Webvideopreis-Gründer Hündgen und Argirakos

Warum sich der Webvideopreis neu erfindet

Sieben Jahre Webvideopreis – und nun die erste Midlife-Crisis? Der Award richtet sich nun neu aus. Ein Gastbeitrag der beiden Gründer Argirakos und Hündgen.

Internetjahre sind ein bisschen wie Hundejahre. Das Leben rauscht nur so vorbei und hinter jeder Wegkreuzung lockt der nächste Aufmerksamkeits-Knochen. Die Entwicklung im Webvideo-Markt überrollt selbst Brancheninsider. Jedes Jahr. Der Markt wandelt sich, fällt, steht wieder auf, nur um dann wieder eine neue Facette aufzusaugen. Und manchmal dreht er sich im Kreis. Kaum ist ein Jahr vorbei, sind gefühlte sieben Jahre vergangen.

Aus Fehlern lernen

Der Webvideopreis geht nun ins achte Jahr. Und 2017 war das erfolgreichste Jahr für den WVP, die Medien titelten mit „Internet-Oscar“. Ein Anspruch, dem wir selbst erst noch gerecht werden müssen. Positiv aber: Noch nie gab es ein derartiges Medien- und Publikumsinteresse an der Gala und – das ist uns das Wichtigste – an den Gewinnern. „Jeder hat das Recht, sein eigenes Publikum zu finden“ – das ist das Leitmotiv unserer European Web Video Academy. Diesem Recht fühlen wir uns verpflichtet. Und der Webvideopreis soll dazu gewichtig beitragen.

Insbesondere 2017 hat er dieses Ziel in Teilen verfehlt. Zwar zeichnet der Webvideopreis bewusst digitale Popkultur aus. Doch die sollte niemals allein oder vornehmlich an irgendwelchen Zahlen festgemacht werden. 2017 hat die Wettbewerbs-Mechanik des WVP nicht alle überzeugt. Viele Webvideomacher nicht, aber auch uns nicht. Deswegen ist es an der Zeit, sich selbst neu zu erfinden.

Von der Academy bis zum Voting

Alles beginnt mit der Webvideopreis-Academy, die sich nun in aktive und passive Mitglieder aufteilt. Die Resonanz ist bereits jetzt herausragend: Sehr vielen Kreativen liegt etwas daran, „ihren“ Preis in Zukunft wieder verstärkt mitzugestalten. Darunter ebenso Veteranen wie Kevin „tabletennisgamer“ Capito (WVP-Gewinner 2013) und WVP-Mehrfachgewinner Julien Bam.

Fast seit Beginn wird beim Webvideopreis mittels Social Media gevotet. Das war nicht nur gute Tradition, sondern – jährlich angepasst und weiterentwickelt – für viele „kleine“ Nominierte die Chance – Dank ihrer oftmals sehr aktiven Fan-Gemeinde, den „Großen“ im Voting Paroli zu bieten. Doch wird dieses Voting jedes Jahr aufwändiger und komplizierter, durch mehr Plattformen und technische Weiterentwicklungen auf all diesen. Trotz hervorragender Unterstützung durch die Plattformen (Danke an dieser Stelle an Instagram, Facebook und Twitter) wird es 2018 Zeit, den Social Vote einzustellen. Fortan wird es klassisch nur noch ein Website-Voting auf webvideopreis.de geben. Wie gewohnt werbefrei und nicht vermarktet.

Klare Bewertungskriterien

Seit 2013 bestimmt die Webvideopreis-Academy 50 Prozent der Stimmen durch ihr Wahlverhalten. Ein Jury-Vote ist immer subjektiv – insbesondere in einem so stark von unterschiedlichen Herangehensweisen geprägten Webvideo-Markt. 2018 wird dieser Part umfassend neu ausgerichtet. Videos müssen nun anhand von vier Kriterien gewählt werden: Kreativität/Kreatives Konzept, Innovation, Filmisches Handwerk und Botschaft bzw. gesellschaftliche Relevanz.

Diese Neuerungen stehen nur beispielhaft für den WVP 2018. Weitere werden folgen, u.a. beim Kernstück – der Preisverleihung. Doch schon jetzt ist klar: Sie werden den Webvideopreis massiv verändern. Die Kriterien an sich sind nicht neu beim Webvideopreis, wurden in den Anfangsjahren unausgesprochen gelebt – aber in letzter Zeit nicht mehr konsequent beachtet. Jetzt sind sie festgeschrieben und Teil des Regelwerks. Und wir als EWVA – und damit „Aufsichtsrat“ des WVP, werden darauf pochen und achten, dass sich diese weiterentwickelte Ausrichtung in den Nominierten und Gewinnern widerspiegelt.

Ein Preis für Bewegtbilder

Dazu gehört ein weiterer gravierender Schritt: Fortan werden wieder nur noch Werke (Videos oder Serien) ausgezeichnet – Empfänger des Preises ist dann der jeweilige Produzent des Videos. Übrigens: Auch die Einreichungen müssen deswegen ab sofort von den jeweiligen Produzenten erfolgen. So ist sichergestellt, dass alle rechtlichen Fragen im Vorfeld geklärt werden können und niemand mehr von einer Nominierung überrascht wird, der keine Ambitionen auf den Webvideopreis hat.

Reaktion auf Marktversagen

All diese Änderungen stärken nicht nur den Webvideopreis, sondern wir verstehen sie auch als Reaktion auf einen stark gewandelten Markt. Auf einen Markt, wo derzeit viele Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre sichtbar werden. Entwicklungen, die der Webvideopreis 2017 zu unkritisch gespiegelt hat. Entwicklungen die nicht nur auf Webvideo beschränkt sind. Entwicklungen, die eine sich digital wandelnde Gesellschaft prägen.

Der Webvideopreis ist ein Medienpreis mit positiver Haltung, mit Meinung und der Liebe zu neuen Wegen. Diese Werte zeichnen für uns gute Webvideos aus – und nicht eine Denke von gestern. Diese Perlen verdienen es, entdeckt und gesehen zu werden. Wir finden, in der heutigen Zeit ist dies nötiger denn je.

Dr. Dimitrios Argirakos & Markus Hündgen

Gründer und geschäftsführende Gesellschafter European Web Video Academy GmbH