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“Summerbreak”: Scripted Reality auf YouTube

Während Scripted Reality hierzulande noch dem Fernsehen vorbehalten ist, gibt es mit „Summerbreak“ in den USA bereits eine erfolgreiche Scripted Reality-Serie, die nur im Web läuft. 

Sie sind vermutlich einer der Hauptgründe, warum sich viele Menschen während der letzten Jahre vermehrt vom Fernsehen abgewandt und dem Internet, zu großen Teilen YouTube, zugewandt haben: Scripted Reality Shows (oft auch “Dokusoaps” genannt). Dass dieses Konzept allerdings auch in der Online-Video-Welt funktioniert, zeigt die amerikanische Serie “Summerbreak” auf dem gleichnamigen YouTube-Kanal. Es handelt sich hierbei um ein Reality Format, bei dem Teenager aus Los Angeles begleitet werden, die gemeinsam ihre letzten Sommerferien (engl. “summer break”) als Schüler der High School verbringen, bevor sie sich auf verschiedene getrennte Wege begeben, wie z.B. an einem College am anderen Ende der USA zu studieren. Das Besondere an der Serie ist ein Mix zwischen hochwertig produzierten Episoden mit Storyline auf YouTube und von den Darstellern bespielte Social Media-Plattformen.

MTV ist tot, lang lebe MTV

Oft mit dem Label “RTL-Content” oder “Assi-TV” bezeichnet, wird sich gerne großflächig über das Niveau von Scripted Reality-TV ausgelassen, niemand gibt zu sie zu schauen. Und doch sorgen Sendungen im deutschen Fernsehen wie “Berlin Tag&Nacht”, “Frauentausch”, „Köln 50667” und “Keeping up with the Kardashians”, “16 and pregnant”, “Here comes Honey Boo Boo” u.v.m. im amerikanischen Fernsehen regelmäßig für wahre Zuschauerrekorde. Ein bisschen sensationsgeil ist dann eben doch jeder, also füttern uns die Redakteure mit erfundenen Charakteren, Dramen und Intrigen. Zwar unterscheiden sich die verschiedenen Formate deutlich in Bezug auf die Authentizität der Darsteller, die Produktionsqualität und die erzählten Geschichten. Am Ende sind sie aber doch alle das Gleiche: Scripted Reality, gespielte Realität.

“Summerbreak” dreht sich inhaltlich hauptsächlich um die Themen Beziehungen, Partys, Sex, Erwachsenwerden und die Aktivitäten der Darsteller bestehen aus shoppen, Party machen, gemeinsam abhängen und mehr oder weniger tiefgründige Gespräche führen. Wer die Vorurteile der Amerikaner untereinander kennt, wird hier auf jeden Fall bedient. Nach wenigen Episoden von “Summerbreak” könnte man meinen, alle Teenager in Kalifornien sind wohlhabende Hipster, deren einzige Sorge es ist was sie morgen anziehen und in welchem Restaurant sie abends Essen gehen. Man fühlt sich beim zuschauen teilweise in die Zeiten von MTV-Shows zurückversetzt und das ist Gewiss kein Zufall. Judy McGrath, Kopf der ausführenden Produktionsfirma Astronauts Wanted, war 2004 bis 2011 tatsächlich CEO von MTV Networks.

Staffel 1 der Serie lief noch unter dem offiziellen Motto “Real Kids, Real Life, Real Time”. Doch sollte jedem Zuschauer klar sein, dass es sich auch trotz der individuellen Kommunikation mit den Darstellern auf Social Media bei dieser Serie um Scripted Reality handelt. Zwar sind die Darsteller nicht unbedingt Schauspieler, aber sie wurden speziell für das Format gecastet. Das ist keinesfalls schlecht, aber wichtig zu erwähnen. Besonders als Gegengewicht zur Aussage von Billy Parks, SVP bei Fullscreen Media Strategic Content Group: “Wir machen nicht nur eine Show, wir schaffen die Möglichkeit, dass die Zuschauer einem Freundeskreis beitreten können.“

Mit hohem Produktionswert und intensiver Interaktion zum Erfolg

Bandprobe, skaten, an den Strand gehen, shoppen, quatschen, feiern. Auch wenn der Inhalt der Episoden wenig spektakulär ist, überzeugt die Serie mit einem hohen Produktionswert. Episoden sind zwischen 10 und 20 Minuten lang und besitzen immer eine kleine Storyline. Establishing Shots bei Locationwechsel, Dramaturgie, passende Musik, guter Ton und Cliffhanger am Ende der Episode — man merkt deutlich, hier waren Fernsehprofis am Werk. Die Serie wird von Astronauts Wanted, The Chernin Group und Fullscreen Media produziert. Die Darsteller werden täglich von einem kompletten Produktionsteam begleitet, die Episoden mit wenigen Tagen Abstand produziert und veröffentlicht. Ein großer finanzieller Aufwand, der ohne den Sponsor AT&T sicherlich nicht zu stemmen wäre. Das amerikanische Telekom-Unternehmen tritt bereits seit der ersten Staffel als Sponsor auf, die Marke wird in den Episoden erkennbar, aber keinesfalls störend integriert.

Die Serie wurde von der Presse als “Transmedia Series” und “Social Media Reality Series” bezeichnet, ein berechtigter Titel, wenn man sich die lange Liste an Plattformen vor Augen führt, welche die Darsteller mit Inhalten bespielen: YouTube, Facebook, Twitter, Instagram, Snapchat, Vine, Tumblr, Giphy, Wishbone und Public. Die Interaktion mit den Zuschauern ist ein bedeutender Teil des Erfolges der Serie, bereits die erste Staffel 2013 wurde zum absoluten Erfolg mit einer unglaublichen Gesamtreichweite von über 600 Millionen Impressions (enthält alle Views auf allen Plattformen).

Der Kanal ist Ende Juni in seine mittlerweile 4. Staffel gestartet, und schon jetzt zeichnet sich ab, dass auch diese Staffel eine erhebliche Reichweite erzielen wird. Alleine der YouTube-Kanal konnte innerhalb der letzten 30 Tage über 10 Millionen Views erreichen, selbst der Trailer für die neue Staffel verzeichnet bereits über 2 Millionen Views.

Mal etwas anderes. Summerbreak ist vielleicht inhaltlich nicht gerade für jeden etwas, die Serie ist ganz klar an Jugendliche im High-School-Alter gedacht. Aber auf jeden Fall ist die Serie ein tolles Beispiel für erfolgreichen Branded-Content und eine interessante Weiterentwicklung des Reality-Formats. Die hohe Produktionsqualität der Episoden ist eine schöne Abwechslung zu den unzähligen Vlogs vor dem Ikea-Regal und den Sketchvideos in Mamas Wohnzimmer, auch wenn diese sicherlich nicht hiermit zu vergleichen sind.

Über den Autor: 

Dennis Poetsch war einer der ersten Mitarbeiter bei Mediakraft Networks und hat in seiner Zeit dort zwischen 2012 und 2016 unter anderem das Partnermanagement geleitet, die Internationalisierung des Unternehmens nach Polen, Holland und Türkei begleitet und an der Finanzierungsrunde in 2014 mitgewirkt. Anfang 2016 wechselte er in eine andere Branche, beobachtet die Onlinevideo-Szene aber weiterhin mit großem Interesse.

Beitragsbild von SummerBreak