funk – das neue Content-Netzwerk von ARD und ZDF

Noch ist der funk(e) nicht richtig rübergesprungen…

Am 1. Oktober 2016 startete mit funk das junge Angebot von ARD und ZDF. Was hat sich seitdem getan? Und inwiefern ist funk schon jetzt ein Erfolg? Franziska Peinelt und Lukas Menzel haben sich die aktuellen Entwicklungen angeschaut.

Mit jeder Menge Aufmerksamkeit startete funk Anfang Oktober des vergangenen Jahres. Das junge Angebot von ARD und ZDF war angetreten, um die 14- bis 29-Jährigen zu erreichen. Nur im Internet und nur mit Webvideo-Inhalten. Dafür machte funk vieles anders als die Kollegen vom Fernsehen und startete als Content-Netzwerk mit mehr als 40, größtenteils extern produzierten, Formaten sowie einer eigenen App.

Top- und Flop-Formate

Um dabei zum Start auch die Zuschauer zu erreichen und nicht in der Masse von Webvideo-Inhalte unterzugehen, kooperierte funk von Anfang an mit vielen bereits bekannten Webvideo-Protagonisten. So erhielt der YouTuber Fynn Kliemann mit dem “Kliemannsland” seinen eigenen Bauernhof, wo er sich austoben konnte, das bereits bekannte Gaming-Format 1080Nerdscope wurde weitergeführt, die RocketBeans erhielten ihren GameOne-Nachfolger GameTwo, in dem sie die neuesten Videospiele vorstellen und mit Wishlist startete auch eine eigene fiktionale Mystery-Webserie, in der unter anderem Dagi Bee mitspielte.

Während die genannten Formate sich gut entwickelten und es schafften, innerhalb kürzester Zeit die Zahl von hunderttausend Zuschauern zu knacken, gab es jedoch viele Formate, die nur ein kleines Publikum erreichten. So erreichen Formate wie “Auf Klo”, “TOURETTIKETTE”, “INFORMR”, “Team Playground” oder “Fickt euch” auch vier Formate nach dem Start von funk nur wenige tausend oder sogar teilweise nur hunderte Zuschauer. Dazu wurde die funk-App, die zwar innerhalb weniger Wochen die 100 000-Downloads knackte, bereits nach wenigen Wochen gerelauncht, da funk es verpasst hatte, die eigenen Video-Inhalte in der App in den Vordergrund zu stellen. Somit lief der Start sehr gemischt und zeigte schnell, vor welchen Herausforderungen funk steht.

Die Fakten

Dies zeigt auch ein Blick auf die Zahlen. Nach eigenen Angaben konnten die Inhalte von funk bis dato 50,3 Millionen Videoabrufe auf YouTube und 22,7 Millionen Abrufe auf Facebook verzeichnen. Dazu wurde die App mittlerweile 112 000 Mal gedownloadet. Zahlen, die auf den ersten Blick beeindruckend klingen und auch für funk-Geschäftsführer Florian Hager zufriedenstellend sind. “Diese Zahlen sind zufriedenstellend, allerdings wollen wir 2017 unser Angebot analysieren, optimieren und diversifizieren und natürlich unsere Reichweite erhöhen. Wir freuen uns natürlich, dass einige unserer Formate auf Anhieb großen Anklang fanden, uns ist aber auch bewusst, dass nicht jedem Format so ein Schnellschuss vergönnt ist.

Damit gibt sich Hager durchaus selbstkritisch. Vergleicht man funk mit anderen Playern im Webvideo-Markt, lässt sich schnell sehen, dass die rund 73 Millionen Views seit dem Start von funk zwar durchaus beachtlich sind, jedoch funk damit nur ein kleiner Stern im Webvideo-Kosmos ist. Multi-Channel-Netzwerke wie Studio71 (über 450 Mio. Views pro Monat in Deutschland), TubeOne (600 Mio. Klicks im Monat) oder das allyance network (über 300 Mio. Videoabrufe im Monat) zeigen in welchen Größenordnungen die bereits etablierten Player spielen. Die erfolgreichsten Webvideo-Produzenten, wie die Lifestyle-YouTuberin BibisBeautyPalace (55 Mio. Videoabrufe im Monat), Gronkh (35 Mio. Views pro Monat) oder Paluten (43 Mio. Klicks im Monat) erreichen sogar im Alleingang als einzelne Creator teilweise mehr als 100 Prozent der Views, die funk mit seinen Inhalten im Monat schafft.

Doch nicht nur, dass die gesamte Reichweite damit noch überschaubar ist. Vor allem das starke Gefälle innerhalb der funk-Inhalte fällt auf und zeigt, vor welchen Herausforderungen das Content-Netzwerk steht. Formate, die ohne die Zusammenarbeit mit bereits etablierten und bekannten Creatorn produziert werden, haben es schwer, sich durchzusetzen und eine signifikante Reichweite zu erreichen. Trotz nicht gerade geringem Aufwand und einer hochwertigen Produktion schaffen es diese bislang fast ausschließlich nicht, ein eigenes Publikum aufzubauen. Natürlich ist es wichtig in der Webvideowelt neuen Inhalten trotzdem Zeit zu geben, doch darf bezweifelt werden, dass ein Format wie “Tourettikette”, welches vier Monate nach dem Start gerade einmal 5.800 YouTube-Abonnenten und durchschnittlich 2 000 bis 3 000 Zuschauer pro Video erreicht, sich hier aus eigener Kraft in den kommenden Monaten steigern wird.

Die Pläne von funk

Auch funk hat dies erkannt und möchte dem mit kontinuierlich neuen Formaten entgegenwirken, wie Florian Hager im Hinblick auf die weitere Entwicklung von funk erklärt: “Es ist in der Webvideowelt ein normaler Prozess, dass Formate Zeit brauchen, um eine Community aufzubauen. Deshalb arbeiten wir ständig an unseren Formaten und sind in engem Kontakt mit unseren Nutzern. 2017 werden wir auch versuchen, unser fiktionales Portfolio auszubauen.” Konkret zeigt sich bereits jetzt, dass funk im Hintergrund nicht untätig ist und fast im Wochenrhythmus neue Formate und Inhalte angekündigt werden. Neben reinen Webvideo-Formaten wie der neuen Webserie “Der Wedding kommt” vom UFA Lab oder der Mediensatire “Waluis sieht fern”, versucht sich funk auch als Anbieter von VoD-Inhalten. Am 31.01. starten beispielsweise die Mystery-Serien „Wayward Pines“ und „Outcast“ von Fox zusammen mit ZDFneo. Außerdem hat funk gemeinsam mit der Tagesschau den Newsbot “Novi” gebaut, der über den Facebook-Messenger zweimal täglich über aktuelle News informiert. Zudem wurden bereits die ersten Fortsetzungen bestehender Formate angekündigt. Noch in diesem Jahr sollen die Mystery-Webserie „Wishlist“ und die Snapchat-Soap „iam.Serafina“ fortgesetzt werden.

Damit zeigt sich, dass funk alles andere als untätig ist und viel dafür tut, mit den 45 Millionen Euro Budget, die dem jungen Angebot von ARD und ZDF jährlich zur Verfügung stehen, die 14- bis 29-Jährigen zu erreichen. Inwiefern dies tatsächlich gelingt, bleibt vorerst abzuwarten. Fest steht jedoch bereits jetzt, dass funk sich deutlich steigern muss, um einen signifikanten Anteil der 14- bis 29-Jährigen in Deutschland mit seinen Inhalten zu erreichen. Noch ist funk hiervon weit entfernt.

Beitragsbild von Lukas Menzel



  • Der App einen Relaunch zu verpassen war mehr als nötig, es gab Gründe ohne Ende. Vor allem aber wirkte die App unfertig, selbst wenn man gezielt nach Formaten gesucht hat, hat man diese nicht gefunden. Meiner Meinung nach eine Fehlkonstruktion die noch vor dem Launch hätte auffallen müssen.