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„Wir erwarten, dass Streaming insgesamt und unsere Plattform weiterhin wachsen“ – Simon Koschel von Twitch im Interview

Im Broadmark-Interview verrät Simon Koschel von Twitch, wie er den Livestreaming-Markt einschätzt, sich Twitch entwickelt und was die Plattform plant. 

simon-koschel von TwitchDer Markt der Livestreaming-Plattformen ist spannender denn je. Insbesondere bei den Gaming-Streamingplattformen tut sich viel, hat YouTube erst kürzlich mit YouTube Gaming ein dediziertes Portal für Gaming-Interessierte und Gaming-Streamer gelauncht. Auch wenn Twitch damit nun langsam Konkurrenz bekommt, ist die Livestreaming-Plattform nach wie vor unangefochten Marktführer. Wir haben deshalb mit Simon Koschel, Partnerships Account Manager DACH bei Twitch, über den Livestreaming-Markt, die Entwicklung von Twitch und zukünftige Pläne der Plattform gesprochen.

Broadmark: Livestreaming ist aktuell das Thema schlechthin. Hierbei spricht man jedoch in erster Linie aktuell über Facebook Live, Periscope, live.ly und Co. Wie sieht sich Twitch in diesem neuen, wachsenden Markt?

Simon Koschel: Twitch ist primär eine Livestreaming-Plattform für die Gaming-Industrie, und diese Seiten bespielen ein breiteres Spektrum. Es überrascht mich daher nicht, dass wir in solchen Listen nicht aufgeführt werden. Allerdings ist es wichtig zu verstehen, dass Twitch auch ein soziales Netzwerk für unsere Community ist, und darüber hinaus ein Wegbereiter im Social Video Bereich, weswegen es super ist, dass wir uns heute unterhalten können.

Broadmark: Hierbei ist Twitch im Gaming-Livestreaming-Bereich klarer Marktführer. Wie viele Streamer und Zuschauer habt ihr dabei aktuell – vor allem in Deutschland?

Koschel: Wir haben mehr als 2 Millionen einzelne Broadcaster im Monat, mit nahezu 10 Millionen Seitenbesuchern am Tag. Wir teilen keine landesspezifischen Statistiken, aber ich kann dir sagen, dass Deutschland immer eins unserer Top 5 Länder ist und die deutsche Community super wichtig für uns ist.

Broadmark: Auch wenn Ihr nach wie vor Marktführer seid, kommt mit dem Start von YouTube Gaming in Deutschland nun langsam auch Konkurrenz. Wie beobachtest du dies?

Koschel: Wir schätzen natürlich, dass auch andere Plattformen bestätigen, dass Gaming-Video ein wichtiger Teil der Unterhaltungsindustrie ist. Allerdings wird die Ausrichtung von Twitch ausschließlich von unserer Community beeinflusst, und nicht von den Aktivitäten anderer Unternehmen. Als Beispiel: Unsere Community hat sich lange einen HTML5 Player auf Twitch gewünscht, weswegen wir unsere Plattform weiterentwickelt haben und derzeit zum neuen Format migrieren.

Broadmark: Im Zuge des Launches von YouTube Gaming wechselten zum 1. September nun die Rocket Beans von Twitch zu YouTube. Wie beurteilst du diesen Schritt?

Koschel: Twitch hat sehr spezifische Regelungen im Bezug auf die Inhalte, die man übertragen kann. Da die Rocket Beans sich ein Universum aufbauen, das weit über Gaming herausragt, waren ihre Inhalte und unsere Plattform nicht mehr so kompatibel wie früher. Bestimmt arbeiten wir in der Zukunft nochmal zusammen, bis dahin wünschen wir der Raketenbohne viel Erfolg auf ihrer Reise!

Broadmark: Insgesamt spielen auf Twitch vor allem die Top-Streamer und große Events eine wichtige Rolle. Was tut Twitch, um seine Partner zu halten beziehungsweise weiterhin von Twitch zu überzeugen?

Koschel: Wenn Twitch sich entscheidet an einer neuen Funktion oder einem neuen Produkt zu arbeiten, fragen wir uns zuallererst: Ist das gut für unsere Broadcaster? Denn wenn unsere Streamer Erfolg haben, haben wir Erfolg, weswegen wir immer die Bedürfnisse unserer Community in den Vordergrund stellen.

Wir arbeiten auf der ganzen Welt eng mit unseren Partnern zusammen. Auf der gamescom beispielsweise wurde unseren Partnern die Möglichkeit gegeben, live von der Messe in unserer Intel Streamer Zone zu übertragen. Einige deutschsprachige Partner waren auch Teil unserer Bühnenshow, und alle waren zu unserem jährlichen Twitch Partner Summit eingeladen, auf dem wir die Streamer-Community zusammenbringen und die Möglichkeit für Feedback und Austausch bieten.

Broadmark: Twitch kennt man vor allem für das Livestreamen von Gaming-Inhalten, auch wenn ihr euch hierbei in den letzten Monaten bereits geöffnet habt. Inwiefern plant ihr dies auch so beizubehalten oder möchtet ihr euch da auch breiter aufstellen?

Koschel: Die Ausrichtung von Twitch wird primär von den Bedürfnissen unserer Community beeinflusst. Wir richten uns also nach unseren Benutzern. Twitch Creative ist ein gutes Beispiel — hier kann man zeigen, wie etwas gemacht oder kreiert wird, zum Beispiel das Erstellen eines Gemäldes, einer Musikkomposition, oder auch das Kochen eines Gerichtes. Diese Kategorie stammt ursprünglich aus unserer Gaming-Community. Es zeigte sich, dass viele Gamer Fan-Artworks oder Cosplays zu ihren Lieblingsspielen erstellen wollten, also öffneten wir die Spielkategorie “Creative”, unter der sie diese Projekte übertragen konnten. Als wir das schnelle Wachstum dieser Kategorie identifizierten, war uns klar, dass wir hier eine komplett eigene Sektion für Creative auf unserer Plattform brauchen.

Social Eating, bei dem Streamer eine Mahlzeit zu sich nehmen, während sie mit ihren Zuschauern interagieren, ist eine weitere große non-Gaming Kategorie, die in unserer Gaming-Community aufgekommen ist. In Südkorea ist Social Eating ein andauernder Trend und ein wichtiger Teil der Onlinekultur. Dementsprechend hatten viele südkoreanische Streamer versucht, Social Eating in ihre Gaming-Übertragungen einzubauen, woraufhin wir uns entschieden es als Beta-Kategorie einzuführen. Dies ist zum Vorteil unserer asiatischen Community — darüber hinaus aber haben unsere Koch-Streamer auf Twitch Creative jetzt einen Ort, wo sie ihre Gerichte verspeisen können, und unsere Gaming-Streamer können jetzt eine Essenspause einlegen, und trotzdem noch weiter mit ihrer Community interagieren.

Broadmark: Neben der Öffnung für weitere Genres habt ihr auch die Monetarisierung umgestellt und bietet jetzt neben der Werbefinanzierung, Subscriptions auch mit Cheering ein eigenes Spendensystem an. Wie kam es dazu? Und wie ist die Resonanz bislang zu diesem neuen System?

Koschel: Wir suchen immer nach neuen Wegen und Arten, mit denen unsere Community ihre Lieblingsstreamer unterstützen kann. Cheering ist hierfür das beste Beispiel. Mit Cheering können Zuschauer ihre Lieblingsmomente mit dem Rest der Community feiern — direkt im Chat! — und damit ihre Lieblingsstreamer direkt unterstützen. Das ist ein bisschen anders als ein “Spendensystem”, aber letzten Endes helfen beide unseren Streamern, mehr Erfolg zu haben. Während der gamescom haben wir angekündigt, dass Cheering jetzt in Deutschland verfügbar ist. Es ist noch etwas zu früh, um zu sagen, wie erfolgreich es sein wird, aber wir haben an anderen Orten schon viel Erfolg und weiteres Potenzial gesehen.

Broadmark: Somit hat Twitch nun eine Vielzahl an Monetarisierungs-Säulen und ist gut aufgestellt. Wie schauen Twitch Zukunftspläne für die kommenden Monate aus? Was plant ihr, um die Plattform zu verbessern und auszubauen?

Koschel: Wir haben mehrere Ziele, die wir gerade verfolgen. Zuerst entwickeln wir unsere Plattform natürlich konstant weiter, indem wir neue Funktionen und Produkte hinzufügen. Unter anderem legen wir gerade einen Fokus auf soziale Funktionen, von denen wir mehrere dieses Jahr eingeführt haben, zum Beispiel Freunde, Live-Aktivität, Clips, Kanalfeed, und Whispers. Unser Übergang zu HTML5 findet ebenfalls gerade statt. Weitere Zukunftspläne existieren, aber wir können sie noch nicht teilen. Ich würde empfehlen, ein Auge auf unsere Ankündigungen während der TwitchCon 2016 zu haben.

Broadmark: Inwiefern denkst du, wird sich der Livestreaming-Markt in den kommenden Monaten verändern? Wie schaut deine Prognose aus?

Koschel: Wir erwarten, dass Streaming insgesamt und unsere Plattform weiterhin wachsen, da es so viele Gamer auf der Welt gibt, die noch kein Teil der Livestreaming-Bewegung sind. Um dieses Wachstum zu unterstützen, werden wir uns unter anderem auf unsere Arbeit in verschiedenen Ländern konzentrieren, wo wir unsere Infrastruktur ausbauen, mehr Partner Manager einstellen, unsere Seite besser lokalisieren und unsere Zahlungsoptionen verbessern werden.

Ich glaube, dass wir uns in eine Zeit bewegen, in der Streaming ein echtes weltweites Phänomen ist und es mehr und mehr hochqualitative Streams geben wird, die unsere Community genießen kann.

Broadmark: Vielen Dank für das Interview.

Koschel: Vielen Dank für die guten Fragen. Happy Streaming und #bleedpurple!