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Wishlist – Ich wünschte, es gäbe mehr solcher Webserien

Zum heutigen Tag startet die Webserie Wishlist. Broadmark war bereits vorab auf der Premiere der Serie und hat sich angeschaut, inwiefern die ersten fünf Folgen der Webserie überzeugen, was noch von Wishlist zu erwarten ist und was die Besucher von Wishlist halten.

Wishlist ist die neue Webserie von Outside the Club — dem Team, das bereits vivi&denny produziert hat — und Lifestyle-Vloggerin sowie Synchronsprecherin Hello Chrissy. Die von Radio Bremen, MDR und SWR für funk produzierte Webserie handelt dabei von einer harmlos erscheinenden App, die für die Erfüllung einer Aufgabe einen Wunsch wahr werden lässt. Dass dies nicht lange gut gehen kann, steht schnell fest.

So beginnt bereits die erste Folge mit einem mysteriösen, aber relativ schnell geschnittenen Vorspann, der schnell die Frage weckt: “Wird die restliche Serie ebenfalls so aussehen? Schnell geschnitten, im YouTube-Style?” Dies bewahrheitet sich allerdings nicht. Denn abgelöst wird der Vorspann schnell von einer Plansequenz, einem langen Shot, der ohne Schnitt gezeigt wird. In einer späteren Folge durchbricht die Hauptdarstellerin, Vita Tepel, sogar die vierte Wand, indem sie direkt zum Zuschauer spricht. Schnell merkt man dadurch, hier waren Cineasten am Werk.

Eine Kinoerfahrung als Webserie

Wishlist schafft es dabei, nicht nur filmische Mittel in die Webserie zu integrieren und sie somit zu einem Kinoerlebnis zu machen. Auch die Tatsache, dass die Hauptrollen von professionellen Schauspielern übernommen wurden, steigert den Wert der Serie. Die Macher schaffen es, glaubhafte Charaktere zu kreieren, die auch mit Klischees wie dem Macho oder der Zicke spielen können, ohne künstlich zu wirken. Zusätzlich kommen aber auch viele YouTuber wie Dagi Bee, Mr Trashpack, Davis Schulz oder dailyknoedel in Nebenrollen vor. Diese teils durchgeknallten Rollen bilden einen Gegenpol zu den vergleichsweise ernsten Hauptfiguren und bringen Witz in die Serie.

Wishlist bringt, wie es für eine Mystery-Serie üblich ist, viele Geheimnisse mit sich. Die Figuren haben ihre individuellen Lebensgeschichten, die erzählt werden. Ihre Hintergründe erfährt der Zuschauer allerdings erst im weiteren Verlauf der Serie. Dadurch warten einige Überraschungen sowie die ein oder andere unvorhergesehene Handlung auf den Zuschauer.

Wishlist – eine Empfehlung?

Schon beim Betrachten der Trailer und beim Anschauen der ersten Folge wird einem klar, dass Wishlist eine durch und durch professionelle Webserie geworden ist. Das Bild ist qualitativ hochwertig und der Bildaufbau ist durchweg schön gewählt. Dabei stört nur, dass hin und wieder die Schärfe nicht ganz stimmt – vor allem wenn die Kamera in Bewegung ist. Das lässt sich jedoch beim Blick auf die schönen, aber unauffälligen Visual Effects verschmerzen. Dazu zählen eingeblendete WhatsApp-Verläufe, die visualisierte Wishlist-App, aber auch weitere Feinheiten, wie zum Beispiel Hintergründe bei Autofahrten, die dem Zuschauer nicht als CGI-Effekte auffallen.

Auch der Aufbau der einzelnen Folgen ist gut gelungen. So startetet jede Episode mit einem spannenden Ausblick auf die Folge, der motiviert, dran zu bleiben. Die Folgen enden meist mit einem Cliffhanger, der einen mehr oder weniger zwingt, die Webserie weiter zu schauen, um zu erfahren, wie es in der nächsten Folge wohl weitergeht.

Diese Cliffhanger werden aber auch gebraucht, um die Spannung zu halten. Denn die Geschichte kommt zu Anfang leider nicht in Schwung. Ein klares Problem, da es wirkliche Helden- und Schurken-Figuren sowie keinen stringenten Handlungsverlauf von Anfang an gibt. Dies ist vor allem Schade, da es wahrscheinlicher ist, dass ein YouTube-Video vom Zuschauer abgebrochen wird, als dass ein Kinobesucher den Saal verlässt. Somit wird mit der nur langsam in Fahrt kommenden Story leider einiges Potenzial verschenkt. 

YouTube braucht mehr Webserien wie Wishlist

Während die erste Folge die Grundsteine für die weitere Handlung legt, beginnt ab der zweiten Folge die Geschichte mehr und mehr in Fahrt zu kommen. Das Ende der zweiten Szene war der Moment, an dem das Publikum bei der Premiere zum ersten mal geklatscht hat. Mit der zweiten Folge wurde schließlich auch die letzte Skepsis der Zuschauer überwinden. So kam es ab der zweiten Folge zu Ende jeder weiteren Episode immer wieder Beifall.

Die neue Webserie von Outside the Club und Hello Chrissy ist damit eine klare Empfehlung für Freunde von Webserien, dem Mystery-Genre oder jeden, der einfach qualitative Inhalte auf YouTube sucht. Sie vereint sowohl Kino- als auch Webserien-Elemente, hält YouTube Deutschland an einigen Stellen den Spiegel vor und erzählt eine spannende Geschichte. Eine Geschichte, die man allerdings erst zulassen muss.

In der Q&A-Runde wurde Hello Chrissy gefragt, was denn nach der fünften Folge noch zu erwarten sei. Daraufhin rief das Publikum: “Nicht Spoilern!” Das Premieren-Publikum war gefesselt, hat gelacht, geklatscht und einen schönen Abend mit einer schönen Webserie verbracht und will nun selbst erfahren, wie es weiter geht. Mit einer Webserie, die hoffentlich viele motiviert, weitere Webserien, Fanfilme, Kurzfilme und andere YouTube-Videos wie diese zu produzieren – denn davon kann es gerne mehr in YouTube-Deutschland geben! 

Die erste Folge von Wishlist ist bereits auf dem YouTube-Kanal der Serie online zu sehen. Weitere Folgen erscheinen jeweils Donnerstag auf dem YouTube-Kanal von Wishlist:

Beitragsbild von funk