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VARO 4 in Zahlen – Interview mit Basti & Veni

„Es ist wie eine Serie, jeden Tag erwartet dich ein Cliffhanger.“

Nachdem wir auf Seite 1 unsereres Artikels anhand von vielen Zahlen aufgezeigt haben, wie viel Bedeutung VARO noch immer als Crosspromotion-Projekt hat, sprechen wir nun mit den Gewinnern von VARO 4, Veni und Basti.

Isabel: Wie zufrieden seid ihr insgesamt mit dem Verlauf von VARO 4? Wie ist das Gefühl, endlich gewonnen zu haben?

Veni: Grundsätzlich relativ zufrieden, der Anfang war ein bisschen schleppend, die zehn letzten Folgen gingen zu langsam. Insgesamt war es aber ganz cool, vor allem als sich die Leute endlich getraut haben zu kämpfen.

Basti: Auf jeden Fall besser als VARO 3, so viel kann man festhalten. (lacht)

Veni: Ich fand’s gut, dass die letzte Folge damit geendet hat, dass wir einen Kampf gegen Phil und Fazon zusammen hatten. Schade, dass Spark nicht dabei war. Das Beste waren die Jagden am Ende zu fünft. Und das Gefühl damit abzuschließen und zu gewinnen, war echt gut, gerade nach VARO 3.

Isabel: Was macht VARO so erfolgreich?

Basti: Die Vielfalt der YouTuber und die Spannung, die aufgebaut wird. Man möchte wissen, wie es weitergeht. Man möchte sehen, wie die Teilnehmer sich beweisen, und wie die Erwartungen umgesetzt werden.

Veni: Es ist wie eine Serie, jeden Tag erwartet dich ein Cliffhanger.

Isabel: Wird das auf Dauer so weitergehen? Was hat sich bei dem Projekt über die Jahre verändert?

Veni: Von VARO 1 bis 4 hat sich spielerisch bei jedem viel verändert. Allgemein waren es die Version und die Regeln, von 3 zu 4 allerdings so gut wie nichts. Dahingehend muss man etwas machen, sonst wird es langweilig für die Zuschauer. Die Frage ist, ob die Teilnehmer das wollen.

Basti: Es ist auch wichtig, dass das Projekt nicht zu oft stattfindet. Zwischen 3 und 4 lagen anderthalb Jahre, das hat den Hype unterstützt. VARO 5 im Dezember wäre möglicherweise zu früh.

Veni: Außer man rollt das Projekt neu auf.

„Man könnte eine Menge ändern“

Isabel: Max (Krancrafter) und Luca (Concrafter) haben ihre VARO-Folgen ganz anders aufgezogen als die restlichen Teilnehmer. Was haltet ihr davon?

Veni: Das kommt auf den einzelnen an. Will man unbedingt gewinnen, ist es für Teams, die das nicht vorhaben, kein so tolles Erlebnis, wie z. B. Max und Luca. Wenn allen der Gewinn egal ist, und es keine starken Teams gibt, man spielt einfach nur, dann ist deren Idee durchaus unterhaltsam. Die Frage ist, was für ein VARO man möchte.

Basti: Luca und Max haben sich aber vorher schon krass distanziert von Minecraft und waren dann wieder mit dabei, klar, dass die nicht plötzlich “nur” Minecraft spielen. Ich beispielsweise bin ein PvP-Spieler. Meine Zuschauer erwarten eine gewisse Leistung und da kann ich nicht direkt versagen.

Isabel: In eurem Resümee-Video habt ihr einen Vergleich zu Titan gezogen und schon vorgeschlagen, die Erze zu entfernen sowie die Map schneller zu verkleinern. Was haltet ihr außerdem von dem Dreierteam-Gedanken?

Veni: Könnte man machen, wird halt deutlich chaotischer. Man könnte eine Menge ändern, Live-VARO, zusätzliche Items, dann wäre es allerdings nicht mehr Vanilla, etc. Aus dem Grundprinzip könnte man das Maximum rausholen. Die Frage ist, ob das notwendig ist, aber dann wäre es nicht mehr VARO. Andere Ideen wären auch noch: verpflichtende Massenaufnahmen, die deutlich mehr Spannung bringen könnten, oder mal alles vorzuproduzieren. Dann ist es von der Spannung her ein ganz anderes Level.

Basti: Ich fände das mit den Dreierteams gar nicht so schlecht, ich glaub’, das würde frischen Wind bringen.

Isabel: Was waren für euch die Stärken und Schwächen bei VARO 4?

Veni: Ich fand es stark, dass wir nie im Nether waren, im Gegensatz zu so gut wie allen anderen Teilnehmern. Unsere Folgen waren gut durchdacht, 90 Prozent davon waren geplant, und das wollten wir unseren Zuschauern auch zeigen. Wir hatten keinen Strike, und haben die vorgenommenen Sachen erreicht. Genervt haben mich die inhaltslosen Folgen am Ende, in denen wir nur um den Spawn im Kreis gelaufen sind und nichts mehr machen konnten.

Basti: Da taten uns die Zuschauer ziemlich leid, es gab kaum etwas zu erzählen. Aber du kannst deine Folgen nicht schneiden, und die dann so uncut hochzuladen, ist Mist.

„Das krasseste, was es im Gaming-Bereich auf YouTube gibt“

Isabel: Eure Kanäle sind während VARO wieder stark gewachsen. Wie bewertet ihr die Chance mit diesem Projekt bekannter zu werden und auch zu bleiben?

Basti: Bei VARO 3 war das bei mir krass, da habe ich meine Abonnenten glaub’ ich fast verdoppelt. Auf Twitch hat sich das diesmal extrem ausgewirkt, und hält immer noch an, womit ich nicht gerechnet hätte. Alles steigt, von Klickzahlen über die Zuschauer, Subs, Donations, einfach alles.

Isabel: Auf welche Plattform legst du mehr Wert?

Basti: Von der Einnahmequelle her ist meine Präferenz Twitch, aber ich würde sagen, ich konzentriere mich beim Content auf beide gleich stark.

Veni: Dass man mit YouTube nicht das große Geld macht, ist ja kein Geheimnis.

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Bastis durchschnittliche Viewzahlen auf Twitch der letzten 90 Tage

Isabel: Wie haben sich eure YouTube-Klicks nach VARO 3 verändert?

Veni: Ein halbes Jahr nach VARO 3 sanken meine Aufrufe auf ca. ein Viertel von denen während und nach dem Projekt, aber nie auf weniger als 2 Millionen. Bei VARO 4 hatte ich jetzt 10 Millionen Views, auch das wird wieder extrem sinken.

Das liegt aber auch auch daran, dass viel weniger Videos kommen. Ich hab’ bereits nach VARO 2 und 3 keine Videos gemacht. Ich bin danach immer ziemlich demotiviert, das Projekt ist das absolut krasseste, was es im Gaming-Bereich auf YouTube gibt, so ein Feedback bekommt man nicht wieder.

Und um nochmal zurück zu kommen auf deine Frage von eben: Eigentlich wäre es das Schlauste, dann viele der Zuschauer mitzunehmen. Aber wenn man unter den Videos nur liest “Wo ist Minecraft, von einem VARO-Gewinner erwarte ich was anderes”, dann demotiviert das. Bei 100.000 neuen Zuschauern pro Staffel wird sowas viel häufiger kommentiert. Die Kreativität leidet und du fragst dich, “Was will ich machen, was möchte ich nach VARO umsetzen?” Man bekommt viel negatives Feedback, alle neuen Leute haben eigentlich keine Ahnung von dir, wissen nicht, was du bringst. Bei Basti ist das mit Minecraft-only-Content anders.

Basti: Ja, bei mir gibt’s im Prinzip sowohl vorher als auch nachher die gleichen Videos, und die kommen dann alle bei den neuen Zuschauern gut an.

Veni: Es bleibt also die Frage, als Nicht-nur-Minecraft-Kanal: Inwieweit kann man ein Auge zudrücken und bringen was dem Zuschauer gefällt, aber dir vielleicht nicht?

Isabel: Veni, vor anderthalb Jahren hast du zu mir im Interview gesagt, dass du deinen Kanal und VARO mit dem von darkviktory und TubeClash vergleichst. Inwiefern stellt es dich zufrieden so projektabhängig zu sein? Siehst du das noch so?

Veni: Ich würde diese Aussage nicht mehr unbedingt so tätigen. Seit damals habe ich hauptsächlich mein eigenes Ding durchgezogen und relativ wenig mit Projekten am Hut gehabt. Mein Fokus liegt inzwischen viel mehr auf Streaming bzw. Twitch, was ich als gute Entscheidung empfinde. Ich bin schon lange der Meinung, dass sich die Gaming-Branche auf Twitch zurückziehen wird. Die Lifestyle-Szene, von Julien Bam bis ApoRed, ist in den letzten Jahren extrem gewachsen, Gaming geht immer weiter zurück und mein Eindruck ist, dass es auf YouTube langsam aussterben wird. Große Kanäle wie Luca haben beinahe komplett mit Gaming aufgehört, YouTube Gaming ist gefloppt.

Twitch wird sich im Bereich Live behaupten. Und es ist extrem angenehm, auf Twitch zu spielen, weil du viel direkter mit den Leuten reden kannst und eine viel engere Community hast, gerade auch wenn du als kleinerer Streamer anfängst. Bei ein paar hundert Viewern erkennst du eben wirklich fast alle im Chat wieder. Das hat bei mir viel ausgemacht in den letzten 1,5 Jahren, weshalb ich mich auch bis eben als du es gefragt hast, gar nicht mehr dran erinnert habe, dass ich das damals gesagt habe. Für mich ist das nicht mehr relevant, wofür mein Kanal steht.

Isabel: Wie viele der VARO-Zuschauer sind Nicht-Abonnenten bei euch und ändert sich das im Laufe des Projekts?

Veni: Vor VARO sind es immer ca. 70 Prozent Subscriber und 30 Prozent Nicht-Abonnenten und während VARO waren es diesmal genau 50/50.

Basti: Bei mir waren es ca. ⅔ Abonnenten, sowohl im Dezember, als auch im Januar.

Veni: Bei Basti erklärt sich das Verhältnis aber unter anderem auch dadurch, dass meine Folgen die erste Anlaufstelle waren, meine Folgen sind getrendet und wurden einfach vorrangig geschaut.

Basti: Hey, ich war immerhin auch zweimal in den Trends! (beide lachen)

„Wenn ich nicht ausgerechnet in VARO mein Bestes gebe, wo denn dann?“

Isabel: Ihr habt in Folge 29 selbst das große Thema Hate bei VARO angeschnitten, nachdem es bei der GLP-Folge so viele unterirdische Kommentare gab, und dann hast du, Veni, ein Video mit Spark auf dem Thumbnail hochgeladen, dessen Titel sehr provokant war.

Veni: Ja, da geb ich auch offen zu, dass das absolut blöd war, das kam dann durch meinen Kurzurlaub und die Vorproduktion mitten in der Nacht zustande. Normalerweise mache ich mir lange Gedanken darüber, wie ich die Folgen nenne, um eben genau niemandem auf die Füße zu treten, da hab ich mich auch geärgert und den Titel, umgehend als es möglich war, geändert.

Isabel: Nutzt das Projekt das Anstacheln der Zuschauer aus? Inwieweit seht ihr euch in der moralischen Verantwortung dem “Hate” etwas entgegenzusetzen?

Veni: Wenn du auf komplett YouTube schaust, finde ich moralische Verwerflichkeit bei VARO noch extrem gering.

Basti: Ja, aber damit kannst du das ja jetzt nicht unbedingt rechtfertigen.

Veni: Ja, natürlich, aber ich sag nur: es gibt wesentlich schlimmere Dinge und VARO ist mehr Competition, als “Sich gegenseitig ans Bein pissen, um Klicks zu generieren”.

Basti: Wir sind halt auch keine Pädagogen, an der Stelle bin ich auch überfordert. Ich spiel in VARO das Spiel. Man muss sich dem immer bewusst sein,  wie viele Leute einem zuschauen und alles, was du sagst, kann falsch gedeutet werden, etc. Deswegen muss man sich ab und zu auf die Zunge beißen. Aber das komplett zu umgehen, ist schwer. Wenn man den Zuschauern sagt: “Hatet oder disliket die anderen bitte nicht”, bringt das immer nur wenig. Einzelne gehen trotzdem durch die Decke und sind unüberlegt unterwegs, es ist leider schwer zu vermeiden.

Isabel: Bewertet ihr VARO hinsichtlich der Minecraft-Community als schwierig?

Veni: (lacht) Es sind viele junge Leute dabei.

Basti: Ich habe VARO immer mit einem Fußballturnier verglichen. Wenn man Fan von einem bestimmten Verein ist, supportet man denjenigen unter anderem damit, andere Vereine runter zu machen. Die anderen interessieren dich nicht und wenn man dann so richtig im Fieber ist, passiert das, auch wenn das echt nicht der korrekte Weg ist. Ich wüsste aber auch nicht, wie man das vermeiden kann. Das gehört einfach zum krassen Mitfiebern dazu und bei den vielen jungen Zuschauern bei Minecraft, ist die Kombination dann möglicherweise gefährlich.

Wir haben aber keinen nachhaltigen Hate bekommen, zum Beispiel von GermanLetsPlay-Zuschauern. Das legt sich nach einer gewissen Zeit meist wieder.

Veni: Ich kann mir allerdings vorstellen, dass es einige Mitspieler im Projekt gibt, die jetzt noch angepisst sind, weil wir gecampt und gesnipet haben oder Ähnliches. Und, jetzt kann ich’s ja sagen, ich bin für einige der Strikes verantwortlich, da ich fast jede Folge geschaut habe. Laut Regelwerk ist es Pflicht, Strikes zu melden. Natürlich habe ich das dann auch getan. Nur dadurch konnte zum Beispiel die Armageddon-Folge entstehen, in der alle versucht haben, izzi zu snipen.

Basti: Die eine der besten Folgen im ganzen Projekt war.

Veni: Ja, das bedenken viele allerdings nicht.

Isabel: Manche Mitspieler lachen sich kaputt, wenn sie sterben, für andere ist das Ernst und ein Grund für Beef. Glaubt ihr, dass euer Ehrgeiz bei den anderen Teilnehmern Antipathie schürt und sie euch als “Tryhards” ansehen?

Veni: Wenn man darstellt und suggeriert, dass man gewinnen will, dann muss man dafür auch viel tun.

Basti: Ich spiele jeden Tag Minecraft, jeden Tag PvP, wenn ich nicht ausgerechnet in VARO mein Bestes gebe, wo denn dann? Da muss ich einfach am meisten tryharden, aber das finde ich nicht unbedingt verwerflich. Die Verwerflichkeit entsteht nur dadurch, dass die anderen das zum Teil eben wesentlich lockerer nehmen, weil sie keinen PvP-Content produzieren. Du bist für die großen Minecraft-YouTuber immer direkt ‘n Schwitzer, ein Tryhard, aber meine Videos sind ja auch nicht nur Gameplay, ich lege zwar den Fokus darauf, aber das heißt ja nicht, dass für mich die Unterhaltung nicht zählt.

Veni: Vergleichen wir das doch mal mit einem Marathonlauf. Du läufst als Hobby-Läufer mit und andere machen das professionell, die wollen die Goldmedaille. Da kannst du dich ja nicht beschweren, dass du gegen sie verlierst. Und viele wissen auch überhaupt nicht, was das restliche Feld für Content produziert. Deswegen waren auch so viele überrascht von Fazons Skill in der Armageddon-Folge.

Basti: Jeder sollte den anderen einfach sein Ding machen lassen, so.

Isabel: Vielen Dank für das Interview!