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The Great War: Mit Geschichtsinhalten zum Erfolg

Mehr als 400 000 Abonnenten sowie ein innovatives Finanzierungsmodell machen The Great War zu einem der erfolgreichsten und interessantesten Infotainment-Kanäle. Wir haben uns den YouTube-Kanal genauer angeschaut und mit dem Macher Indy Neidell gesprochen. 

Erfolgreiche Infotainment-Kanäle sind auf YouTube in Deutschland Mangelware. Lediglich einige wenige Formate und Channels schaffen es, regelmäßig Hunderttausende Zuschauer zu erreichen. Noch spezieller schaut es aus bei YouTube-Kanälen mit Geschichtsinhalten. Einer der wenigen erfolgreichen YouTube-Kanäle in diesem Bereich ist der Channel „The Great War„, auf dem die Geschichte des Ersten Weltkrieges dokumentiert wird. Der YouTube-Kanal ist dabei nicht nur inhaltlich äußerst interessant, sondern beschreitet auch bei der Finanzierung neue Wege.

Dokumentation des Ersten Weltkrieges

Gestartet wurde The Great War dabei bereits 2014 als Original-Produktion von Mediakraft Networks. Neben dem englischsprachigen YouTube-Kanal startete Mediakraft auch eine deutsche und polnische Version des Channels, um so einer möglichst breiten Masse die Geschichte des Ersten Weltkrieges zu erzählen. Auf allen Kanälen wurde dabei in den verschiedensten Formaten gezeigt, wie der Erste Weltkrieg sich entwickelte, die Menschen zu der damaligen Zeit lebten und was sonst noch so Anfang des 20. Jahrhunderts los war. Um dies dabei auch in Videoform passend herüberzubringen, werden durch eine exklusive Kooperation zahlreiche historische Filmdokumente der Filmbibliothek Britsh Pathé verwendet und in die Videos eingebaut. Zudem wird versucht, durch das Setting, Specials und eine möglichst enge Einbindung der Community, die Videos möglichst interessant zu gestalten.

Während dies beim englischsprachigen Kanal gut gelang, entwickelten sich der deutschsprachige und der polnische Kanal schlechter als erhofft im Verhältnis zu dem dafür betriebenen Aufwand, wie Indy Neidell, Moderator und Autor von The Great War erklärt: „Wir haben schnell gemerkt, dass das über 4 1/2 Jahre nicht durchzuhalten sein wird. Zugleich gab es das Feedback aus der Community, die regelmäßiger weitere Videos zu Hintergrundthemen, Persönlichkeiten oder Community-Fragen wollte. Wir haben uns dann dazu entschieden, alles auf eine Karte zu setzen.“ Ebenfalls spielten hier natürlich auch ökonomische Gründe eine Rolle, so Neidell: „Eine Produktion mit solch hohem qualitativen Anspruch muss langfristig eine finanzielle Perspektive haben. 2015 war absehbar, nachdem Mediakraft ein ganzes Jahr die Anlaufverluste der Produktion getragen hatte, dass die deutsche, wie bereits zuvor die polnische Version, den Break-even nicht schaffen wird.“ So wurde schließlich entschieden, die beiden YouTube-Channels einzustellen und nur den englischsprachigen Kanal fortzuführen.

Positive Entwicklung von The Great War

Dieser entwickelte sich dabei stetig gut weiter. Nach zwölf Monaten wurden die 100 000 Abonnenten geknackt, aktuell steht der Kanal sogar kurz vor den 500 000 Abonnenten. The Great War hat sich hierbei vor allem in den letzten zwölf Monaten positiv entwickelt, wie Neidell erklärt: „Dabei half uns in jüngster Zeit das Interesse, das beispielsweise das Videospiel Battlefield 1 generiert hat. Aber auch Feiertage wie der Volkstrauertag am 13. November oder Jahrestage ermutigen immer mehr Menschen, sich zu informieren. Gerade im englischsprachigen Raum hat sich YouTube auch als Quelle für qualitativ hochwertigen Infotainment-Content etabliert.“ Regelmäßig erreichen die Videos damit zwischen 50 000 und 100 000 Aufrufe. Bis dato wurden die Videos von The Great War insgesamt fast 50 Millionen Mal angeschaut.

Die Gründe für diese guten Zahlen sind dabei verschiedener Natur, so Neidell. Neben dem allgemeinen thematischen Interesse an historischen Konflikten wie dem Ersten Weltkrieg, sieht er vor allem die Art der Umsetzung als einen entscheidenden Erfolgsfaktor an. So werde versucht, das schwierige Thema möglichst faktengetreu aus einer neutralen Perspektive aufzubereiten. Dabei endet die Auseinandersetzung mit diesem nicht mit der fertigen Produktion der Videos, sondern geht auch in den Kommentaren weiter. „Es hat sich gelohnt, von vornherein einen dedizierten Mitarbeiter für ‚Community Outreach‘ zu haben. Der stetige Kontakt zur Community ist enorm wichtig bei so einem Thema„, erklärt Neidell. In den Kommentaren werden beispielsweise viele weitergehende Fragen noch beantwortet und auch geschaut, welche Themen die Community besonders interessieren. „So haben wir es geschafft, eine offene Kommentarkultur zu entwickeln, bei der Leute auch untereinander Debatten führen oder sich zu geschichtlichen Themen austauschen„, ergänzt er. Neben diesen Punkten sieht Neidell ebenfalls den Serien-Aspekt als einen weiteren Faktor für den Erfolg von The Great War. Viele Zuschauer schauen vom ersten Video alle alten Videos an, wie bei einer TV-Serie.

Finanzierung von The Great War

Auch wenn The Great War es damit geschafft hat, eine treue Community aufzubauen, die regelmäßig einschaltet, gestaltete sich in der Vergangenheit eine Refinanzierung des Kanals schwierig. So arbeiten mehrere Personen in Vollzeit an dem Kanal, um wöchentlich drei Videos zu produzieren sowie mit der Community in einem stetigen Kontakt zu bleiben. „Dafür reicht unsere erste Einnahmequelle, die klassische Werbung, die von YouTube selbst geschaltet wird, bei weitem nicht aus „, erklärt Neidell hierzu. Um deshalb den Kanal weiterzuführen, entschieden sich die Macher, die Community hier via Crowdfunding einzubinden. Dafür nutzt The Great War die Crowdfunding-Plattform Patreon, auf der Fans mit einem monatlichen Betrag das Projekt unterstützen können. Im Gegenzug hierfür erhalten die Supporter dabei eine gewisse Belohnung, wie ein Wallpaper oder die Möglichkeit, an exklusiven Q&A-Sessions teilzunehmen oder sogar die Produktion zu besuchen.

Die Nutzung von Patreon ist dabei ein voller Erfolg für The Great War. Mittlerweile unterstützen dort mehr als 2 900 Nutzer finanziell das Projekt, wodurch insgesamt jeden Monat mehr als 13 000 US-Dollar eingenommen werden. Damit macht das Crowdfunding gleichzeitig auch die größte Einnahmequelle aus. Zusätzlich zu dem Crowdfunding wurden außerdem bereits einige Marketing-Kooperationen mit ausgewählten Partnern aus dem Bildungs- oder Infotainment-Bereich eingegangen. Außerdem vertreibt The Great War eigenes Merchandise und startet hier sogar verrückte Aktionen wie kürzlich den Verkauf eigener Socken. Damit schafft The Great War es inzwischen, sich vollständig zu refinanzieren und sogar dafür zu sorgen, dass das Projekt ausgebaut werden kann. „Es war definitiv ein langer Weg dahin, und Mediakraft musste hier Geduld beweisen, aber wir sind uns alle einig, dass wir den Kanal langfristig auf ein stabiles Fundament gestellt haben„, gibt sich Neidell zufrieden über die aktuelle Entwicklung.

So geht es weiter

Dass sich The Great War dabei auch in Zukunft positiv weiter entwickeln wird, ist Neidell sich sicher. Im kommenden Jahr jährt sich der Kriegseintritt der USA beispielsweise zum 100. Mal und dürfte damit für weiteres Interesse sorgen. Außerdem stehen die Russische Revolution und die Ursprünge des Nahostkonflikts an. Insgesamt ist dabei geplant, die Geschichte des Ersten Weltkrieges noch zwei Jahre weiter zu erzählen. Durch die stetig immer komplexere Entwicklung des Ersten Weltkrieges bleibe es dabei eine große Herausforderung, weiterhin dafür zu sorgen, dass die Themen verständlich aufbereitet werden. Hierfür möchte Neidell im kommenden Jahr erneut an originalen Schauplätzen des Ersten Weltkriegs drehen.

Doch nicht nur die Geschichte des Ersten Weltkrieges soll weitererzählt werden. Durch die Kooperationsvereinbarung zwischen der Filmbibliothek British Pathé und Mediakraft stehen insgesamt 90 000 historische Filmfragmente mit einer Laufzeit von 3 500 Stunden zur Verfügung, welche die Jahre 1910 bis 1970 umfassen. Dieses Archiv-Material soll dabei weiteren Kooperationspartnern für Online-Video-Produktionen zur Verfügung gestellt werden. Somit kann man gespannt sein, wie sich das Projekt weiter entwickeln wird. Bis dato ist The Great War auf jeden Fall ein äußerst interessanter Infotainment-Kanal, der es geschafft hat, eine starke Community aufzubauen, die nicht nur fleißig die Videos schaut, sondern auch finanziell das Projekt unterstützt.

Beitragsbild von Mediakraft