Jugendschutz auf Webvideo-Plattformen

„Schützt die Jugend!“ – Jugendschutz und Webvideos

Unsere Artikelreihe zum Thema Jugendschutz neigt sich dem Ende zu. Wir haben mit Jugendschützern, Creatorn und Unternehmen gesprochen, doch was lässt sich daraus mitnehmen?

Jugendschutz ist kein dankbares Thema. Man denkt direkt an Verbote und nervige Kontrollen. Aber es ist ebenso wichtig, darüber zu sprechen. Denn in Sachen Jugendschutz hat das Internet und vor allem Webvideo-Plattformen noch großen Nachholbedarf. Bei der Umsetzung von gutem, wirksamem Jugendschutz gibt es allerdings große Hürden. Einerseits ist es unattraktiv, sich damit auseinanderzusetzen, weil es aufwendig ist und letztendlich auch keinen Gewinn bringt. Eher ergeben sich aus dem Vorenthalten von Inhalten, sowohl für Plattformen als auch für Creator, finanzielle Verluste und verlorene Punkte in Statistiken. Warum also sollte man sich damit beschäftigen?

Die Jugend von heute!

Diesen Satz hat fast jeder – auch Jugendliche – bereits gesagt. Man redet gern vom “Verfall von Werten”, von rotzfrechen Kindern und sagt “Das hätten wir uns damals nicht getraut”. Das sind altbekannte Sätze, die in jeder Generation fallen. Aber wir müssten sie nicht sagen, würden wir etwas für “die Jugend von heute” tun.

Schon die Schulhöfe der Grundschulen werden von YouTube beherrscht. Die Kinder an den Grundschulen fragen ihre jugendlichen Praktikanten aus, welche YouTuber sie denn kennen – dabei fallen auch gerne Namen von Creatorn, deren Inhalte für diese Zielgruppe komplett unpassend sind, deren Inhalte man getrost als “Asi-Content” bezeichnen kann. Handys gehören mittlerweile zur Standard-Ausrüstung eines Grundschülers. Auch auf Veranstaltungen wie der Glow oder den VideoDays merkt man, dass sich das Alter der Zielgruppen verschoben hat. Und das drastisch nach unten.

Das alles sind Veränderungen der Gesellschaft, die eben kommen. An denen kann man nicht viel ändern, die muss man eben akzeptieren. Das mag vielleicht stimmen, aber wir können lernen, mit diesen Veränderungen richtig umzugehen. Es reicht eben nicht mehr, am Eingang des Kinos, der Disko oder an der Kasse des Kiosks das Alter zu kontrollieren. Die Ansprüche an den Jugendschutz haben sich in den letzten Jahren stark geändert. Und daher müssen alle, die das Internet zu dem machen, was es ist, daran arbeiten, diesen Anforderungen zu genügen.

Die Frage nach der Verantwortung

Dabei liegt ein großer Teil der Verantwortung bei den Creatorn selbst. Es gibt Richtlinien auf allen Plattformen, die meist auch in einfacher Form und mit Bildern erklärt werden. Man muss also kein ausgebildeter Jurist sein, um zu verstehen, dass manche Inhalte eben nicht öffentlich ins Netz gehören. Dabei ist aber auf der anderen Seite auch wichtig, zu beachten, dass weder Meinungs- oder Presse- noch Kunst- oder Satirefreiheit unnötig eingeschränkt wird.

Aber auch die Webvideo-Plattformen sind von ihrer Schuld nicht freizusprechen. Zwar steigt die Menge an hochgeladenem Videomaterial stetig, doch ändert das nichts daran, dass die Plattformen gemeldete Inhalte auf deren Jugendschutz-Konformität prüfen müssen. Auch wäre es wünschenswert, würden die Plattformen auch von sich aus hochgeladene Inhalte algorithmisch kontrollieren. Das Know-how kann man den Entwicklern, die Gesichter-Scanner entwickeln können und sich zutrauen, die “Werbekundenfreundlichkeit” zu überprüfen ja unterstellen, oder nicht?

Und nicht zuletzt sind die Eltern maßgeblich für den Jugendschutz verantwortlich. Man lässt seine Kinder ja auch nicht abends den Horrorfilm mitgucken. Wieso also gibt man den eigenen Kindern vollkommen unkontrolliert ein Handy und lässt sie nach Lust und Laune das Internet durchstreifen? Natürlich brauchen die Eltern dabei Unterstützung, denn für viele ist das Medium Internet ebenso neu wie für die Kinder, die gerade anfangen, es zu erkunden.

Aber genau dafür existieren Leitfäden von den entsprechenden Plattformen und von Organistationen wie der FSM und weiteren Stellen. An Information zu dem Thema mangelt es also nicht. Allerdings müssen Eltern in ihrem Handeln auch von den Plattformen unterstützt werden. Es geht nämlich bei der Thematik des Jugendschutzes nicht darum, jemandem etwas wegzunehmen. Es geht um das Heranführen der Kinder an die Schattenseiten des Lebens – und des Internets. Man kann Drogen, Krieg, Gewalt und alle anderen “jugendgefährdenden Inhalte” nicht für immer vor einem Heranwachsendem verstecken. Man muss sie darauf vorbereiten, mit diesen umgehen zu können.

Unsere Artikelreihe zum Jugendschutz ist nun beendet. Alle Artikel zum Thema sind weiterhin über unsere Themenseite abrufbar.

Beitragsbild von Unsplash/Pixabay