundsätzlich sind die inhaltlichen Schwerpunkte aber auch die einzigen Unterschiede. Wer den Anfang eines Stream verpasst hat, dem bietet YouTube Gaming die Rückspulfunktion an, Twitch ermöglicht allen die gerne mit Gifs und Memes posten mit der Clips-Funktion eine komfortable Lösung an. Twitch wird auch auf absehbare Zeit nicht seinen Spitzenplatz im Bereich Live-Streaming räumen und umgekehrt ist YouTube zu einem Synonym für eine Videodatenbank geworden. In der Realität dürfte es für die Mehrheit der Nutzer sowieso nicht DIE eine Plattform geben, sondern je nach Bedarf werden Lieblingsinhalte und Personen ausgesucht und alle Anbieter parallel genutzt.