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„Lokale Webvideo-Szenen bieten auf jeden Fall einen Mehrwert“ – Steve Heng im Interview

Als einer der ersten lokalen Webvideo-Communities versammelt TubeMunich regelmäßig Webvideo-Begeisterte aus München und Umgebung. Initiiert vom Café Netzwerk und dem YouTuber Steve Heng ist TubeMunich damit mittlerweile eine feste Institution der Münchener Webvideo-Szene und gilt als Vorreiter der lokalen Webvideo-Communities. Broadmark hat deshalb mit dem YouTuber Steve Heng über die Entwicklung der Münchener Webvideo-Szene und Herausforderungen sowie Chancen lokaler Communities gesprochen. 

Broadmark: Du bist sehr aktiv in der Münchener Webvideo-Szene und organisierst gemeinsam mit dem Café Netzwerk unter anderem das Veranstaltungsformat TubeMunich mit. Wie kam es dazu, dass du dich hier so engagierst?

Steve Heng: Nachdem ich mit YouTube angefangen hatte, habe ich schnell gemerkt, dass ich mich im lokalen Raum ein wenig allein gefühlt habe. Deshalb habe ich begonnen, über Facebook, Twitter und Co. nach Leuten zu suchen, die das gleiche Hobby mit mir teilen. Dabei konnte ich erste Kontakte mit anderen Münchener YouTubern knüpfen.

Nebenbei war ich außerdem beim Café Netzwerk tätig, einer medienpädagogischen Einrichtung in München. Hier haben wir dann überlegt, ob man nicht auch vom Café Netzwerk aus etwas im Webvideo-Bereich machen könnte, und die Idee für TubeMunich, einem regelmäßigen Treffen für YouTuber und ihre Zuschauer, ist entstanden. Dadurch habe ich gemerkt, wie viel Spaß es machen kann, mit vielen anderen Leuten YouTube zu betreiben.

Nachdem ich dann gemeinsam mit dem Café Netzwerk TubeMunich aufgebaut hatte, kam bald darauf die Bavaria Film auf mich zu und holte mich als Community Manager für ihr Digital-Projekt  „creative.forge @ Bavaria Film“ an Bord.

Broadmark: Welche Möglichkeiten gibt es denn für Creator und Interessierte aus München und Umgebung aktuell, sich einzubringen, auszutauschen und weiterzubilden?

Steve Heng: Wie bereits erwähnt, gibt es vom Café Netzwerk mit TubeMunich ein regelmäßiges Treffen für Webvideo-Creator. Hier laden wir immer große Gastdozenten ein, um ein wenig Input zu geben und über Webvideo-Themen zu diskutieren. Seit neuestem gibt es vom Café Netzwerk das Projekt VideoLab. Hier können Anfänger, die einen YouTube-Kanal eröffnen möchten, lernen, wie sie richtig auf YouTube starten.

Im nächsten Schritt können diejenigen, die sich professionalisieren wollen, die Angebote der „creative.forge @ Bavaria Film“ nutzen: zum Beispiel Equipment leihen oder auch in Studios und Kulissen drehen. Auch Workshops werden organisiert.

Broadmark: Inwieweit würdest du denn sagen, dass es damit mittlerweile eine richtige Münchener Webvideo-Szene gibt?

Steve Heng: Das Ganze ist auf einem guten Weg. Es gibt inzwischen ein Verständnis für die Thematik bei den wichtigsten Institutionen und diese wird dadurch viel ernster genommen. Auch wenn es immer heißt, in München gäbe es keine großen YouTuber, sind doch einige bekannte Creator wie Der Heider, Zeo oder Sophia Thiel aktiv. Es herrscht nur noch kein so großer Lokalpatriotismus wie in Köln oder Berlin. In München und im gesamten süddeutschen Raum hat sich inzwischen eine lokale Webvideo-Szene entwickelt – sie steht nur noch nicht so stark in der Öffentlichkeit.

Broadmark: Neben München bilden sich inzwischen auch in einigen weiteren deutschen Städte kleine und größere Webvideo-Communities. Wie beobachtest du diese Entwicklung?

Steve Heng: Das ist eine gute Entwicklung, die ich sehr begrüße. In vielen Städten befinden sich diese Gruppierungen jedoch noch am Anfang, da es oftmals an der Motivation der Beteiligten mangelt und nur wenige gibt, die Verantwortung übernehmen. Dazu ziehen viele große YouTuber in die großen Webvideo-Städte wie Köln oder Berlin.

Deshalb würde ich mir wünschen, dass es noch ein stärkeres Verständnis für das Thema Webvideo gibt und ein Umdenken bei den Webvideo-Creatorn stattfindet. Je mehr Leute an einem Strang ziehen, desto positiver werden sich auch die lokalen Communities entwickeln.

Ein positives Beispiel hierfür ist TubeHamburg, das von David Schlaumacher gegründet wurde. Er war bei uns und wollte deshalb auch in Hamburg eine ähnliche lokale Community aufbauen. Damit ist er jedoch leider alleine, da nur sehr wenige so denken und auch auf lokaler Ebene aktiv werden.

Broadmark: Auch wenn sich weiterhin immer mehr lokale “Webvideo-Szenen” entwickeln, sind in diesen oftmals nur wenige Creator aktiv, und es wird oftmals nur sehr spärlich kommuniziert, dass es überhaupt diese Gruppierungen gibt. Woran denkst du liegt das? Welchen Herausforderungen müssen sich lokale Webvideo-Szenen außerdem stellen?

Steve Heng: Es mangelt vor allem am Verständnis und an Leuten, die sich berufen fühlen, als Multiplikator die lokale Szene zu unterstützen und voran zu bringen. Da braucht man wirklich jemanden, der den anderen in den A… tritt. (lacht)

Dazu würde ich mir wünschen, dass viele Creator einfach offener sind und einfach mal schauen, was es für Möglichkeiten gibt, lokal aktiv zu werden. Leider ist es oftmals noch nicht mal Normalität, sich gegenseitig zu unterstützen. Da ist noch mehr Verständnis nötig.

Ich würde mir deshalb wünschen, dass einfach ein paar Macher das Ganze weiter vorantreiben!

Broadmark: Inwiefern bieten die lokalen Webvideo-Szenen deiner Meinung nach einen Mehrwert? Und braucht es deiner Meinung nach überhaupt lokale Webvideo-Szenen?

Steve Heng: Lokale Webvideo-Szenen bieten auf jeden Fall einen Mehrwert. Das fängt schon damit an, dass man besser Hand in Hand gemeinsame Projekte vorantreiben und wachsen kann, statt im Konkurrenzkampf zu stehen.

Dazu ist die Gefahr nicht so groß, dass weiterhin alle großen YouTuber nach Köln oder Berlin ziehen, wenn sie lokal bereits eine eigene Creator-Community haben. Und die lokalen Webvideo-Szenen stärken auch den Markt in den anderen Städten. Es muss eben nur viel vernetzt und getan werden, um auch auf lokaler Ebene etwas zu erreichen.

Broadmark: Was könnte getan werden, um die lokalen Webvideo-Szenen zu fördern?

Steve Heng: Es müsste mehr Einrichtungen geben, die sich berufen fühlen, auf lokaler Ebene die Bildung von Webvideo-Communities zu unterstützen. Wir brauchen einfach eine stärkere Vernetzung und mehr Kooperationen zwischen diesen Institutionen und den Creatorn.

Natürlich sollten sich aber auch die Creator stärker dafür einsetzen und sich beim Aufbau lokaler Communities engagieren.

Broadmark: Wohin denkst du, werden sich in Zukunft die lokalen Webvideo-Szenen entwickeln? Inwieweit werden diese an Bedeutung weiter zunehmen?

Steve Heng: Ich denke, dass diese früher oder später auf jeden Fall weiter wachsen werden – natürlich aber abhängig von den jeweiligen Bundesländern und bereits vorhandenen Webvideo-Communities.

Dazu denke ich, dass die Medien aufmerksamer auf die lokalen Webvideo-Communities werden müssen. YouTube selbst fördert momentan mit dem Ambassador-Programm verstärkt die Bildung dieser lokalen Webvideo-Szenen. Ich bin beispielsweise Ambassador für München, wodurch hier lokal noch mehr gemacht werden kann und München damit noch einiges Potenzial hat. Somit bin ich gespannt auf die zukünftige Entwicklung der Webvideo-Communities.

Broadmark: Vielen Dank für das nette Interview!

Beitragsbild von Steve Heng