Wie handhaben Snapchat, Facebook, Musical.ly und YouNow den Jugendschutz?

Wie Webvideo-Plattformen den Jugendschutz handhaben

Nachdem sich unser letzter Artikel mit der Situation des Jugendschutzes auf YouTube beschäftigt hat, darf natürlich auch ein Blick auf die anderen Webvideoplattformen fehlen. Wir haben uns deshalb angeschaut, wie der Jugenschutz bei Diensten wie Facebook, YouNow und Snapchat grefit.

Auf Webvideo- und Social Media-Plattformen finden sich oft Inhalte, die nicht unbedingt für eine jüngere Zielgruppe geeignet sind. Diese sind jedoch meist für jeden sichtbar, der ein Konto bei der jeweiligen Plattform hat. Da die Einrichtung eines Kontos allerdings nicht schwer ist und auch Kindern möglich ist, bekommen diese oft für ihr Alter unangemessene Inhalte zu Gesicht. Was können Plattformen dagegen tun? Welche Plattformen nehmen den Jugendschutz ernst? Und was kann noch verbessert werden?

Wie Jugendschutz funktionieren kann

Während vor allem amerikanische Webvideo-Portale oft nicht auf dem neuesten Stand sind wenn es um Jugendschutz geht, schlagen sich beispielsweise Video on Demand-Anbieter und Mediatheken von Fernsehsendern in diesem Bereich sehr gut. Diese achten penibel darauf, deutsche Jugendschutzgesetze einzuhalten.

Die FSF (Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen) schreibt vor, Filme und Serien, die eine Altersbeschränkung von zwölf Jahren oder mehr haben, erst in den Abendstunden auszustrahlen. Beiträge ab zwölf Jahren werden daher erst ab 20 Uhr ausgestrahlt und Filme und Serien ab 16 oder 18 Jahren werden erst ab 22 beziehungsweise 23 Uhr zugänglich gemacht. Eine ähnliche Praxis besteht zum Beispiel bei Online-Mediatheken von beispielsweise ARD und ZDF, die gesetzlich an diese Regelung gebunden sind, auch online.

Auch Privatsender wie die der ProSiebenSat.1-Gruppe haben bei ihren Web-Angeboten Jugendschutz-Maßnahmen getroffen. Diese Webseiten haben ein Jugendschutz-Kennzeichen für den Besucher zunächst unsichtbar in den Code der Webseite eingebaut. Dieses kann von einem installierten Jugendschutz-Programm ausgelesen und dadurch der Zugang verwehrt werden. Eltern können so ihre Kinder vor Webseiten, die nicht dem Alter der Kinder entsprechen, schützen. Wie diese Programme funktionieren, zeigt die FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter) in einem YouTube-Video:

Von Video on Demand-Anbietern wie Netflix kennt man die Möglichkeit, ein Kinder-Konto einzurichten. Kindern und Jugendlichen kann so der Zugang zu unangemessenen Inhalten verwehrt werden. Das Konto des Erwachsenen wird, um den Kindern keinen Zugang dazu zu ermöglichen, per PIN geschützt.

COPPA statt des deutschen Jugendschutz-Gesetzes?

Die Möglichkeit des Kinderkontos bei Netflix erinnert leicht an die Jugendschutz-Funktion von Snapchat. Viele werden sich wundern, da diese nicht in den Einstellungen der App zu finden ist. Diese Maßnahme kann nämlich nur bei der Erstellung des Kontos getroffen werden. Gibt der Benutzer ein Alter unter 13 Jahren an, wird ein SnapKidz-Konto erstellt, das das Senden und Empfangen von Bildern und Videos nicht ermöglicht.

Problematisch dabei ist, dass es keine Verifizierung des Alters gibt. So können Kinder, deren Eltern sich nicht mit diesem “neumodischen Firlefanz” auskennen, fröhlich Bilder verschicken, obwohl sie es eigentlich nicht sollen oder dürfen. Diese Regelung hängt stark mit dem amerikanischen Gesetz COPPA (Children’s Online Privacy Protection Act) zusammen. Dies verbietet Betreibern von Online-Plattformen, Daten von Kindern unter 13 Jahren zu speichern. Während hier von Snap Inc., der Firma hinter Snapchat, penibel auf amerikanische Richtlinien geachtet wird, spielt der deutsche Jugendschutz scheinbar keine Rolle. 

Auch die unter jungen Nutzern sehr beliebte Plattform musical.ly verweist auf einer Hilfe-Seite auf Regelungen, die mit dem COPPA deckungsgleich sind. Die Betreiber der auch in Deutschland verfügbaren App geben den Eltern auf ihrer Webseite zwar einen Leitfaden für den Jugendschutz an die Hand. Allerdings gibt es auch hier keine Überprüfung des Alters der Nutzer, die sie daran hindert, die App zu nutzen und frei Inhalte von sich mit den Millionen weiteren Nutzern zu teilen.

Im Interview mit Broadmark erzählt Alex Hoffmann, Präsident North America bei musical.ly, den Betreibern sei es wichtig, eine positive Stimmung innerhalb der Nutzerschaft zu erzeugen: „Wir haben deshalb von Anfang an ein Ambassador-Programm aufgebaut. Die Ambassadors achten darauf, wenn sie etwas Negatives auf musical.ly oder anderen Social-Media-Kanälen wie Instagram sehen, das zu adressieren und mit den Leuten zu sprechen.“ Außerdem besteht auf musical.ly die Möglichkeit, Inhalte zu melden, die dann überprüft und wenn nötig entfernt werden. „Als Resultat sehen wir, dass es auf anderen Plattformen deutlich mehr Trolls gibt, als auf muscial.ly.“

Problematische Plattformen

Facebook ist nicht nur Datenschützern schon lange ein Dorn im Auge. Auch in Bezug auf den Jugendschutz ist diese Plattform bedenklich. Die Registrierung ist wie auf allen Plattformen kinderleicht und erfordert nur eine E-Mail-Adresse oder eine Handynummer. Ohne Altersüberprüfung kann sofort munter gepostet und gelesen werden.

Unerfahrene Kinder und Jugendliche können hierbei schnell sensible Daten an Fremde weitergegeben. Dennoch scheint Facebook keinen Handlungsbedarf zu sehen. Außerdem lässt sich besonders auf Facebook derzeit ein starker “Rechtsruck” feststellen, der oft in beleidigende Statements ausartet. Besonders Kindern, die noch in der frühen Persönlichkeits-Entwicklung stehen und teils noch nicht vollständig zur Reflektion fähig sind, kann dies in der Entwicklung schaden. 

Ebenfalls häufig kritisiert wird die Livestream-Plattform YouNow. Auf dieser ist es ohne großen Aufwand möglich, über die eigene Webcam zu livestreamen. Hierbei können große Massen auch Livestreams von Kindern und Jugendlichen sehen. Häufig wird hierbei kritisiert, dass weniger reifen Jugendlichen schnell die Kommentare anonymer Zuschauer zu Kopf steigen können. Dabei kam es schon häufig zu sexueller Ausbeutung von Minderjährigen. Auch die langsamen Reaktionen seitens YouNow auf gemeldete Streams wird häufig kritisiert.

Im April 2015 wurde die Zusammenarbeit von YouNow und der FSM bekanntgegeben. Aufgrund der häufigen Kritik an der Plattform habe man „ein Moderatoren-Team [aufgebaut], welches 24 Stunden, sieben Tage die Woche im Broadcast ist. Dazu haben wir dann auch unterschiedliche Third-Party-Tools integriert, die dann entdecken, wenn jemand zu jung ist, wann der Inhalt nicht passt, wenn etwas unangemessen ist.“, wie Ira Tittler erklärt.

Webvideo-Plattformen müssen noch viel lernen

In Sachen Jugendschutz haben viele Plattformen noch großen Nachholbedarf. Viele deutsche Angebote, deren Betreiber an die strengen Richtlinien der Fernseh-Ausstrahlung gewöhnt sind, genügen deutschen Jugendschutz-Gesetzen. Allerdings vernachlässigen viele Plattformen eine schnelle Reaktion auf gemeldete Inhalte oder die Kontrolle des Alters der Nutzer.

In weiteren Artikeln unserer Reihe erfahrt ihr unter anderem, was Creator zu dem Thema zu sagen haben. Außerdem beleuchten wir den rechtlichen Hintergrund und sprechen mit Jugendschützern. Um eine gute Übersicht zu gewährleisten, haben wir eine Themenseite zur Reihe erstellt.

Beitragsbild von musical.ly, YouNow, Facebook und Snapchat