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„Wir positionieren uns als Vorreiter und Pionier der Branche“ – Christian Behrens von Mediakraft im Interview

Wie entwickelt sich Mediakraft und insbesondere das Artist Management von Mediakraft weiter? Darüber haben wir mit Christian Behrens, Director of Artist Management & Offline Business von Mediakraft, gesprochen. 

Broadmark: Ihr seid als Multi-Channel-Netzwerk in Deutschland mit das Urgestein der deutschen Webvideoszene. Während ihr vor wenigen Jahren noch der alleinige Marktführer wart, ist der Markt nun deutlich breiter aufgestellt. Wie positioniert sich Mediakraft aktuell im Markt?

Christian Behrens: Wir positionieren uns als Vorreiter und Pionier der Branche und haben uns in unserer Unabhängigkeit weiter gestärkt. Wir wollen vor allem unsere Künstler gewissenhaft und zielführend betreuen. Deshalb sehen wir uns nicht unbedingt als MCN und benutzen diesen Begriff auch nicht, sondern in erster Linie als Dienstleister für Zuschauer, Künstler und Kunden. Wir konzentrieren uns darauf, Content und Persönlichkeiten zu vermarkten sowie die Verwertungsstrukturen weiter auszubauen. Das tun wir, glaube ich, nicht so schlecht.

Broadmark: Das Webvideogeschäft ist sehr schnelllebig. Noch vor wenigen Jahren war es die Hauptaufgabe eines Multi-Channel-Netzwerkes, Reichweite zu aggregieren. Inzwischen sind hier viele weitere Bereiche hinzugekommen. Was sind dabei momentan die wichtigsten Bereiche und Geschäftsfelder für Mediakraft?

Behrens: Mit der großen Umstrukturierung im vergangenen Jahr haben unsere Geschäftsführer Boris Bolz, Levent Gültan und Constantin Stammen vier Geschäftsfelder definiert: die Vermarktung von Online-Reichweite, die Offline Rechtewahrnehmung für unsere Celebrities, die Produktion von Original-Content sowie die Produktion von Commercials und Branded Entertainment.

Mein Bereich bedient in diesem Modell vor allem die ersten beiden Säulen. Und auch wenn man sich anschaut, wie aktuell die Artist-Managements aus dem Boden schießen, haben viele dieses Konzept kopiert. Wir machen schon seit einer ganzen Weile Artist-Management und haben so gesehen einen kleinen Erfahrungsvorsprung. Insbesondere durch den bahnbrechenden Erfolg der Lochis im Musikbereich haben wir die Expertise in diesem Bereich unter Beweis gestellt und einen USP im Vergleich zu Mitbewerbern geschaffen.

Zudem haben wir die klare Philosophie, dass die Steigerung der Content-Qualität im Vordergrund steht. Ich glaube, das wird auch von Tag zu Tag sichtbarer. Das sieht man sowohl bei unseren Top-Künstlern wie den Lochis, Freshtorge, iBlali und xLaeta als auch den mittelgroßen Kanälen wie Nina Kutschera, Klein aber Hannah oder Alex V.

Genau darin besteht unsere Philosophie: Guten Content produzieren und mit guten Künstlern professionell und ruhig zusammenarbeiten. Die Erfolge sind dann bei den Künstlern sichtbar.

Broadmark: Das klassische Netzwerkgeschäft spielt ja immer eine geringere Rolle, wie die jüngsten Entwicklungen zeigen. Welche Rolle spielt dies für euch überhaupt noch? Und würdet ihr euch überhaupt noch Multi-Channel-Netzwerk nennen?

Behrens: Ich sag immer: Netzwerk ist man nicht, sondern Netzwerk hat man. Wir gehen das Ganze sehr professionell an und haben da auf allen Ebenen Top-Leute, die viel Erfahrung haben und ganz genau wissen, was sie machen. Ob man deshalb da einen Stempel drauf setzen muss, dass man nun MCN, Plattenfirma oder Management-Agentur ist, erscheint uns nicht wichtig. MCN ist ein gelerntes Wort, das einfach in der Branche noch verwendet wird.

Broadmark: Du bist insbesondere für das Artist-Management und Offline-Business bei Mediakraft verantwortlich. Wieso habt ihr euch entschieden, euch auf diese Themen verstärkt zu fokussieren und auch außerhalb der “Online-Welt” aktiv zu werden?

Behrens: Wir bedienen einfach eine Nachfrage, denn unsere Webvideokünstler, die eine gewisse Reichweite aufgebaut haben, wecken Begehrlichkeiten bei ihren Fans über das Video hinaus. Aus diesen Gründen haben wir uns entschieden, intern Know-how aufzubauen. Ich denke, da haben wir in dem Bereich ebenfalls Pionierarbeit geleistet.

Diese Ausrichtung hat natürlich auch damit zu tun, dass die Offline-Entertainment-Industrie gerne mit Online-Talenten zusammenarbeitet. Talentförderung ist deshalb für uns ein großes Thema, egal ob es darum geht, ein Buch zu schreiben, zu schauspielern oder musikalisch aktiv zu werden. Das hat man beispielsweise bei der Lochis-Kampagne gesehen, wo wir nun seit 18 Monaten Gas geben und konsequent den Weg mit den Künstlern gegangen sind. Ein weiteres Projekt, zu dem ich noch nicht viel sagen kann, ist aktuell ein serielles Format, das jedoch nicht mit “funk” umgesetzt wird. Auch hier geht es darum, die Künstler weiter zu entwickeln und ihr Profil zu schärfen.

Dabei ist es wichtig, dass wir mehr im Hintergrund als im Vordergrund stehen. Das ist eine Konsequenz dessen, was wir in den letzten Jahren erlebt haben.

Broadmark: Nun geht es ja auch dahin, bei den einzelnen Künstlern richtige Karrieren zu entwickeln und diese aufzubauen. Inwiefern hast du dabei aktuell das Gefühl, dass der Markt um die Top-Talente immer umkämpfter wird?

Behrens: Ich bin da sehr entspannt und empfinde das auch gar nicht so als Kampf. Wir haben eine ganz klare Signing-Strategie und beschäftigen uns sehr intensiv mit den Talenten, die wir unter Vertrag haben. Unser Team für die Top-Künstler betreut rund 80 Kanäle im täglichen Geschäft. Das sind schon wahnsinnig viele! In diesen 80 Kanälen steckt so viel Potential, dass uns schon jemand umhauen muss, damit wir über weitere Signings nachdenken. Deshalb schauen wir nicht nur auf Klicks und Reichweite, sondern für uns ist es vor allem wichtig, dass der Künstler uns vertraut und Lust hat, mit uns den Weg zu gehen.

Über die aktuelle Entwicklung, dass immer mehr Agenturen auch Webvideo-Künstler unter Vertrag nehmen, freuen wir uns, da die Professionalisierung für die Branche einfach eklatant wichtig ist.

Broadmark: Neben der Entwicklung als Künstler spielt auch die Vermarktung eine wichtige Rolle. Gerade das Buzzword Influencer Marketing wird aktuell sehr oft verwendet. Wie beobachtest du diesen Trend und denkst du, dass Influencer Marketing mehr ist als nur ein Hype?

Behrens:  Influencer Marketing ist eigentlich nichts wirklich Neues. Auch schon in den 80ern gab es Influencer. Ein Influencer ist nicht ein Influencer, nur weil er eine Reichweite mitbringt, sondern weil die Menschen mögen, was er tut. Ein Beispiel hierfür ist alles rund um die Grischistudios, die nicht nur ihre Fans beeinflussen, sondern auch zusammen mit Ryole, Noah Levi usw. eine neue Keimzelle für eine eigene Szene bilden. Aber auch ein Michael Fritz von Viva Con Aqua, oder der Vielflieger Frankfurtflyer sind großartige Influencer; nicht zu vergessen Skater, DJ´s, Sneakersammler, und viele Blogbetreiber.

Natürlich ist es aktuell so, dass durch die Reichweitenermittlung und Social-Media-Plattformen das Thema greifbarer und massentauglicher wird. Für die Branche ist es jedoch wichtig, dass die Künstler eine exklusive Vermarktung genießen und nicht jede dahergelaufene Internetplattform mit Rechten hantiert, die sie nicht hat. Das beobachte ich eher kritisch, denn zum Influencer-Marketing gehört einfach mehr als nur Reichweite.

Im Zusammenhang mit dem Hype um das Influencer Marketing spreche ich auch lieber von Micro Testimonials. Micro Testimonials deshalb, da es wichtig ist für Werbetreibende und das Testimonial, sich zu bekennen. Es bringt nichts, heute dies zu machen und morgen das, dann werden der Influencer und die Marke unglaubwürdig. Der Testimonial Gedanke ist insofern weitreichender, er beinhaltet nicht nur eine langfristige Zeitkomponente, sondern auch Planbarkeit und die Verständigung auf eine zumindest mittelfristige gemeinsame Strategie.  Natürlich ist es richtig, dass das Thema nun an Aufmerksamkeit gewinnt. Wichtig ist es nur, dass man für alle Seiten, den Creator, die Werbetreibenden und die Zuschauer eine Win-Win-Situation schafft. Dann ergibt die Vermarktung von Micro Testimonials auch total Sinn.

Broadmark: Nicht nur im Influencer Marketing tut sich viel, sondern in der gesamten Webvideobranche herrscht eine hohe Dynamik. Du bist ja nun seit schon mehr als einem Jahr ein Teil der Branche. Welche Entwicklungen hast du in dieser Zeit beobachten können? Und was für Trends siehst du aktuell?

Behrens:  Die Kunst ist es, eigene Trends zu setzen. Den Trend, den wir dabei aktuell setzen möchten, ist weg vom starken Fokus auf Klicks, hin zu noch mehr Qualität und künstlerischer Verantwortung. Ich glaube, dass unsere Künstler dies genauso sehen und sich dies bereits in qualitativ immer hochwertigeren Videos zeigt.

Broadmark: Neben diesen Trends ist es nach wie vor eine große Herausforderung, in der Webvideobranche nachhaltige Geschäftsmodelle aufzubauen. Wie beurteilst du die Situation in der Webvideobranche in Deutschland und welche Geschäftsmodelle siehst du momentan als besonders vielversprechend an?

Behrens:  Unser Geschäftsmodell, das auf Social Media und Bewegtbild aufbaut,  ist sehr schlüssig, und wir müssen jetzt beweisen, dass wir damit profitabel arbeiten können. Es ist außerdem sehr wichtig, Teil der großen Entertainment-Industrie zu werden und sich dort für die Player im Markt als verlässlicher Partner zu etablieren. Am Ende wird das die größte Herausforderung für unsere Branche sein und bleiben.

Broadmark: Wenn wir in die Zukunft schauen: Wie denkst du, wird sich die Webvideobranche in Zukunft entwickeln? Und was denkst du, werden die größten Herausforderungen in den nächsten Monaten sein?

Behrens:  Es muss weiterhin stark am Content mit den Künstlern gearbeitet werden. Wie unser Gründer Spartacus [A.d.R. Spartacus Olsson, ex-CEO von Mediakraft] schon vor zwei Jahren sagte, brauchen wir im Webvideobereich einfach besseren, hochwertigen Content, der eine große Bandbreite an Zuschauern anspricht. Daran müssen wir kontinuierlich weiter arbeiten und denjenigen, die den Content produzieren, die Möglichkeiten geben, die höchste Qualität und die besten Ergebnisse zu erzielen. Die größte Herausforderung wird sein, die jetzt doch sehr junge Zielgruppe weiterhin zu begleiten. Also, wachsen die Stars mit ihren Fans mit, oder bleiben wir ein Medium für die Jüngsten, und müssen hier immer wieder von vorne anfangen? Die erste Variante ist die deutlich schwierigere aber langfristig gesehen die bessere.

Broadmark: Wie schauen denn bei euch konkret in den nächsten Monaten eure Pläne aus?

Behrens:  Die Dinge, die wir angeschoben haben, laufen weiter. Die Lochis-Kampagne wird mit Sicherheit noch bis in den Sommer 2017 gehen und wir freuen uns auf eine tolle Festival-Saison sowie viele Konzerte. Dazu wird es bei den Bulls [A.d.R. Bullshit TV] Neuigkeiten im nächsten Jahr geben, worauf wir sehr stolz sind. Und wir werden mit allen Leuten, die bei uns sind, tolle Projekte umsetzen. Da sind viele Projekte in der Pipeline, über die wir jedoch aktuell noch nicht sprechen wollen. Wenn es Zeit dafür ist, seid ihr sicher die ersten, die darüber informiert werden.

Broadmark: Vielen Dank für das Interview.

Beitragsbild von Mediakraft