Das halten Honeyball, De Changeman und Techtastisch vom Jugendschutz

So sehen die Creator den Jugendschutz

Jugendschutz auf Webvideo-Plattformen ist ein wichtiges Thema, zu dem viele unterschiedliche Meinungen existieren. Broadmark hat deshalb einige Creator gefragt, wie sie den Jugendschutz auf Webvideo-Plattformen beurteilen. 

Nicht nur die Plattformen und Jugendschützer beschäftigen sich mit dem Jugendschutz auf Webvideo-Plattformen. Auch viele Creator haben hierzu eine Meinung und setzten sich aktiv mit dem Thema auseinander. Wir haben deshalb Honeyball, De Changeman und Techtastisch gefragt, was sie zu dem Thema sagen. Die drei sind dabei sehr verschiedene Webvideo-Creator: Honeyball macht Let’s Plays, De Changeman ist Satiriker und Techtastisch ist Wissens-YouTuber. Dabei haben die Drei allesamt sehr interessante Meinungen zum Jugendschutz.

Das bedeutet Jugendschutz für Honeyball

Honeyball empfindet Jugendschutz im Internet als wichtig. Das Internet und die vielen frei zugänglichen Informationen können Kinder überfordern und “falsche Werte” vermitteln, wie sie sagt. Auch die Vermittlung übertriebener Ideale in den Medien stellt für Honeyball ein großes Problem dar, womit sie bereits selbst im Kindesalter zu kämpfen gehabt habe. So können Kinder in ihrer Entwicklung durch die falsche Nutzung des Internets beeinträchtigt werden.

Daher findet sie es wichtig, dass Eltern Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung unterstützen und ihnen dabei helfen, die Welt zu verstehen – im realen Leben wie auch im Internet. So antwortet sie auf unsere Frage, was Jugendschutz für sie bedeutet: “Es geht nicht darum, Informationen, Inhalte von Kindern fern zu halten, weil sie „böse“ sind. Es geht um die Geschwindigkeit [in der man die Kinder an die Inhalte heranführt].” Daher sehe sie hier die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder in geeignetem Tempo an das Internet und seine Inhalte heranzuführen.

Die Rolle der Plattformen beim Jugendschutz

Die Möglichkeit, das Tempo, in dem die Kinder das Netz erkunden können, zu bestimmen, sollen Eltern aber von den Plattformen gegeben bekommen, sagt sie. Aus ihrer Sicht gewinne man derzeit den Eindruck, dass Plattformen wie YouTube oder Facebook sich nicht ausreichend um den Jugendschutz auf ihren Plattformen kümmern. “Gewalt, Hassreden, gezielter Verkauf von Produkten an Kinder, Fehlinformationen über Sexualität, das alles findet sich überall”. Vor allem, da die Plattformen jedem unabhängig vom Alter zugänglich sind.

Auch der Umgang mit gemeldeten Inhalten sollte sowohl auf Seiten der Plattformen als auch auf Seiten der Creator kritischer behandelt werden. “Nicht nur sollten solche Inhalte dann auch wirklich mal bearbeitet werden, auch die Ersteller sollten dafür mit Konsequenzen rechnen müssen”. Dadurch erhoffe sie sich, dass Creator überdenken, ob sie ein Video in dieser Form überhaupt hochladen oder es nicht mit einer Kennzeichnung versehen möchten.

Die Creator sind aber auch nicht freizusprechen

Die Eltern sollen laut Honeyball somit in ihrem Handeln unterstützt werden. An dem Entwicklungsprozess eines Kindes sind, wie sie sagt, aber nicht nur die Eltern beteiligt: „Wir sind nicht nur die Kinder unserer Eltern. Die Gesellschaft zieht die Kinder groß“. Daher appelliert sie an andere YouTuber, verantwortungsvoll mit ihrer Reichweite umzugehen.

Gleichermaßen können Creator aber auch positiven Einfluss nehmen: „Gerade für Eltern ist es schwierig, einem Kind in der Pubertät etwas zu vermitteln, da können gerade die Idole auf YouTube helfen.“

Sie selbst habe eine klare Vorstellung von dem, was sie mit ihrem Kanal erreichen möchte: „Ich will rücksichtsvolle Unterhaltung und bemühe mich, Offenheit und Selbstreflexion als erstrebenswerte Ziele zu vermitteln. Vor allem aber ist Wissen und Aufklärung im richtigen Tempo wichtig.“ Dabei verzichte sie auch „auf die Werbewirksamkeit von ‘Tabuthemen“. Dadurch büße sie vielleicht zwar Aufrufe auf ihren Videos ein, halte aber an ihren Vorstellungen vom Jugendschutz fest.

De Changemans Meinung zum Jugendschutz

Neben Honeyball sieht auch der YouTuber, Schauspieler und Satiriker De Changeman: „die Verantwortung vor allem bei den Eltern und dem Bildungssystem, den Kindern Medienkompetenz beizubringen“. Kinder können im Internet traumatische Erfahrungen sammeln, wie De Changeman aus eigener Erfahrung berichtet: „Wir alle sind vermutlich als Kinder mal über Pornos oder sogar Mordvideos gestolpert“.

Seiner Meinung nach „stolpere“ man aber nicht zufällig über Videos dieser Art, sondern suche und finde diese. Er selbst gibt an, in seiner Kindheit ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben. Dabei habe er mit Freunden explizit nach etwas Verbotenem gesucht, wie er sagt.

Warum die Plattformen Teil des Problems sind

Aber auch die Plattformen seien dabei nicht von ihrer Schuld freizusprechen, wie De Changeman meint. Vor allem Facebook sehe er als Katastrophe: „Ich habe in den letzten Wochen drei rassistische und zur Gewalt gegen Flüchtlinge aufrufende Posts gemeldet, nur um jedes Mal von Facebook zu hören, dass „Ich rotze Asylanten in die Fresse“ oder „refugees burn“ nicht gegen die Richtlinien verstoße“.

Bei YouTube kritisiert er vor allem die „schlechten Inhaltsbewertungen“. Große, nicht jugendfreie Kanäle seien meist ohne eine Beschränkung für jeden zugänglich und würden weiterhin monetarisiert. Obwohl diese Pornografie sowie Straftaten beinhalten. „Auf meinem Zweitkanal habe ich ein Video darüber gemacht, dass sich eine gute Freundin von mir umgebracht hat, welche Auswirkungen das für mich hatte und warum und wie ich damit umgehen konnte. Dieses Video wurde sofort entmonetarisiert und als ich mich beschwerte, hieß es, dass der Inhalt auch nach Prüfung nicht zu den Videos gehöre, die man auf der Plattform sehen wolle’“, erklärt er hierzu.

Die Creator dürfen sich nicht grenzdebil verhalten

Die Verantwortung sieht er aber nicht nur bei den Eltern. Seiner Meinung nach müssen sich die Creator bei ihren Videos an die verbindlichen YouTube-Richtlinien halten. Auch sollen sie „sich nicht völlig grenzdebil zu verhalten“, wobei er auf einige große deutsche YouTuber verweist. Allerdings findet er eine Zensur des Internets an dieser Stelle auch nicht sinnvoll. Dies würde „Kunst und Satire absurd eingrenzen, wenn man als Creator nur noch kinderfreundlichen Content produzieren dürfte” und “eine Menge sehr guter Inhalte von der Plattform verbannen“.

Sein Kanal, sagt er, richte sich an Erwachsene, nicht an Kinder. “Da ich […] Satire mache, spiele ich selbstverständlich auch oft mit diesen Grenzen”. Dabei achte er aber darauf, sich an die YouTube-Richtlinien zu halten und keine jugendgefährdenden Inhalte hochzuladen. Allerdings passiere es durchaus, dass ein Kind sich auf eines seiner Videos “verirrt”. Satirische Inhalte wie die von De Changeman verstehen Kinder oft nicht. Das äußere sich schnell in den Kommentaren unter den Videos. “Meist beginnen diese Konversationen zwar mit ironischen Späßen, aber sobald klar wird, dass der Gegenüber nicht versteht was los ist, kläre ich auf“.

Was Techtastisch vom Jugendschutz hält

Als dritten Creator haben wir mit Techtastisch über den Jugendschutz gesprochen. Vernünftigen Jugendschutz halte er im Internet für schwer umsetzbar, „da man alles suchen kann“. Suchmaschinen ermöglichen es, innerhalb von Sekunden Inhalte zu finden und haben ein riesiges Repertoire an auslieferbaren Webseiten.

Daher sieht Techtastisch „hauptsächlich die Eltern in der Pflicht, ihre Kinder erst ab einem gewissen Alter […] ins Internet zu lassen und ihnen auf dem Weg dorthin schon wichtige Werte vermittelt und vor allem vorgelebt [zu] haben“. Dadurch soll es dem Kind möglich werden, „schlechten Umgang“ zu erkennen und das eigene Surfverhalten selbst kontrollieren zu können.

Negative Erfahrungen mit Plattformen

Von YouTube habe er eigentlich ein gutes Bild, erklärt er. Allerdings kritisiert er einige Inhalte, die nicht als jugendgefährdend markiert sind, obwohl sie die Kriterien dafür seiner Meinung nach eigentlich erfüllen. Dabei verweist er auf pornografische Inhalte einiger YouTuber.

„Und mit Facebook habe ich insbesondere bei Hassreden sehr negative Erfahrungen gemacht“. Bei der Bearbeitung gemeldeter Inhalte sehe er auf Seite der Plattformen „großes Verbesserungspotenzial“. Ein Problem sehe er dabei in „anstößigen“ sowie von „schlechten Werten“ geprägten Inhalten.

Die Verantwortung der Creator

Techtastisch gibt an, selbst eine ältere Zielgruppe zu haben. Daher habe er auf seinem Kanal im Hinblick auf seine Zielgruppe kein Problem mit „Anspielungen und sprachliche[n] Stilmittel[n]. Allerdings komme dies bei seinen Inhalten nur selten vor, da es sich bei dieser Art der Inhalte einfach nicht anbiete.

Laut seiner Aussage sollte sich ein Creator, der „hauptsächlich jüngere Zuschauer hat, bemühen, bei der Wertevermittlung positiv beizutragen. Je jünger das Publikum, desto eher“.

So sehen die drei Creator den Jugendschutz

Damit haben Honeyball, De Changeman und Techtastisch alle sehr ähnliche Meinungen in Bezug auf den Jugendschutz. Sie unterscheiden sich aber in einigen Feinheiten. Einig sind sich die drei Creator, wenn es um die Verantwortung der Eltern geht. Diese haben laut ihnen die wichtigste Aufgabe und müssen ihren Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet beibringen. Dabei unterscheiden sich aber die Ideen der Umsetzung: Während Honeyball sich Tools für Eltern von den Plattformen wünscht, würde Techtastisch Kinder erst ab einer gewissen Reife ins Internet lassen. De Changeman wünscht sich dabei zusätzlich die Unterstützung durch die Schulen.

Alle drei Creator kritisieren aber auch die Reaktionen der Plattformen auf gemeldete Videos. Hier sehen sie sowohl auf YouTube als auch auf Facebook durchaus Verbesserungspotential. Durch Kontrollen der Plattformen können Creator aber nicht von ihrer Verantwortung befreit werden. Diese sollten ihre Reichweite sinnvoll nutzen und sich an die Bedingungen der Plattformen halten, wie die drei betonen.

Auch wenn sowohl Honeyball als auch De Changeman und Techtastisch alle eine kritische Einstellung haben, spiegeln die drei vorgestellten Meinungen natürlich nicht unbedingt die Meinungen aller YouTuber wider.

Beitragsbild von De Changeman. Honeyball, Techtastisch