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YouTube: Kalkulierbarer Erfolg oder Erfolg durch Authentizität?

Schaut man sich YouTube im Jahr 2016 an, so hat man das Gefühl, es gebe zwei Erfolgswege: Authentizität oder Anpassung. Pascal Ruhe hat sich deshalb gefragt, ob man sich dem Trend anpassen oder seinen eigenen Weg gehen sollte.

Rote Pfeile, rote Kreise, Challenges und Shopping Hauls. Wer die Trend-Seite von YouTube öffnet, erkennt ein gewisses Schema. Ein Video scheint dem anderen zu gleichen und nur selten sieht man dort innovativen und authentischen Content von Webvideo-Creatorn, die sich eben nicht diesem Trend anschließen wollen. Creator, welche sich nicht die Schablone auflegen wollen, die einem das Gefühl gibt, dass man auch ohne großartiges Konzept zumindest ein gewisses Maß an Erfolg auf YouTube haben kann.

Das Prinzip scheint ganz simpel. Ein paar Minuten im Internet nach der Erfolgsformel für YouTube suchen und schon findet man viele Tutorials und Tipps, wie man ganz schnell seine ersten 1 000 Klicks bekommt. Der Titel und das Thumbnail sind hierbei ganz wichtig. Eben jenes muss schon Aufmerksamkeit erzeugen, soll den Zuschauer dazu anregen, das Video auch zu schauen. Hierbei scheint es unwichtig, ob man den Viewer mit dem Layout des Thumbnails und des Titels hinter das Licht führt und das Video einen anderen Inhalt bietet. Rote Pfeile und rote Kreise, mit einer unverkennbaren Deutlichkeit, sollen das Auge des Viewers auf sein Video führen, wobei diese gar nicht mehr herausstechen. Die Farbe Rot, welche in unserem Gehirn das Signal „Stopp“ bewirkt, dominiert die Thumbnails mittlerweile so sehr, dass der Kerngedanke dahinter wegzufallen scheint.

YOUTUBE ALS LEICHTER WEG ZUM RUHM? – BROADCAST YOURSELF

Die Plattform YouTube scheint für viele der leichteste Weg zu Ruhm und Erfolg zu sein. Es braucht nicht viel um einen ersten Schritt in die Berühmtheit zu machen. Die Kamera scheint das einzige Investment zu sein, welches dafür nötig ist — sowie natürlich die roten Thumbnails. Jeder kann den Versuch starten, braucht keine Ausbildung, Vorkenntnisse oder jahrelange Erfahrung. Man muss seinem Kanal eben nur die Schablone aufsetzen, die vorgegeben wird. Man richtet sich ganz einfach nach den erfolgreichen YouTubern und verkennt dabei komplett, was YouTube eigentlich ausmacht.

„Broadcast Yourself“ — damit wirbt YouTube. Die Content-Creator sollen sich selbst verwirklichen, ihre Wünsche offenlegen und Dinge auf Video bringen, die sie ausmachen. Vor Kurzem hielt der YouTuber „HandOfBlood“ etwa während des Webvideopreises eine Rede, welche eben jene Fehler im System offen legen sollte. YouTuber meckern über den „Asi-Content“ (Zitat HandOfBlood), der derzeit das Bild von YouTube dominiert, fühlen sich jedoch gezwungen zu adaptieren. Den Content anzunehmen und dem Publikum zu liefern, was sie sehen wollen. Laut HandOfBlood seien die YouTuber selbst verantwortlich für ihren Content, und dafür das Bild von YouTube zu ändern – denn sie bestimmen, welcher Content über die Bildschirme flackert.

AUTHENTIZITÄT FÜR LANGFRISTIGEREN ERFOLG?

Welcher Weg ist also der richtige? Welcher Weg führt einem zu einem langfristigeren Erfolg? Der Weg über die roten Pfeile? Dieser nämlich lässt ein ganz wichtiges Kriterium für Erfolg vermissen. Der sogenannte „Unique Selling Point“. Eine Eigenschaft, welche den Producer von anderen unterscheidet. Welche dem Viewer keine Möglichkeit gibt, ähnlichen Content und sogenannte Ausweichprodukte zu finden. Statt einer von vielen zu sein, der die neueste Roast-Yourself-Challenge mitmacht, bietet man dem Zuschauer unverwechselbaren Content. Dieser ist nicht selten über Authentizität gepaart mit Kreativität zu erreichen. Was daraus entsteht sind Abonnenten und Zuschauer, welche sich mit dem Producer identifizieren können, ihn aufgrund seiner Charaktereigenschaften und seiner Kreativität anschauen und niemanden finden, der ihnen vergleichbaren Content liefert.

Denn darum geht es auf der Plattform YouTube, um die Videos und deren Inhalt. In einer Welt voller Thumbnails und Videotitel scheinen die Creator zu vergessen, dass ihr Content letztendlich den Zuschauer ansprechen soll. Dass der Content des Videos nachhaltig in den Köpfen der Viewer sein soll. Content von YouTubern wie JulienBam, freekickerz oder Gronkh, welche es eben nicht für nötig halten ihrem Kanal einen roten Grundriss zu geben, sondern mit dem Inhalt ihrer Videos beeindrucken.

Welcher Weg nun der richtige ist, wird auch in Zukunft jedem selbst überlassen sein. Dennoch scheint der befriedigendere Erfolg der zu sein, der durch eigenen, kreativen Content entsteht und nicht durch Tutorials und Guides, wie man am schnellsten die ersten 1 000 Klicks bekommt.

Beitragsbild von Esther Vergas (CC BY-SA 2.0)



  • Saskibytes

    Also ich finde es wichtig authentisch und kreativ zu sein, anstatt ständig irgendwelche Trends hinterher zu rennen. So dauert es zwar länger/ist es etwas schwieriger, eine größere Zuschauerschaft aufzubauen, aber dafür macht man Inhalte, die allen Seiten auch wirklich was bringen. Wertvolle Inhalte sind doch viel wichtiger als kurzfristige „Internet-Berühmtheit“. Meiner Meinung nach sind die Thumbnails dafür da, um den potenziellen Zuschauer über den Inhalt des Videos zu informieren – und nicht um sie mit roten Kreisen und Pfeilen zu füllen. So sehe ich das zumindest und so mache ich es auch bei meinen eigenen Videos.

  • Christian Liebert

    Ich finde den Artikel etwas oberflächlich und suggestiv. Es entsteht der Eindruck, dass alle YouTuber, die Kreise und Pfeile in ihren Thumbnails verwenden, gleichzeitig unkreativ und nur auf den schnellen Erfolg aus sind. Durch meine Arbeit mit verschiedensten Kanälen kann ich dies aber verneinen. Die Darstellung hier hat schon ein bisschen was von einer Stigmatisierung.

    • Pascal Ruhe

      Da gebe ich ihnen vollkommen Recht. Natürlich verallgemeinere ich das ganze hier, jedoch hat meine Erfahrung gezeigt das diese Kreise und Pfeile eigentlich keinen anderen Sinn haben. Wenn man dann nur mit seinem Inhalt begeistern will, dann hat man solche Sachen doch nicht nötig? Denn sie sind einzig und allein der Zweck um die Aufmerksamkeit auf sein Video zu ziehen.
      Es geht mir in dem Artikel darum, was meiner Meinung nach der beste Weg ist um einen neuen Kanal zu starten. Letzendlich ist es eine Kolumne und spiegelt meine Meinung wieder. Ich bin halt eher der Freund davon, dass man kreativ wird, authentisch bleibt und sich nicht der Masse anschließt.