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Unscheinbar, aber wichtig? – Lokale Webvideo-Communities

In vielen großen, deutschen Städten existieren sogenannte Webvideo-Communities. Ihre Mitglieder tauschen sich darin über ihre Leidenschaft aus. Wir haben uns diese Communities näher angeschaut: Wie steht es um die lokalen Gruppierungen? Wie können sich diese weiterentwickeln und woran mangelt es für eine erfolgreichere Entwicklung?

Kaum bekannt in der breiten Masse, aber für ihre Mitglieder sehr effektiv: Die Rede ist von lokalen Webvideo-Communities. Das sind kleinere Gruppierungen von Creatorn und Webvideo-Interessierten. Viele kleine Webvideo-Interessengemeinschaften. Ihre Mitglieder tauschen sich über ihr Hobby aus, helfen sich gegenseitig und veranstalten Treffen sowie Events in der “Offline”-Welt. Organisiert werden diese meist durch eigene Webseiten und Facebook-Gruppen. Aber lokale Webvideo-Communities haben ein Problem.

Auf einen motivierten Gruppenleiter kommen zahlreiche untätige Mitglieder

Zumindest könnte man die aktuelle Lage so übertrieben beschreiben. Viele dieser Gruppen bestehen aus sehr wenigen Mitgliedern. Das  TubeGermany-Netzwerk – ein Zusammenschluss aus Gruppierungen in Deutschland sowie je einer Gruppe aus Österreich und der Schweiz – umfasst 18 deutsche Gruppen. Von diesen zählen nur sieben mehr als 100 Mitglieder. Dementsprechend fällt auch die Aktivität der meisten Gruppen aus. Einladungen zu gemeinsamen Drehs und Kollaborationen sind selten. Für die meisten Mitglieder ist Webvideo eben nur ein Hobby, das der eigenen Arbeit, Familie, Freunden und anderen Freizeitplanungen oft weichen muss. Oft ist die engagierteste Person in der Gruppe der Gruppenleiter. Die Nachfrage nach diesen Gruppen scheint allerdings nicht das Problem am Mitgliedermangel und an der geringen Aktivität zu sein.

In der Beschreibung fast jeder Gruppe lässt sich ein Satz finden, der besagt, dass Werbung für den eigenen Kanal nicht erwünscht ist. Das “Aussortieren” von Beitrittsanfragen durch den individuellen Kontakt via Facebook Messenger hilft zwar, die Gruppen möglichst frei von schwarzen Schafen zu halten. Aber dennoch finden sich ab und zu Mitglieder, die sich daran nicht halten. Ihre Wunsch-Zielgruppe scheinen diese Gruppen also noch nicht zu erreichen. Und das ist das Problem der Communities: Zu wenig zielführendes Marketing.

Fehlendes Marketing, fehlende Mitglieder

Die meisten lokalen Webvideo-Communities richten sich an aufstrebende Webvideo-Creator. Kreative Köpfe, die Gleichgesinnte für den Erfahrungsaustausch suchen. Die Möglichkeit gibt es online wie offline in fast allen Gruppen. Jedoch wird hier bislang fast gar keine Werbung für die Gruppierungen betrieben. Lediglich vereinzelt wird kommuniziert, dass es diese Gruppierungen überhaupt gibt und oftmals erfährt man nur Mundpropaganda überhaupt von diesen. Das zu ändern, ist jedoch wichtig, um mehr Creator zu erreichen und die Gruppierungen zu stärken. Hierfür könnten beispielsweise reichweitenstarke YouTuber und Webvideo-Creator als Testimonial für die Gruppen angeworben werden, die mit ihrer Reichweite auf die Communities aufmerksam machen. Dies geschieht bereits bei TubeMunich, wo regelmäßig größere YouTuber für Workshops und Vorträge ins Café Netzwerk eingeladen werden.

Einige Gruppierungen betreiben schon jetzt neben einer Gruppe weitere Social Media-Kanäle. Diese können dazu genutzt werden, die Gruppe auch nach außen zu präsentieren und auf diese aufmerksam zu machen. So kann man es schaffen, auch potentielle Nutzer außerhalb der Gruppen zu erreichen und für sich zu gewinnen. Doch nicht nur das Marketing ist wichtig, auch die interne Organisation spielt eine bedeutende Rolle.

Wie wird die Zukunft für lokale Webvideo-Communities erfolgreich?

Eine Community lebt von der charismatischen Persönlichkeit ihres Leiters.” – David Schlaumacher in seinem Gastartikel.

Und diese Leiter für die Gruppen lassen sich finden. Viele der Gruppen machen bereits jetzt fortschrittliche  Entwicklungen. Die regelmäßigen Treffen bieten dem ganzen ein Fundament, Werbung findet durch Mundpropaganda statt. Und bei engagierten Gruppenleitern wie zum Beispiel Steve Heng in München, Benjamin Schulz mit dem Tubersclub und David Schlaumacher mit seiner Berliner Gruppe lassen sich Webvideo-Creator zur Mitarbeit anregen.

Zudem gibt es Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Institutionen wie dem Unperfekthaus, der Creative Forge und den YouTube Spaces für Mitglieder zur Professionalisierung. Diese unterstützen bei der Produktion, stellen Equipment und Räume zur Verfügung und bieten teilweise Workshops zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten an. Und von diesen Kooperationen sollte es mehr geben, um kreative Köpfe anzulocken und zu aktiven Mitgliedern zu machen.

Außerdem zeigen Kooperationen wie die zwischen dem Tubersclub und TubeGermany-Gruppen, was als Team bewegt werden kann, wenn der Konkurrenzgedanke abgelegt wird. Ein weiteres erfolgreiches Produkt, das einer der Administratoren von TubeNRW mit hervorgebracht hat, ist der Youlius-Award. Dahingehend könnten weitere Kollaborationen zwischen Gruppen zu einem gegenseitigen Erfolg beitragen, von der alle Seiten profitieren. Dies kann geschehen, indem beispielsweise weitere kleinere Gruppen mit den “etablierteren” Communities kooperieren, um gemeinsam mehr zu erreichen und lokale Communities in Deutschland in den Köpfen ankommen zu lassen.

Aber auch diese Überlegungen hängen, wie immer, von dem Interesse und dem aktiven Mitwirken der Mitglieder ab.” – Pascal Doden (TubeNRW) zu Projekten in lokalen Webvideo-Communities.

Was können deutsche Gruppen außerdem noch lernen? Ein Beispiel können sie sich an amerikanischen Communities nehmen. In den Staaten sind Meetups zu Webvideo-Themen keine Seltenheit. Auch London hat mit ihrer Community Unite-Konferenz eine Plattform für aufstrebende Künstler geschaffen. Eine Einführung, wie die Gründung einer lokalen Community funktioniert, gibt der Amerikaner Tim Schmoyer von Video Creators:

Eine Chance für die deutsche Webvideo-Szene

Auch wenn viele der Webvideo-Communities in ihrer Entwicklung noch am Anfang stehen, geben diese schon jetzt kleineren, unbekannteren Creatorn die Möglichkeit, sich zu vernetzen und auszutauschen, um sich auch weiter in ihren Produktionsergebnissen verbessern zu können. Durch die Möglichkeit der Vernetzung wird auch kleineren Kanälen die Chance gegeben, ein Publikum zu finden. Diese kleinen Kanäle sind ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Webvideo-Landschaft, die die Szene bunt und sehenswert gestalten. Deshalb sollte die Entwicklung dieser Kanäle auf jeden Fall gefördert werden.

Allerdings sollte man sich nicht auf dem aktuellen Stand ausruhen, denn in den lokalen Communities steckt großes Potential. Diese öffnen außerdem die Branche für Unerfahrene und machen das Thema Webvideo greifbar. Sie haben auch die Chance, wahrheitsgetreu zu berichten, was es heißt, Creator zu sein, um es zu schaffen, mit dem Klischee des “Traumberuf YouTuber” aufzuräumen.

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