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Support your favorite YouTuber! Crowdfunding und Fan-Support in der Webvideo-Welt

Immer mehr Creator lassen sich von Ihren Zuschauern bezahlen. Crowdfunding, Spenden und Co. haben nun auch die Webvideowelt erreicht und ermöglichen die Umsetzung aufwendiger, kreativer Projekte fernab vom Werbedruck. Doch wie erfolgreich lassen sich Inhalte mit Hilfe der Zuschauer finanzieren? Und sind Fan-Finanzierungen mittlerweile eine echte Alternative zu YouTube-Werbung und Produktplatzierungen?

In der Webvideowelt als Creator ohne eine Millionenreichweite Geld zu verdienen, ist alles andere als leicht. Die Entlohnung durch klassische YouTube-Werbung wird aufgrund immer weiter sinkender Tausenderkontaktpreise immer geringer. Die Zusammenarbeit mit Marken in Form von Produktplatzierungen oder Branded Entertainment bringt häufig viele Einschränkungen mit sich. Und weitere Wege Webvideo-Inhalte zu monetarisieren oder fördern zu lassen, sind bislang noch Mangelware oder mit umfangreichen Pitches und Auflagen verbunden.

Gerade für Webvideo-Creator, die nicht 0815-Challenges, simple Let’s Plays oder andere einfache Webvideo-Formate, sondern kreative, aufwändige und innovative Videos produzieren, wird es damit schwer ihre Ideen zu realisieren und finanzieren. Nicht wenige gute Konzepte bleiben dadurch – nur mangels einer ausreichenden Finanzierung – in der Schublade liegen. Während es damit über klassische Wege schwierig ist, aufwändige Projekt zu realisieren, gibt es mittlerweile alternative Möglichkeiten, um kreative Ideen Wirklichkeit werden zu lassen.

Finanzierung durch Zuschauer

So lassen sich immer mehr Webvideo-Creator ihre Ideen und Projekte von ihren Zuschauern finanzieren. Möglich wird dies durch neue Formen der Monetarisierung in Form von Crowdfunding-Kampagnen, Spenden, kostenpflichtigen Abonnements oder weiteren, neuen Wegen, wie sie bereits Creator wie darkviktory, DoktorFroid oder auch die Huckbros nutzen.

Viele der neuen Finanzierungsmöglichkeiten sind dabei natürlich keine komplett neuen Erfindungen, sondern bereits auch in anderen Bereichen fernab von Webvideo erprobt. Crowdfunding ist inzwischen eine beliebte Möglichkeit, um neue Produkte, Ideen und Projekte zu finanzieren, dank Spenden können zahlreiche NGOs, ihre Arbeit machen und Abonnements sind auch in anderen Bereichen spätestens seit Netflix, Spotify und Co. Normalität in der digitalen Welt.

Dass die Menschen dabei auch bereit sind für interessante Projekte zu zahlen, zeigen diverse Statistiken. Alleine 2016 wurden laut Für-Gründer.de 9,7 Millionen Euro bei Crowdfunding-Projekten über deutsche Plattformen eingesammelt. Zudem gaben in einer repräsentativen Umfrage von Crowdfunding.de 9 Prozent der befragten Teilnehmer an, sich schon mal finanziell an einem Crowdfunding-Projekt beteiligt zu haben. Ein Blick auf die Zahlungsbereitschaft bei digitalen Inhalten zeigt außerdem, dass 36 Prozent der Internetnutzer bereits für journalistische Inhalte im Netz zahlen, wie eine repräsentative Umfrage unter Internetnutzern ab 14 Jahren im Auftrag des Digitalverbands Bitkom ermittelt hat. Damit zeigt sich, dass alternativen Finanzierungsmöglichkeiten, bei denen der Nutzer bzw. Kunde Projekte direkt finanziell unterstützen, bereits jetzt in vielen Bereichen etabliert ist. Somit liegt der Schritt für Creator nahe, sich auch im Webvideobereich via Crowdfunding, Spenden und Co. finanziell unterstützen zu lassen.

Mit Crowdfunding erfolgreich Projekte finanzieren

Die wohl bekannteste Möglichkeit, wie mit Unterstützung der Zuschauer aufwendige Webvideo-Projekte finanziert werden können, ist dabei das Crowdfunding. Hierbei wird versucht im Rahmen einer Kampagne über einen befristeten Zeitraum eine bestimmte Geldsumme zu erreichen, die von den Zuschauern und allen anderen Interessierten finanziell unterstützt werden kann. In der Regel werden diese Crowdfunding-Kampagnen dafür über spezielle Plattformen wie Kickstarter, Indiegogo oder Startnext abgewickelt, auf denen einfach Crowdfunding-Kampagnen erstellt und abgewickelt werden können.

Als einer der ersten Webvideo-Macher in Deutschland versuchte sich der Animations-YouTuber darkviktory 2014 an einer solchen Art der Finanzierung. Für sein Projekt TubeClash sammelte er über Startnext für die erste Staffel des heutigen Erfolgsformat 8 000 Euro sowie für die zweite Staffel sogar 33 000 Euro von seiner Community ein. Hierbei konnten seine Fans das Projekt unterstützen, wofür sie im Gegenzug verschiedene Dankeschöns in Form von Erwähnungen oder Merchandise-Artikeln erhielten. Somit stellte darkviktory als einer der ersten YouTuber in Deutschland erfolgreich unter Beweis, dass gute Videoideen auch finanziell von den Zuschauern unterstützt werden können.

Regelmäßige Einnahmen durch Patreon

Natürlich ist Crowdfunding aber nur eine Möglichkeit, die Fans um Unterstützung zu bitten und bietet sich insbesondere für größere Projekte an, bei denen einmalig eine gewisse Geldsumme benötigt wird. Eine weitere, inzwischen sehr etablierte Methode, ist die Finanzierung von Projekten über Patreon. Bei Patreon handelt es sich dabei um einen Dienst, der es Kreativschaffenden erlaubt, ihren eigenen Abonnement-Dienst aufzubauen. So können hier Webvideo-Creator verschiedene Abo-Stufen festlegen, auf deren Basis die Zuschauer den Creator oder spezielle Projekte mit einem bestimmten Betrag monatlich unterstützen können. Im Gegenzug für die finanzielle Unterstützung erhalten die Zuschauer oft Belohnungen wie Zugriff auf exklusive Videos, die Möglichkeit sich aktiv einzubringen oder zeitexklusiv schon vorab Videos sehen zu können.

In Deutschland nutzen bereits einige Webvideomacher erfolgreich Patreon und finanzieren dadurch teilweise schon komplett ihre Inhalte. Der YouTube-Kanal „The Great War“ erzielt monatlich mehr als 16.000 US-Dollar durch Patreon, die YouTuber LeFloid, Frodoapparat und RobBubble konnten bislang mehr als 800 Zuschauer aus Ihrer Community überzeugen, Ihr Projekt NerdScope mit insgesamt fast 7.500 US-Dollar im Monat zu unterstützen und als weltweit erfolgreichster Patreon-Creator in der Kategorie Video & Film hat es der vom Münchener Animationsstudio Kurzgesagt produzierte, gleichnamige YouTube-Kanal geschafft, dass monatlich ihr Projekt mit mehr als 29 000 US-Dollar finanziell im Monat unterstützt wird.

Weitere Unterstützungsmöglichkeiten

Neben Crowdfunding und Patreon gibt es auch noch weitere Möglichkeiten für Webvideo-Creator, sich finanziell von Ihrer Community unterstützen zu lassen. Eine weitere, beliebte Methode, ist die Unterstützung in Form von freiwilligen Spenden. Dies ist insbesondere von Streamern auf Twitch sehr beliebt und wird dort intensiv genutzt. Dabei können die Zuschauer die Creator einfach über einen Spendenbutton mit einer selbst gewählten Summe unterstützen und für ihn „spenden“. Um dies abzuwickeln, gibt es mittlerweile sogar professionelle Tools nur für solche Zwecke wie Tipeeestream oder Twitch Cheering. Häufig funktioniert dies jedoch nur bei Livestreams sehr gut, da die Spender hierbei oftmals erwähnt und namentlich genannt werden, was für viele Zuschauer eine erhöhte Motivation ist, zu spenden.

Eine weitere Methode sich von der Community finanziell unterstützen zu lassen, sind außerdem Micropayments, womit Creator beispielsweise via YouNow oder live.ly Geld verdienen können, indem ihre Fans digitale Goodies für einen geringen Betrag kaufen können. Auch wenn sich dies noch am Anfang befindet, zeigt sich bereits in Asien und den USA, dass sich hierbei durchaus beachtliche Summen verdienen lassen. Zudem gibt es für Livestreamer sowohl auf YouTube als auch Twitch die Funktion, dass deren Kanäle von Zuschauern für einen festen monatlichen Betrag ähnlich wie bei Patreon abonniert werden können. Somit gibt es vielfältige Möglichkeiten sich als Creator von seinen Zuschauern finanziell unterstützen zu lassen und damit sein Projekt umzusetzen.

Fan-Support nur mit großer Community möglich?

Natürlich bringt das Ganze aber nur etwas, wenn die Fans die eigenen Projekte auch unterstützen. Eine gewisse Grundreichweite sowie gute Ideen sollten deshalb vorhanden sein, um überhaupt ein ausreichend großes Publikum anzusprechen, welches die eigenen Ideen finanzieren kann. Zudem bringen die alternativen Finanzierungsmethoden auch einige Risiken mit sich und sind nicht immer automatisch auch direkt ein Erfolg.

Das Webvideo-Projekt Oberucken der YouTuber SceneTake konnte beispielsweise das in der Crowdfunding-Kampagne anvisierte Ziel nicht erreichen. „Auch wenn wir das Fundingziel bei weitem nicht erreicht haben, waren wir dennoch von der großen Masse an Unterstützern begeistert.“, erklärt Daniel Gatzke, Geschäftsführender Gesellschafter der Gatzke Media UG und Teil von SceneTakeTV. Dass die Crowdfunding-Kampagne nicht erfolgreich zu Ende geführt werden konnte, hat dabei laut Gatzke mehrere Gründe: “Es ist wichtig so transparent wie möglich zu sein, damit die Unterstützer genau wissen, was mit ihrem Geld passiert. Ein gutes Projektvideo ist also elementar. Ich denke unser Video war schon ganz gut, aber beim nächsten Mal würde ich es einfach anders aufziehen. Ich würde viel mehr die „Macherseite darstellen und das Projekt stärker verkaufen. In unserem Video sind wir in Rollen aus der Serie geschlüpft und haben mit viel Humor versucht das Projekt zu erklären. Das ist für die Fans cool, aber nicht für komplett Fremde, die unser Serienuniversum noch nicht kennen. Fast genauso wichtig sind außerdem die Goodies. Auch wenn es hier Spenden sind um etwas Geiles zu ermöglichen, möchte jeder am Ende auch noch was cooles und möglichst Exklusives als „Belohnung“ mitnehmen. Die Goodies müssen also interessant, möglichst limitiert, aber auch bezahlbar für dich als Produzent sein.

Trotz des Misserfolgs der Kampagne, war der Versuch aber trotzdem wichtig, wie Daniel Gatzke erklärt: “Entweder wir lassen es sein, wir nehmen einen Kredit auf und verschulden uns, oder wir bitten die Zuschauer um Hilfe. Unsere Zuschauer kennen uns sehr gut und haben uns quasi dazu ermutigt den Schritt zu gehen. Am Ende waren es zwar zu wenig Unterstützer, aber es war richtig es auszuprobieren.

Wie es anders gehen kann hat Daniel Gatzke gemeinsam mit darkviktory beim Projekt TubeClash gezeigt. Dieses Projekt schlug voll ein und konnte bei beiden durchgeführten Crowdfunding-Kampagnen die anvisierten Finanzierungsziele deutlich übertreffen. Hierbei wurde das Projekt jedoch auch von mehreren reichweitenstarken Creatorn unterstützt und konnte direkt von Anfang an die Zuschauer überzeugen – ein Privileg, dass nicht jeder Webvideo-Creator hat.

Während mit Hilfe von Crowdfunding-Kampagnen nur einmalige Beträge gesammelt werden können, bietet Patreon die Möglichkeit, eine beständige Finanzierung zu gewährleisten. Erst kürzlich entschieden sich dabei mit den Huckbros ein verhältnismäßig kleiner YouTube-Kanal mit knapp 2000 Abonnenten dazu, Patreon zu nutzen: „Patreon war durch seine generelle Handhabung inklusive einfachem Zugang beim Posten diverser Medien und dem großen Vorteil ein oder mehrere „Goals“ über viele Monate und Jahre zu finanzieren einzigartig.„, erklärt Robin Huck, gemeinsam mit Nicolas Huck Betreiber des YouTube-Kanals, hierzu. Er erhofft sich durch Patreon in Zukunft mehr Projekte umsetzen zu können, die den Zuschauern gefallen: „Tatsächlich möchten wir einen kleinen bis mittelgroßen Kreis Supporter und Gleichgesinnten ansprechen mit denen wir teilweise zukünftig auch kollaborieren möchten – ehrlich: Spaß haben möchten.“ Bislang konnten – Stand 14.05.2017 – 12 Patreons überzeugt werden insgesamt monatlich 41 US-Dollar zu spenden. Ein noch geringer Betrag, durch den die Huckbros somit nur ein nettes Taschengeld bekommen. Doch dies schreckt die Huckbros nicht von großen Ambitionen ab, wie Robin Huck erklärt: „Wenn wir in Zukunft irgendwann Vollzeit für diese wachsende Gemeinschaft Filme und Serien produzieren dürfen wäre das ein Traum… für uns eine besondere Ehre.

Es zeigt sich damit, dass auch kleinere Creator durchaus via Patreon, Crowdfunding-Plattformen oder weiteren Finanzierungsmöglichkeiten, für ihre Inhalte entlohnt werden können – wenn auch in geringerem Umfang. Wichtig sind nur gute Ideen und eine treue Fan-Basis, die bereit ist auch für Inhalte zu zahlen und die Creator zu unterstützen.

Crowdfunding, Patreon und Spenden – eine echte Alternative?

Damit haben sich die neuen Finanzierungsmethoden zu echten Alternativen gegenüber YouTube-Werbung, Produktplatzierungen und Co. entwickelt, wie Daniel Gatzke überzeugt erklärt: „Crowdfunding ist in meinen Augen die allerbeste Möglichkeit, sofern eine Vollfinanzierung möglich ist. Du hast Unterstützer, die genau das wollen und denen lieferst du es auch. Sie finanzieren dein Projekt und ermöglichen dir dadurch eine noch größere Masse zu begeistern. Du musst keine Rechte verkaufen oder mit Werbung den Content kaputt machen. WIN-WIN für Produzent und Zuschauer.“ Auch die Huckbros sind überzeugt, dass Crowdfunding, Patreon oder Spenden bei aufwendigen, kreativen Projekte super Möglichkeiten sind, um diese Inhalte finanzieren zu können: „Patreon, Indiegogo oder Kickstarter sind in jedem Fall wichtig für Creators die unter normalen Umständen (*hust* YouTube Trend-Seite) entweder durch mangelnde Zuschauerschaft oder den hohen Produktionsaufwand ihrer Projekte in ihrer Kreativität beschränkt werden.

Einige Webvideo-Projekte zeigen dabei bereits jetzt erfolgreich, was nur durch eine Fan-Finanzierung möglich ist. So arbeiten für den Geschichts-YouTube-Kanal „The Great War“ mittlerweile mehrere Personen Vollzeit an dem Kanal, um wöchentlich bis zu drei neue Videos zu veröffentlichen. Ohne Crowdfunding via Patreon würde es damit den Channel in der heutigen Form wahrscheinlich nicht mehr geben. Dieser generiert bei bei 600.000 Abonnenten schließlich „nur“ 4.5 Millionen Videoabrufe im Monat und dürfte damit bei weitem nicht durch Werbung die gleichen Einnahmen erzielen, wie es das Projekt nun mit Hilfe von Crowdfunding tut. Alleine über Patreon erzielt das Projekt momentan monatlich mehr als 16.000 US-Dollar von seiner Community. Hinzu kommen weitere Erlösströme wie eigenes Merchandise.

Crowdfunding, Spenden und Co. können somit echte Alternativen gegenüber YouTube-Werbung und Produktplatzierungen werden. Um jedoch auch wirklich große, aufwändige Projekte zu finanzieren gilt es hierbei jedoch auch, wie vielen weiteren Finanzierungsmöglichkeiten, zuerst einmal eine Basis zu schaffen. Ohne ein treues Publikum und gute Inhalte, für die die Zuschauer bereit sind auch Geld auszugeben, dürfte eine Fan-Finanzierung sich schwierig gestalten. Gerade für aufwändige, kreative und innovative Webvideo-Projekte, die jedoch über die etablierten Monetarisierungswege nicht finanzieren lassen, bieten Plattformen wie Patreon oder Crowdfunding-Kampagnen gute Möglichkeiten, um ihre Projekte umsetzen zu können. Dass dies machbar ist, haben bereits genug Projekte unter Beweis gestellt!