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„Wenn sie das nicht können, sollen sie kacken gehen!“ – So war die INREACH 2016

Wie war die INREACH, die Konferenz zum Thema Influencer Marketing? Heiner Bachmann war vor Ort und berichtet, was er von der Veranstaltung mitgenommen hat. 

Wir lassen den Influencern alle Freiheiten, denn verdammt, das ist ihr Job. Wenn sie das nicht können, sollen sie kacken gehen!“ Das war zwar eine äußerst  provokante Aussage von Nicolas Lecloux, Mitgründer und Marketingchef von True-Fruits, aber genau der richtige Ansatz für die zukünftige Zusammenarbeit mit Influencern. Am 14.11.2016 fand die INREACH, die Konferenz zum Thema Influencer Marketing, zum zweiten Mal in Berlin statt. Ganz im Zeichen der Frage: Ist Influencer Marketing nur ein Hype, der zeitnah wieder abflaut, oder das zukünftige und hoffentlich erfolgversprechende Ding für den hart umkämpften Werbemarkt? Zahlreiche Vorträge wurden gehalten, wobei Brands wie Mercedes Benz, Adidas oder Olympus über ihre Erfahrungen mit Influencern referierten.

Der Status Quo im Influencer Marketing

Dabei berichtete Mercedes, wie sie ihr Instagrammer- beziehungsweise Fotografen-Netzwerk aufbauten, was im MB Social Car Projekt mündete. Adidas berichtete, wie sie zufällig mit Katy Perry zusammenarbeiteten, noch bevor der Hype um sie ausbrach und Olympus, wie sie Events mit Influencern, angefangen vom Blogger bis hin zum Instagrammer veranstalteten. Über die Vortragsweise lässt sich natürlich streiten, vor allem wenn man über spektakuläre Influencer-Events berichtet.

Ich persönlich habe auf konkrete Zahlen gehofft, zum Beispiel wieviel den Influencern bezahlt wird, welche Reichweiten generiert wurden oder KPIs sich die Marken konkret gesetzt hatten. Leider kam dies gar nicht zur Sprache oder wurde geschickt umschifft. Transparenz war hier Fehlanzeige.

Im Talk mit Oguz Yilmaz von whylder und dem YouTuber Jonas Ems von uFoneTV, wurde für eine langfristige Zusammenarbeit mit Brands geworben, da dies nicht nur das Vertrauen in eine Marke stärkt, sondern auch das Vertrauen dem YouTuber gegenüber. Ich nehme es einem YouTuber wesentlich eher ab, dass er von einer Marke überzeugt ist, wenn er schon eine gewisse Zeit mit der Marke zusammenarbeitet. Zudem können sich die beiden Parteien mit der Zeit prima aufeinander einspielen und wissen, welche Erwartungen auf beiden Seiten gestellt werden.

Nun sind die genannten Brands natürlich schon seit längerem im Influencer Marketing tätig und gehören hier zu den „First Movern“. Doch für viele andere steht diese Arbeit noch ganz am Anfang. Werbegelder wandern von den klassischen Medien wie Fernsehen und Print immer mehr in den Online-Markt. Marken wissen aber oftmals nicht, wie sie mit diesen YouTubern, Instagrammern, Twitterern oder Snapchatern umgehen sollen und bemängeln auch ihre Professionalität.

Influencer, die mit Brands zusammenarbeiten wollen, sollten sich deshalb klar machen, dass neben der Einhaltung von Deadlines, Abnahmeschleifen und der Qualitätsverbesserung auch das Verhalten außerhalb der Plattformen wichtig ist. Wer in einem Video über eine Marke positiv spricht, sollte es tunlichst unterlassen, via Twitter oder auch im Freundes- oder Bekanntenkreis über die Marke herzuziehen. Auch die Wahl der Marke spielt eine Rolle. Nicht jede Marke matcht mit jedem Influencer und umgekehrt. Aber auch hier sollten sich die Entscheidungsträger der Brands ruhig mal etwas trauen und dem Thema Influencer Marketing nicht abgeneigt sein.

Interessante Workshops

Neben den interessanten Vorträgen gab es auch einige Workshops, welche parallel stattfanden. ReachHero Gesellschafter und Medienexperte Aaron Troschke sowie Alex Wagner, Head of Marketing & Product bei Shoop (ehemals Qipu), plauderten in ihrem Workshop „20 Millionen Views später, was Brands und Influencer aus über 60 Placements lernen können“ ein bisschen aus dem Nähkästchen. Das war wirklich ein Lichtblick zu den Vorträgen, denn bei den beiden wurde auch konkret auf die Effektivität von großen Influencern eingegangen. Diese sind, wie sie erzählten, nicht immer ein Garant für eine gute Performance oder CTR (Click Through Rate). Auch der Workshop von InfluencerDB Gründer und Geschäftsführer Robert Levenhagen, „Influencer Value“, brachte einen guten Einblick auf die Faktoren, die für Brands bei Influencern wichtig sind. So sind am Ende des Tages für Marken die Reichweiten, Interaktionen und die Bekanntheit der Influencer ausschlaggebendes Indiz für den Erfolg einer Kampagne und weniger die weichen Faktoren wie etwa Authentizität oder Glaubwürdigkeit.

Fazit

Gerade weil der Trend des Influencer Marketings noch in Kinderschuhen steckt, ist es so wichtig, dass Aufklärungsarbeit geleistet wird. Mit der INREACH gelingt dies schon ganz gut, obwohl noch Luft nach oben ist. Wenn sich die Brands trauen, auch mal Zahlen zu veröffentlichen, kann es eine Umwälzung im Markt geben. Der „Hype“ wird anhalten, da die klassischen Medien wie zum Beispiel Gruner & Jahr einen Wandel durchmachen, um neue Felder der Werbung zu erschließen.

Ich halte es wie Nicolas Lecloux. Lasst den Influencern ihre Freiheiten, denn das was sie machen, ist ihr Job. Sie sind auf ihrem Gebiet die Experten und kennen ihre Zielgruppe am besten. Sie sollten zeitnah in die Umsetzung einer Kampagne involviert werden. Gemeinsame Interessen bei Marke und Influencer sind der Schlüssel zum Erfolg.

Beitragsbild von INREACH