Webvideo vs. TV: Interview Nela Lee

Webvideo vs. TV: Interview mit Nela Lee

Das lineare Fernsehen und YouTube kommen sich mit fortschreitender Digitalisierung näher als je zuvor. Doch wie sieht eine mögliche Zukunft der beiden Medien aus?

Im dritten Teil unserer Artikelreihe „Webvideo vs. TV“ geht es um Nela Lee, die sowohl als Fernsehmoderatorin arbeitet, als auch mit ihrem eigenen Channel auf YouTube aktiv ist. Wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen mit den verschiedenen Medien gesprochen und haben nachgefragt, wie sie die Entwicklung beider beurteilt.

Broadmark: Du bist inzwischen nicht mehr nur Fernsehmoderatorin, sondern betreibst seit zwei Jahren auch noch einen eigenen YouTube-Kanal. Wie kam es dazu, dass es dich damals ins Netz verschlagen hat?

Nela: Es fing an, dass ich für Studio71 “Last Man Standing” moderiert habe und da als klassische Moderatorin eingesetzt wurde, wodurch ich schnell gemerkt habe, dass das einfach eine komplett andere Welt ist. Es war natürlich erstmal eine neue Herausforderung für mich, aber auch eine sehr schöne Erfahrung. Allein schon durch Leute wie Gronkh, Sarazar und Debitor, die ich da kennengelernt habe. Da bin ich das erste Mal mit dem ganzen YouTube-Thema in Kontakt gekommen. Ich habe dann auch Gespräche mit Studio71 geführt und festgestellt, dass das eigentlich eine richtig coole Sache ist, weil man seinen eigenen Content kreieren und seinen Kanal völlig frei gestalten kann. Ich finde das total spannend.

Broadmark: Seit der Gründung deines Kanals ist viel passiert. Du hast sowohl das Netzwerk, als auch den TV-Sender gewechselt. Und generell hast du sehr viel ausprobiert. Inwiefern hast du dich inzwischen auf YouTube gefunden?

Nela: Ich glaube, es geht gar nicht so sehr darum, inwiefern ich mich gefunden habe, sondern eher darum, was für ein Publikum ich gefunden habe. Meine Kontakte waren am Anfang hauptsächlich im Let’s Play-Genre aktiv und mein erstes Video behandelte auch das Thema, wann Gronkh zu Taff kommt. Dadurch hatte ich in der Zeit dann natürlich sehr viele männliche Zuschauer auf meinem Kanal, die alle ein bisschen die Erwartungshaltung hatten, dass ich auch eine Let’s Playerin werde. Privat habe ich immer mal wieder gezockt und hatte dabei auch ab und zu die Kamera an, aber ich habe einfach gemerkt, dass das nichts ist, was ich jeden Tag oder wöchentlich machen wollte, weil da einfach nicht mein Herzblut dringesteckt hat. Es ist ein lustiges Hobby, aber mehr auch nicht. Das war auch ein Stück weit eine Findungsphase in den letzten zwei Jahren, bei der die Aufgabe darin bestand, die 80 Prozent Männer gegen 80 Prozent Frauen auf meinem Kanal auszutauschen. Dies hat dann jetzt im letzten Jahr auch geklappt. Dafür bin ich sehr dankbar, dass die Mädels meinen Kanal gefunden haben und ihnen mein Content so gut gefällt. Es sind immer noch ein paar Männer da, die die Sachen, die ich produziere, auch sehr spannend und interessant finden, aber mir war es einfach wichtig, die Dinge zu machen, die mir auch wirklich liegen und Spaß machen. Und das sind eben die typischen Lifestyle-, Fashion-, Beauty-, Koch- und inzwischen auch Babythemen.

Broadmark: Im letzten Jahr hast du dein Kanalkonzept verändert und angepasst. Wie ist dein Zwischenfazit dazu?

Nela: Ich mach mir da nie so viele Sorgen. Das, was ich bei YouTube machen möchte, ist das, was ich beim Fernsehen nicht machen kann. Ich möchte, dass alles sehr persönlich ist und es meine eigenen Interessen sind, die sich dort widerspiegeln. Dadurch ist das eigentlich eine permanente Weiterentwicklung, weil ich mich selber auch weiterentwickle. Viele Themen kann man im Vorhinein ja auch gar nicht planen. Ich habe mir schließlich nicht überlegt, dass Babythemen auf YouTube super funktionieren und ich deshalb schwanger werde. Es ist eher umgekehrt. Dinge in meinem Leben passieren und ich interessiere mich für neue Sachen, worüber ich dann Videos mache. Das ist alles immer im Einklang und dadurch auch ein ganz gesundes Gleichgewicht.

Broadmark: Während du im Fernsehen nur moderiert hast, bist du auf YouTube gleichzeitig auch noch Drehbuchautorin, Regisseurin und Cutterin. Inwiefern war das eine neue Herausforderung für dich?

Nela: Ich glaube, es ist für jeden gelernten TV-Moderator eine große Herausforderung seinen eigenen Channel zu betreiben, weil die meisten, wie auch ich zum Beispiel, als Moderatoren ins Fernsehen kommen und keine Erfahrungen in anderen Bereichen haben. Im Fernsehen produziert man ja nicht selbst. Man bekommt Inhalte geliefert, die man dann den Zuschauern präsentieren soll. Es ist eine Aufgabe, die mir wahnsinnig Spaß macht. YouTube ist da eine ganz andere Plattform, auf der man auch aus seiner passiven Rolle rauskommt und selbst aktiv wird, indem man sich Dinge beibringt, selbst recherchiert und seine eigenen Inhalte entwickelt. Ich hätte am Anfang nicht gedacht, dass in dem Ganzen so viel Arbeit steckt, aber mir hat das einfach Spaß gemacht, weil diese persönliche Note genau das ist, was mir beim Fernsehen immer ein bisschen gefehlt hat. Ich habe immer versucht, so authentisch wie möglich zu sein und auch nur Sendungen zu moderieren, die mir selber Spaß machen, aber die Angebote sind natürlich begrenzt. Dann muss man als Moderator eben auch manchmal Sachen moderieren, in denen nicht das ganze Herzblut drinsteckt, weil es der Beruf ist. Und YouTube ist einfach eine Herzenssache. Deshalb habe ich mich der Herausforderung gerne gestellt, weil ich gemerkt habe, dass das eine Lücke ausfüllt, die vorher bestand.

Broadmark: Mittlerweile veröffentlichst du mindestens drei Videos pro Woche. Welche Rolle spielt YouTube für dich, wenn es eben nicht dein Beruf ist?

Nela: YouTube spielt bei mir inzwischen eine sehr große Rolle, auch weil ich mir gesagt habe, dass ich bei Fernsehterminen momentan eine etwas ruhigere Kugel schieben möchte, weil das viele Reisen in der Schwangerschaft sehr anstrengend ist und ich mich immer freue, wenn ich zuhause bin und da meine Videos schneiden kann. Dadurch schaffe ich das gerade zeitlich auch sehr gut, drei oder mehr Videos die Woche zu produzieren, wodurch YouTube natürlich inzwischen auch eine viel größere Rolle eingenommen hat, als noch am Anfang.

Broadmark: Spielt YouTube nur für dich persönlich eine wichtige Rolle oder ist die Plattform für dich auch eine Einnahmequelle und Teil deines Berufes geworden?

Nela: Wer sich im YouTube-Business auskennt, der weiß, dass man mit etwas mehr als 130 000 Abonnenten nicht das große Geld macht. Meinen Lebensunterhalt verdiene ich nach wie vor als TV-Moderatorin, aber Youtube und der direkte Kontakt zu meiner Community macht mir eben sehr viel Spaß. Und ich bin wirklich sehr stolz darauf, dass ich diesen Weg eingeschlagen und das selbst geschafft und habe. Dass ich es aus dem Nichts heraus versucht habe, obwohl die Vorurteile am Anfang ja sehr groß waren. Natürlich fragt man sich als Zuschauer, warum eine Fernsehmoderatorin plötzlich YouTube macht. Für mich war es die ideale Ergänzung, um in meinem Job komplett happy zu sein.

Broadmark: Du warst quasi auch eine der ersten TV-Moderatorinnen, die sich in diesem Bereich ausprobiert haben. Merkst du auch, dass sich deine YouTube-Aktivitäten mittlerweile auszahlen?

Nela: Ab wann zahlt sich etwas aus? Die letzten zwei Jahre habe ich unheimlich viel Zeit, Energie und letztlich auch Geld in das Equipment gesteckt, sodass ich jetzt nicht unbedingt sagen kann, es hätte sich finanziell ausgezahlt. Hinsichtlich meiner Selbstzufriedenheit hat es sich dagegen definitiv ausgezahlt. Ich kann mich kreativ ausleben und so, wie es gerade läuft, bin ich super happy.

Broadmark: Mittlerweile sind YouTube und zahlreiche andere Social-Media-Kanäle ein bedeutsames Medium geworden. Siehst du in deinen Aktivitäten auch eine Karriere-Chance für dich?

Nela: Das finde ich sehr schwierig. Ich gehe da nicht mit dem Gedanken ran, dass YouTube meine nächste große Karriere wird. Ich glaube, dass der Hype momentan auch auf Kanälen liegt, die jüngere Zuschauer anziehen. Meine Zielgruppe ist ab 25 aufwärts, was mich persönlich sehr freut. Meiner Meinung nach könnte man allgemein mehr darauf hinarbeiten, dass Youtube von einer älteren Zielgruppe als eine Plattform wahrgenommen wird, indem man mehr Inhalte für diese Zielgruppen anbietet.

Broadmark: Ältere Zielgruppen sind im Bereich Webvideo noch sehr schwierig. Glaubst du, dass es tatsächlich an den Inhalten liegt, oder muss die ältere Zielgruppe erst noch an YouTube herangeführt werden?

Nela: Ich denke, dass es vielen so geht wie mir damals auch. Vor drei Jahren hatte ich auch noch keine Ahnung, dass man bei YouTube mehr sehen kann als irgendwelche Katzenvideos oder verwackelte Musik-Clips. Als ich dann Kanäle wie den von daaruum entdeckt habe, war ich erstaunt, welche wertigen Inhalte zum Beispiel zu Beauty- und Lifestylethemen produziert werden können. Dadurch hat sich meine eigene Sicht auf YouTube klar geändert. Ich würde mir wünschen, dass sich auch die ältere Zielgruppe mehr mit YouTube beschäftigt. Wahrscheinlich werden viele genauso überrascht sein, wie ich es war.

Broadmark: Inwieweit denkst du, wird sich YouTube in der Zukunft als Medium entwickeln?

Nela: Ich kann mir gut vorstellen, dass YouTube nicht die letzte große Plattform sein wird, die Videos anbietet, die man On-Demand schauen kann oder auf der man sich Inhalte selbst aussuchen kann. Ich glaube, dass es sich da in der Richtung weiter entwickeln wird. Ich denke auch, dass das Fernsehen nach wie vor ein Massenmedium bleiben wird, welches auch in Zukunft konsumiert wird.

Broadmark: Denkst du, dass sich auch etwas beim Fernsehen verändern wird oder dass sich die beiden „Welten“ noch annähern werden, wenn du glaubst, dass keine Ablösung erfolgt?

Nela: Ich denke, dass sie sich definitiv annähern werden müssen. Das Fernsehen wird sich auch weiterentwickeln müssen. On-Demand Angebote werden sicherlich auch in Zukunft ein großes Thema für die TV Sender sein.

Broadmark: Wie siehst du dich? Bist du in beiden Welten zuhause? Wie möchtest du dich in Zukunft ausrichten?

Nela: Ich möchte definitiv beides weitermachen. Ich mache seit elf Jahren Fernsehen, ich verstehe es auch als meinen Beruf, TV-Moderatorin zu sein. YouTube dagegen ist mein persönliches Spielbein, was ich mir aufgebaut habe, um eben die Sachen machen zu können, die mir im Fernsehen bisher nicht ermöglicht wurden. Das ist für mich die perfekte Kombination. Ich will weder nur das eine, noch das andere machen, weil es mir sehr viel Spaß macht, in beiden Welten unterwegs zu sein.

Broadmark: Vielen Dank für das Interview!

Artikel von Celina Konz, Lukas Menzel, Jona Kirchen und Sebastian Kosa