Your Turn

Wettbewerb Your Turn startet heute in die zweite Runde

Der vom Medienboard Berlin-Brandenburg im letzten Jahr ins Leben gerufene Video-Creator-Wettbewerb „Your Turn“ findet auch dieses Jahr wieder statt und startet im Rahmen der Berlinale 2016 am heutigen Montag. In der Jury sind erneut bekannte Namen aus der Webvideowelt vertreten.

Im Februar 2015 fand der Video-Creator-Wettbewerb Your Turn zum ersten Mal statt. Die Idee des öffentlich und privat geförderten sowie netzwerkunabhängigen Wettbewerbs: die Initiierung der Produktion neuer Ideen für Videokanäle, Förderung der Aufwertung bestehender Kanäle und Impulse für die Entwicklung kreativer Inhalte und Geschäftsmodelle. Teilnehmen können sowohl Anfänger, Nachwuchsfilmer und Filminteressierte als auch erfahrene Kreative aus der Webvideoszene oder der klassischen Medienbranche.

Die Bewerber sollen ihr Konzept in Form eines dreiminütigen Videos erläutern, Abgabeschluss ist dabei der 3. April 2016. Die eingereichten Beiträge müssen in jedem Fall einen Bezug zur Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg haben, wobei das Thema frei interpretierbar ist und alle Genres willkommen sind. Helge Jürgens, Geschäftsführer Standortentwicklung Medienboard Berlin-Brandenburg, ergänzt dazu: „Die Professionalisierung und enorme Bandbreite der Webvideoszene hat in den letzten Jahren eine fantastische Entwicklung genommen und Berlin-Brandenburg als der Medienstandort der Bewegtbildwirtschaft spielt dabei ganz vorne mit. Schon der erste ‚Your Turn‘-Wettbewerb hat gezeigt, welches Potenzial die Hauptstadtregion birgt.“

Geldpreise im Wert von insgesamt 70 000 Euro

Den Teilnehmern winken Geldpreise für die Realisierung der Konzepte in einer Gesamthöhe von 70 000 Euro, die sich dabei wie folgt aufteilen: 1. Platz – 25 000 Euro, 2. Platz – 15 000 Euro 3. – 5. Platz je 10 000 Euro. Darüber hinaus, so teilte das Medienboard mit, erhalten alle Gewinner die Möglichkeit, den YouTube Space Berlin zu besuchen, um ihre Konzepte umzusetzen und sich mit anderen Webvideo-Machern auszutauschen, sowie das vorhandene technische Equipment und Filmsets, Schnittplätze, einen Maskenraum und auch Workshops zu nutzen. Zusätzlich bereichert Studio71 den Wettbewerb durch erfahrene YouTube-Creator, die die diesjährigen Gewinner bei der Umsetzung ihrer Konzepte beraten werden.

Organisiert wird der Wettbewerb von Endemol beyond, gefördert vom Medienboard Berlin-Brandenburg und unterstützt von YouTube. Wie Andreas Briese von YouTube betont, solle damit für die übergreifende Zusammenarbeit zwischen Kreativindustrie und Kulturförderung ein Zeichen gesetzt werden: „Die deutsche Webvideoszene gehört zu den am stärksten wachsenden in Europa. Wie schon im letzten Jahr, wollen wir als Videoplattform daher auch 2016 gemeinsam mit dem Medienboard Berlin-Brandenburg und Endemol beyond ein Zeichen für eine übergreifende Zusammenarbeit zwischen Kreativindustrie und Kulturförderung setzen. Denn gerade solche Partnerschaften geben wichtige Impulse für den Medienstandort Deutschland und helfen Kreativen bei der Umsetzung ihrer Ideen und Talente.“

Im letzten Jahr gab es 149 Einsendungen. Die fünf mit Preisen dotierten Plätze belegten dabei Das Apartment, HuckbrosNitroRevolverpinguin, The Open Stage Berlin und breedingunicorns.

Die Jury 2016

Im Anschluss an die Einreichungsphase werden die Beiträge von einer Jury bewertet. Diese besteht dabei zum Teil aus bekannten YouTube-Gesichtern sowie weiteren Mitgliedern der Medienbranche: Filmproduzent Oliver Berben, Schauspieler Antoine Monot, Vice-Chefredakteur Tom Littlewood, TV-Moderatorin Funda Vanroy und Stefan Kiwit, Initiator des Kurzfilmwettbewerbs 99Fire-Films-Awards. Die YouTuber in der Jury sind darkviktory, Fabian Siegismund, Melissa Lee alias breedingunicorns sowie Dfashion.

BERLIN, GERMANY - FEBRUARY 13: attends the Medienboard Berlin-Brandenburg Reception on February 13, 2016 in Berlin, Germany. (Photo by Isa Foltin/Getty Images for Medienboard Berlin-Brandenburg)

Your Turn-Kick-Off beim Berlinale-Empfang des Medienboards

Bereits am vergangenen Samstag fand im Rahmen der Berlinale der Your Turn-Kick-Off zum diesjährigen Wettbewerb auf dem Empfang des Medienboards statt, die Jury kam hier zum ersten Mal offiziell zusammen. Wir haben mit einigen Jury-Mitgliedern gesprochen und sie nach ihren Erwartungen an den Wettbewerb gefragt. Alle vier interviewten Jurymitglieder zeigten sich sehr begeistert, dabei sein zu können.

Broadmark: Worauf freust du dich am meisten als Jury-Mitglied bei Your Turn?

Dfashion: Ich freue mich auf neue Talente. Auf YouTube gibt es immer irgendwas Neues, und es gibt sicher immer noch jemanden, der eine Nische hat. Es gibt noch so viele Bereiche, die auf YouTube unentdeckt sind und die man mit den Leuten teilen kann.

darkviktory: Tatsächlich auf die ganzen Einsendungen, weil ich sehr zuversichtlich bin, dass wir kreative Sachen bekommen und es mir einfach sehr viel Spaß macht, Sachen anzuschauen, wo man merkt, da haben sich Leute hingesetzt und sich etwas überlegt, das jetzt nicht 08/15 ist. Ich glaube, davon werden wir ganz viel Sachen sehen.

Broadmark: Was müssen die eingereichten Konzepte haben, um dich zu überzeugen? Auf was legst du Wert? 

Melissa Lee: Ich such‘ ganz viel Kreativität und vor allem Formate, die mich begeistern und so noch nicht auf YouTube zu finden sind, oder von denen es zu wenig gibt.

darkviktory: Also, ich hab so’n Prinzip und das ist, mich selber immer zu fragen, wenn ich mir etwas Eigenes ausdenke, was möchte ich gerne sehen, das es noch nicht gibt? Und ich glaube, das erkennt man bei anderen Leuten auch ganz schnell. Wenn man sieht, die sind echt mit Leidenschaft dabei, die lieben ihre Idee. Ich denke, wenn ich so jemanden treffe oder so eine Einsendung sehe, dann erkennt man das auch und lässt sich da gern mitreißen. Ich glaub‘, darauf freue ich mich am meisten, dass Leute mit ihrer Leidenschaft kommen und uns anstecken.

Fabian Siegismund: Oh, ich bin da völlig frei. Ich kann mir so viel vorstellen, vor allem auch viel Fiktionales. Denn fiktionale Geschichten, also Webserien, sind etwas, was du auf YouTube eigentlich nicht refinanzieren kannst über Klicks. Dafür braucht man Geld und dafür ist diese Förderung natürlich super. Ich sag zwar, ich bin völlig frei, aber ich würde mich sehr über fiktionalen Content freuen. Content, bei dem man auch merkt, okay, das braucht wirklich Geld.

Broadmark: Melissa, du konntest dich im vergangenen Jahr mit deiner Idee für einen Wissenschaftskanal durchsetzen und Platz 5 belegen. Was ist aus deiner Idee von damals geworden?

Melissa Lee: Genau, ein Wissenschaftsformat. Die erste Folge ist jetzt online, und wir sind momentan noch in der Produktion, weil es unglaublich schwer ist, Wissenschaftler vor die Kamera zu bekommen, was ich nicht gedacht hätte. Aber 3D-Fooddrucker ist jetzt online gegangen, und bald treff‘ ich Mark Benecke, den ich sehr sehr cool finde. Bei Molekularküche bin ich noch auf der Suche nach ’nem Wissenschaftler, der es erklärt, einen Koch hab‘ ich schon. Also, wir sind dabei!

Broadmark: Fabian, wie kam es dazu, dass du die Rolle des Jurymitglieds übernimmst?

Fabian Siegismund: Endemol hat mich gefragt und ich hab‘ jetzt zuletzt zwei Jahre für Studio 71 als Creative Director gearbeitet und dort ganz viele Konzepte gesehen, selber entworfen usw. Dort war es auch immer meine Arbeitsweise zu sagen: „Ok, wir machen jetzt mal nicht den Standard, sondern denken uns was Neues aus.“ Da finde ich es natürlich super, bei so ’nem Wettbewerb mitmachen und in der Jury sitzen zu können, denn, ehrlich gesagt, den nächsten Gaming-Kanal, den nächsten Beauty-Kanal — das kann man ja irgendwann nimmer sehen.
Dieser Preis gibt dem Creator die Freiheit, sich kreativ auszuleben. Und das finde ich sehr, sehr förderungswürdig.

Das schließt an die nächste Frage an: Im Fernseh- und Filmbereich gibt es schon sehr lange viele Fördermöglichkeiten, warum denkst du, dass es eben auch sehr wichtig ist, gerade das Medium Webvideo zu fördern?

Fabian Siegismund: Man vergisst in der Kulturförderung allgemein gerne, dass YouTube ja auch Kultur ist, wenn man sich Zehntausende Let’s Plays und Zehntausende Product Placement-Videos anschaut. Aber natürlich geht es vorrangig um Kultur. Da möchte ich auch gar nicht das Medium selbst so verdammen. Klar, wenn du davon lebst, oder leben willst, dann musst du dich umschauen, was wirtschaftlich machbar ist. Wenn dann eben die Möglichkeit gegeben ist zu sagen: „Hier haste Geld, setz mal deine Träume um“, dann haben wir nicht das Problem, dass sich das Leute auch anschauen müssen, sondern du machst es einfach.

Broadmark: Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Beiträge zum Wettbewerb können ab heute eingereicht werden. Alle weiteren Informationen findet ihr auf www.yourturn-wettbewerb.de. Die Gewinner des Wettbewerbs werden im Rahmen der MEDIA CONVENTION Berlin und re:publica am 2. und 3. Mai 2016 bekannt gegeben.

Beitragsbild von Isabel Krämer
Eingebundenes Bild von Isa Foltin/Getty Images for Medienboard Berlin-Brandenburg