EU-Kommsionspräsident Juncker im YouTube-Interview

Vorwürfe gegen YouTube: YouTuberin soll unter Druck gesetzt worden sein

Beim Live-Interview mit Jean-Claude Juncker soll die französische YouTuberin Laetitia Nadji von einem YouTube-Mitarbeiter unter Druck gesetzt worden sein.

Nachdem bereits in der Vergangenheit diverse Politiker wie Barack Obama oder Angela Merkel sich von YouTubern interviewen ließen, stellte sich am vergangenen Donnerstag auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker den Fragen dreier YouTuber. So wurden der deutsche YouTuber Jonas Ems, Laetitia Nadji aus Frankreich und der polnische YouTuber Łukasz Jakóbiak von YouTube und der Kommission nach Brüssel eingeladen, um Juncker live zu interviewen. Während die Interviews dabei live reibungslos über die Bühne gingen, erhebt die französische YouTuberin Laetitia Nadji nun Vorwürfe gegen YouTube.

Druck durch YouTube

Wie Nadji mit einem heimlich gefilmten Mitschnitt sowie im Interview mit der französischen Zeitung Rue 89 erzählt, sei sie vor dem Interview von einem YouTube-Mitarbeiter unter Druck gesetzt worden. Hierbei sei ihr zum einen vorab geraten worden, lieber harmlose Fragen, zum Beispiel nach seinem Haustier, zu stellen und zum anderen soll sie auch aktiv bedroht worden sein.

Ein YouTube-Mitarbeiter habe zu ihr gesagt, dass sie es sich nicht mit YouTube und der Europäischen Kommission verscherzen solle: „Es sei denn, du bist nicht an einer längeren YouTube-Karriere interessiert.“ Zudem betonte er, dass er sich noch mit Junckers Sprecherin Natasha Bertaud absprechen müsse, da es sein könne, dass einige Fragen mit einer roten Flagge versehen würden, die laut dem YouTube-Mitarbeiter nicht gefragt werden können. Angesichts dessen, dass viele YouTuber inzwischen von den Einnahmen durch YouTube ihr Einkommen bestreiten, somit eine klare Drohung.

Wie es scheint, ist Nadji die Einzige der drei YouTuber, die in dieser Art bedroht wurde. So konnte Jonas Ems nicht bestätigen, unter Druck gesetzt worden zu sein. Er konnte nach eigenen Angaben alle seine Fragen stellen und habe diese lediglich vorab eingereicht, um Dopplungen zu vermeiden. Hierbei sei eine Frage gestrichen worden, die aber Nadji im Interview gestellt habe. Im Umgang vor Ort habe er außerdem keine negativen Erfahrungen gemacht.

YouTube dementiert Vorwürfe

Auch wenn damit nur Nadji durch YouTube eine Drohung erhalten habe, wirft dies natürlich ein schlechtes Licht auf YouTube und das Interview. Gegenüber dem US-Magazin Politico dementierte YouTube jedoch die Vorwürfe und erklärte, dass es keine Absicht gewesen sei Nadji nur zu harmlosen Fragen zu drängen: „Unser Kollege ermutigte sie lediglich, eher respektvoll als konfrontativ vorzugehen„. Zudem soll der YouTube-Mitarbeiter aktiv von der 32-Jährigen angesprochen worden sein und darauf mit der stritten Aussage reagiert haben. Wie Natasha Bertaud, EU-Kommissionssprecherin, ergänzte, habe die Kommission und Juncker vorab keine Fragen erhalten und damit in keiner Weise die Interviews manipuliert.

Dennoch zieht das Live-Interview einen faden Beigeschmack nach sich und zeigt, welche Problematiken entstehen können, wenn Politiker mit Hilfe reichweitenstarker YouTuber ihr Image aufpolieren möchten und diese dabei nicht mitspielen und nicht „nur“ harmlose Frage stellen. Dies zeigte sich bereits beim Interview von LeFloid mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, wo dieser im Anschluss angab, sich benutzt gefühlt zu haben. Anders als LeFloid soll sich Nadji jedoch im Vorfeld des Interviews mit Juncker von dem französischen Mediennetzwerk Osons Causer beraten lassen haben, das sich für eine kritische politische Debatte einsetzt.

Beitragsbild von EU-Kommission