Snapchat

Snapchat wird Mainstream – und das ist gut so

Die Nutzer von Snapchat werden älter und mit Snapchat Memories verliert die App ihr Markenzeichen. Damit wird der Dienst langsam aber sicher zum Mainstream – und das ist gut so, meint Lukas Menzel. 

Snapchat ist aktuell der spannendste soziale Dienst. Nicht nur, dass die App fast im Wochentakt neue Features vorstellt, auch von der Nutzung her zeigt sich, dass der Dienst eine massive Durchschlagskraft mit sich bringt. Während der Dienst dabei in der Vergangenheit vor allem bei Teenagern beliebt war sowie durch die hohe Flüchtigkeit hervorstach, entfernt sich Snapchat nun erstmalig auch von seinem Alleinstellungsmerkmal und wird auch für die älteren Nutzer attraktiv. Damit wird Snapchat nun langsam zum Mainstream.

Vom Hype zum Mainstream

Einen ersten Hinweis dafür zeigt die verstärkte Präsenz älterer Zielgruppen. Während vor wenigen Jahren Snapchat noch ausschließlich Kindern und Teenagern bekannt war, ist Snapchat mittlerweile auch bei den „Eltern“ angekommen. So ergab erst kürzlich eine Studie von ComScore, dass 17 Prozent der Snapchat-Nutzer über 35 Jahre alt sind, während vor zwei Jahren die über 35-Jährigen noch 2 Prozent ausmachten. Ein Grund hierfür dürfte mit Sicherheit sein, dass immer mehr Medien über Snapchat berichten und erklären, wie der Dienst funktioniert. Dazu dürften die hohen AppStore-Platzierungen dafür gesorgt haben, dass auch viele neue Nutzer die App ausprobiert haben. Erst kürzlich erklomm Snapchat in den USA die Spitze des iOS AppStores. Damit müssen die Teenager sich langsam Sorgen machen, dass ihre Eltern zuschauen, was ihre Sprösslinge auf Snapchat treiben.

Doch nicht nur, dass damit Snapchat Facebook folgt und die Nutzerschaft immer älter wird, auch mit neuen Funktionen entfernt sich die App langsam von seinem Kern. So ist mit der neuen Funktion „Snapchat Memories“ die Möglichkeit dazugekommen, Snaps zu speichern und erneut zu teilen sowie auch ganz normale Foto-Aufnahmen auf Snapchat zu posten. Zugegeben ist dieses Feature nicht komplett neu, externe Drittanbieter-Apps wie SnapUpload haben bereits ähnliche Funktionen an Board, jedoch zeigt die direkte Integration in die App, dass Snapchat nicht länger nur der kurzlebige, flüchtige Messenger-Dienst sein möchte, der es ursprünglich war.

Auf Augenhöhe mit Facebook?

Stattdessen möchte es der Dienst seinen Nutzern „so einfach wie möglich“ machen und langlebiger sowie offener werden. Während dies bei einigen Nutzern für Gegenwehr sorgt und diese bereits den Untergang Snapchats prognostizieren, zeigt ein genauerer Blick, dass dieser Schritt nicht wirklich unvorhergesehen und überraschend kommt. Mit 150 Millionen aktiven Nutzern und zehn Milliarden Videoviews pro Tag ist die App schließlich schon lange kein Nischendienst mehr. Von nicht wenigen „Experten“ wird die App inzwischen sogar als Facebook-Konkurrent gehandelt. Davon zu sprechen ist angesichts der mehr als 1,6 Milliarden Facebook-Nutzer natürlich noch reine Spekulation, jedoch zeigt dies gleichzeitig auch, welches Potential dem mit 16 Milliarden bewerteten Unternehmen zugesprochen wird.

Die aktuellen Entwicklungen und Neuerungen unterstreichen dabei nur, dass Evan Spiegel mit seinem Dienst zu den ganz großen gehören möchte und damit voll und ganz in den Mainstream vorstoßen will. Dafür braucht der Snapchat-Gründer natürlich nicht nur die Teenager als Nutzer, denn diese sind weitaus weniger kaufstark als die älteren Nutzer, welche sich momentan vor allem bei Facebook tummeln. Zudem müssen die Nutzer möglichst lange an die App gebunden werden, um möglichst viele Anzeigen auszuspielen und damit letztendlich die App auch wirtschaftlich erfolgreich machen. Alleine bis zum Ende des kommenden Jahres soll der Umsatz verfünffacht und auf über eine Milliarde US-Dollar gesteigert werden. Funktionen wie Snapchat Memories dürften dabei nur der erste Schritt sein, um die App langlebiger und interessanter zu gestalten.

Somit entwickelt sich Snapchat immer weiter aus der Nische hinaus in Richtung Mainstream. Mit der aktuellen Strategie — sich vorsichtig vom Markenzeichen der Flüchtigkeit zu entfernen — dürfte das Unternehmen es dabei sowohl schaffen, die Teenager nicht zu stark zu verärgern als auch gleichzeitig die Plattform offener und für neue, ältere Nutzer attraktiver zu gestalten. Snapchat geht damit den nötigen Weg, wenn es in den nächsten Jahren auf Augenhöhe mit Facebook mitspielen und nicht ein Nischendienst wie Twitter bleiben möchte.

Beitragsbild von Jona Kirchen




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