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Born to run – Speedrunner Heinrich “heinki” Wolf, Ricky “thiefbug” Wendler und Maurice “m0m0hd” Schwarzmann im Interview

Die Speedrunner Heinrich “heinki” Wolf, Ricky “thiefbug” Wendler und Maurice “m0m0hd” Schwarzmann sind feste Größen der Speedrun-Community. Broadmark hat mit Ihnen über ihren Weg zum Speedrunning, die Speedrun-Community und vieles mehr gesprochen. 

Obwohl die Speedrun-Community seit ihrer Entstehung in den 90er Jahren stetig an Popularität gewonnen hat, befindet sich die Szene besonders in Deutschland immer noch in einer kleinen Nische. Dabei kann man mittlerweile auf Twitch und YouTube jeden Tag tausenden von Runnern bei ihren bemerkenswerten Leistungen über die Schulter sehen. Aber wie denken Speedrunner eigentlich über ihr Passion? Broadmark hat mit den Speedrunnern Heinrich “heinki” Wolf, Ricky “thiefbug” Wendler und Maurice “m0m0hd” Schwarzmann über ihren Weg zum Speedrunning, die Herausforderungen, sowie über die zukünftige Entwicklung der Speedrun-Community gesprochen.

Broadmark: Ihr seid sehr aktiv in der Speedrun-Szene und streamt auch auf Twitch. Wie kam es dazu, dass Ihr beschlossen habt Speedrunner zu werden?

heinki: 2013 habe ich die Speedrun-Szene mit dem Spiel „I wanna be the Boshy“, ein 2D-Plattform-Spiel das auch auf mehreren Games Done Quick Events gezeigt wurde, kennengelernt. Ende 2013 habe ich dann zwei Runs von LotsofS und Joshimuz von Deus Ex: Human Revolution auf Twitch gesehen und dachte mir dann, dass ich es selbst ausprobieren möchte.

m0m0hd: Das war eine Mischung aus Zufall und Glück. Ich hatte vor ca. 3 bis 4 Jahren einen Speedrun zu Super Mario 64 auf YouTube gesehen und war davon sehr begeistert. Durch diverse Foren bin ich schließlich auf Twitch gestoßen und habe dann durch etliche Streamer meine Leidenschaft für das Speedrunning entdeckt.

thiefbug: 2009 hab ich einen Online-Marathon gesehen, in dem mehrere Spieler versucht haben, alle damaligen 3D Zelda-Spiele in weniger als 18 Stunden zu absolvieren. Die Grenzen eines Spiels auszutesten hat mich absolut fasziniert und ich habe mich sofort in das Konzept verliebt, ein Spiel so schnell wie möglich durchzuspielen.

Broadmark: Habt ihr einen Trick oder eine Technik entwickelt die von anderen Runnern genutzt wird?

heinki: In Deus Ex: Human Revolution habe ich weitestgehend bereits bestehende Tricks und Glitches optimiert und bessere Vorbereitungen oder Ausführungsmöglichkeiten gefunden. Wirklich neue Tricks und Glitches habe ich nur im Speedrun für Dynasty Warriors 8 gefunden, meistens habe ich damals das Routing gemacht.

m0m0hd: Super Mario 64 ist das wohl beliebteste und meistgespielte Speedrun-Game schlechthin. 99% aller Strategien oder Tricks wurden schon vor Jahren gefunden. Einige andere deutsche Speedrunner haben Techniken von mir übernommen, die ich wiederum bei amerikanischen Speedrunnern gelernt habe. Man könnte das Ganze als großes „Community-Lernen“ bezeichnen.

thiefbug: In den Jahren 2013 und 2014 habe ich selbst einige Glitches entdeckt. Zudem konnte ich auch ein paar Strategien entwickeln die eine ganze Weile genutzt wurden. Derzeit wird allerdings keine meiner Entdeckungen mehr für Speedruns eingesetzt.

Broadmark: Es gibt unzählige Speedrunner auf den verschiedenen Webvideo Portalen. Gibt es einen anderen Runner den ihr persönlich sehr schätzt und welcher Speedrun hat euch in besonderem Maße fasziniert?

m0m0hd: In der Speedrun-Community schätze ich sehr viele Runner. Mit der Zeit ist es wie eine Art „familärer Kreis“ geworden, in dem jeder jeden kennt. Man sieht sich in diversen Twitch-Streams oder man erfährt von den neuen Bestzeiten anderer Spieler. Mein absoluter Favorit unter den Super Mario 64 Speedruns war der damalige Weltrekord von siglemic in der Kategorie „120 Star“. Es war ein unglaubliches Erlebnis zusammen mit tausenden Zuschauern seinen Weltrekord live mitzuerleben. Zur Zeit finde ich cheese05 sehr interessant. Er hält aktuell den Weltrekord in Super Mario 64 120 Star und 70 Star – zwei sehr schwierige Kategorien. Er scheint ein sehr talentierter Spieler zu sein, denn um diese Weltrekorde aufzustellen, hat er deutlich weniger Zeit zum Lernen benötigt als andere Spieler.

heinki: Es gibt viele Runner die gut sind und ich schätze viele von ihnen, die meisten vor allem dadurch, dass sie nicht spielen um die Zeit von jemanden zu schlagen, sondern sie versuchen das Spiel so schnell es menschlich möglich ist durchzuspielen. Mein liebster Run von Deus Ex: Human Revolution war von jelmeree, der damals auch den Weltrekord gehalten hat.

thiefbug: Ich stelle keine Runner über andere. Jeder versucht sein bestes und spielt so gut wie er kann. TrevPerson und EnNopp112 sind allerdings absolut genial, wenn es um Bewegungsabläufe und den Einsatz von Glitches geht. Sie stechen hier eindeutig heraus. Sie entwickeln ihre eigenen Strategien und wenn nötig eignen sie sich neue Strategien sehr schnell an. Am interessantesten ist für mich der Speedrun in The Legend of Zelda: Majora’s Mask in dem man alle 24 Masken sammeln und dann das Spiel beenden muss, sobald man die “Grimmige Gottheit”-Maske erhalten hat. Der Run zeigt viele Techniken, die es in keinem anderen zu sehen gibt und man benötigt ein gutes Zeitmanagement, um zu allen relevanten Ereignissen zur richtigen Zeit zu erscheinen.

Broadmark: Wenn ihr auf eure Karriere als Speedrunner zurückblickt, was ist die schönste Erinnerung zum Thema Speedrunning?

m0m0hd: Das ist tatsächlich schwer zu beantworten. Alle meine Speedruns streame ich live auf Twitch und es ist jedes Mal ein tolles Gefühl, wenn Personen einem sagen: „Momo, ich finde es toll was du machst, bleib so wie du bist.“ Es ist einfach die Unterstützung und der Support der Zuschauer, die eine immer wieder schöne Erinnerung bescheren.

thiefbug: Ich hab nicht diese eine schöne Erinnerung, wenn es um Speedrunning geht. Ich würde sagen, es sind all die Events – Freunde finden, neue Leute kennenlernen, von denen man von Anfang an weiß, dass man eine Leidenschaft mit ihnen teilt. Darüber hinaus ist die Entdeckung von Glitches wohl eines meiner Highlights, wenn es um Streams auf Twitch geht.

heinki: Wenn man bei den Events dann Speedrun vorführt und die Leute trifft. Ich habe viele Leute auf der ganzen Welt und neue Freunde kennengelernt durch Speedrunning und Twitch.

Heinrich “heinki” Wolf in Aktion

Broadmark: Speedrunning ist immer noch mehrheitlich ein Hobby. Könnt ihr vom Speedrunning leben?

heinki: Ich persönlich habe eine Vollzeitstelle als Webentwickler, wodurch ich nicht vom Streaming abhängig bin. Es gibt jedoch viele Leute die Speedrunning als Vollzeit-Streamer und Beruf ansehen, jedoch ist es nicht so leicht wie viele es sich vorstellen. Man muss nur einen Tag krank sein, einen Tag nicht streamen und schon verliert man Spenden, Abonnenten und Zuschauer. Zudem kommt noch hinzu dass man fast 8-10 std streamed und nicht wirklich Urlaub nehmen kann und vieles aus eigener Tasche zahlt.

m0m0hd: Speedrunning ist aktuell immer noch ein Hobby für mich. Vor allem im deutschen Bereich ist dieses Thema auch noch nicht so populär. Vielleicht ist irgendwann das Interesse an Speedruns so groß, dass ein Leben davon möglich wäre. Ob das allerdings ein erstrebenswertes Ziel ist, vom Speedrunning zu leben, bezweifle ich schon etwas. Es ist sehr nervenaufreibend und längere Pausen werfen einen oftmals weit zurück.

thiefbug: Leider nein, denn man die Aufmerksamkeit hunderter oder tausender Menschen will, die einem nur aufgrund von Speedrunning-Skills zuschauen, muss man absolute Spitzenklasse sein und sich stetig weiter verbessern. Bei beliebten Spielen, wie zum Beispiel Ocarina of Time oder Majora’s Mask, hat man etwa den gleichen Aufwand wie bei bekannten Esport-Spielen auf Topniveau, wie zum Beispiel Starcraft oder League of Legends. Während sich die nötigen Skills unterscheiden, muss man bei beiden täglich mehrere Stunden üben. Dazu kommt weiterer Zeitaufwand für die tatsächlichen Speedrun-Versuche.

Broadmark: In den vergangenen Jahren hat sich die gesamte Szene zunehmend professionalisiert. Wie glaubt ihr wird sich Speedrunning in fünf Jahren entwickelt haben?

m0m0hd: Ich denke, dass das Thema „Speedrunning“ immer populärer wird. Einen extremen Boom erwarte ich allerdings nicht. Es ist immer noch ein Nischen-Sport und gerade im deutschsprachigen Raum ist es noch lange nicht so präsent, wie ich es mir wünschen würde. Meiner Einschätzung nach ist das Interesse an Speedruns da, allerdings gibt es wenige Personen, die es populär machen oder der breiten Masse erklären.

thiefbug: Im Laufe der letzten Jahre haben sich verschiedene Turniere entwickelt, in denen Spieler versuchen festzustellen, wer ein Spiel zuerst in nur einem Anlauf durchspielen kann. Während das Grinden für Weltrekorde weiterhin existieren wird, hoffe ich, dass diese Turniere etwas beliebter werden. Und so wie sich die Dinge in den letzten Jahre entwickelt haben, ist das durchaus möglich.

heinki: Ich denke das Speedrunning immer größer und populärer wird und dadurch immer weitere Seiten entstehen, sowie Marathons und Events größer werden. Ob es irgendwann mal ein E-Sport wird kann ich nicht beurteilen, jedoch gibt es schon einige Runner, wie zum Beispiel Mychal “Trihex” Jefferson, die von E-Sports Teams aufgenommen worden sind.

Das Logo von „thiefbug“

Broadmark: Eine Mehrheit der Speedrunner sind nur wenige Jahre aktiv. Wann würdet ihr mit dem Speedrunnig aufhören?

heinki: Das ist für mich momentan unklar. Ich mache meine Speedruns und spiele nebenbei auch neue Spiele normal durch und sobald diese eventuell interessant für mich sind, fange ich an diese zu speedrunnen. Daher ist es schwer zu sagen wann ich mit dem Speedrunnen aufhöre, vor allem weil ich es nach 4 Jahren immer noch mag.

m0m0hd: Ich würde mit Speedrunning aufhören, sobald ich keinen Spaß mehr habe oder es mich in meinem Leben irgendwie einschränken würde. Aktuell habe ich allerdings sehr viel Spaß und einige Pläne für die Zukunft, wodurch aufhören zum jetzigen Zeitpunkt gar kein Thema ist.

thiefbug: Ich denke nicht, dass ich jemals ganz mit dem Speedrunning aufhören werde. Spiele bis an ihre Grenzen und darüber hinaus zu treiben, fasziniert mich und wird mich vermutlich immer faszinieren, da Spiele eine große Rolle in meinem Leben einnehmen. Ich nehme das schon länger nicht mehr so ernst und bin auch nicht mehr so ehrgeizig, was meine Zeiten betrifft. Aber das hält mich nicht davon ab, zumindest bezüglich der Glitches und ihrer Ausführung immer auf dem neuesten Stand zu sein.

Broadmark: Zum Abschluss noch ein Blick in die Zukunft: Was sind eure nächsten Projekte?

m0m0hd: Aktuell arbeite ich an verschiedenen Speedrun-Guides zu Super Mario 64, um den Einstieg für Anfänger leichter zu gestalten. Auch ist eine Website mit vielen Information zum Thema Speedrunning in Planung. Außerdem erscheinen dieses Jahr jede Menge interessante Spiele, die sich potentiell zum Speedrunning eignen würden. Gerade für die Nintendo Switch sind schon einige gute Titel erschienen und auch bis Ende dieses Jahres werden noch mehr Spiele erscheinen, die ich gerne mal antesten würde.

heinki: Momentan habe ich GTA San Andreas und Tomb Raider Anniversary als nächste Projekte, hier will ich meine persönliche Bestzeit verbessern, genauso will ich weiter meine anderen Speedrun Games verbessern, daher muss man mal gucken worauf ich als nächstes Lust habe. Ansonsten werde ich weiterhin auf Twitch streamen.

thiefbug: Derzeit lerne ich den “All Dungeons”-Speedrun für Zelda: Breath of the Wild. Das Spiel ist für sowohl für Zuschauer, als auch für Speedruns perfekt geeignet und macht einfach Spaß. Ich versuche außerdem in die Spieleentwicklung zu kommen, was auch der Grund dafür ist, dass ich aufgehört habe an meine Grenzen zu gehen, was die Zeiten angeht. Aber ich werde wohl immer sehr neugierig sein, wenn es um Speedruns, Glitches und ihre Ausführung geht.

Broadmark: Vielen Dank für das nette Interview!

Beitragsbilder von Maurice Schwarzmann, Heinrich Wolf, Ricky Wendler