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Rocket Beans beantworten Fragen zum Umzug auf YouTube

Mit ihrer Ankündigung ab dem 1. September mit ihrem Internetsender Rocket Beans TV von Twitch zu YouTube umzuziehen, überraschten die Bohnen ihre Zuschauer. In einem Q&A sprachen nun Daniel Budiman, Host und Co-Founder der Rocket Beans sowie Steffen Grziwa, Head of Marketing & PR, über die Hintergründe und offene Fragen zum Umzug. 

YouTube passt besser zur Zielgruppe

Gleich zu Beginn des Q&A gehen die beiden ausführlich auf die Gründe für ihren Umzug zu YouTube ein. So sprechen sie davon, dass Twitch eine sehr spezielle Zielgruppe mit eigener Thematik und Dynamik hat. Hier passe YouTube einfach deutlich besser für die eigene Zielgruppe, weshalb man sich für den Umzug entschied. Auf Twitch wird in ihren Augen vor allem Pro-Gaming, E-Sport und Skill erwartet, was sie so nicht bedienen könnten. So sehen sie sich auch nicht als typische Twitcher, betonen aber, dass sie Twitch immer noch gut finden und sie sehr dankbar für die zurückliegende Zusammenarbeit sind.

Auch ein Rückgang beziehungsweise ein Ausweichen auf die Streamingplattform wird generell nicht ausgeschlossen. so sagt Steffen Grziwa: „Es gibt eigentlich nichts, was uns davon abhält, noch was auf Twitch zu machen.“

Sie versuchen auch den Zuschauern die Angst zu nehmen, dass man sich als Sender mit YouTube als neue Streaming-Plattform eine gewisse Freiheit nehmen ließe. So wird betont, dass sie auch weiterhin großen Wert darauf legen, sowohl redaktionell als auch finanziell unabhängig zu bleiben.

Zu der ihnen in den letzten Tagen von einigen Zuschauern immer wieder vorgeworfenen fehlenden Transparanz sagten sie, dass sie gar keine totale Transparenz aller ihrer Entscheidungen wollen. Außerdem würde es intern manchmal so schnell gehen, dass es dann total schwierig sei, eine gemeinsame Sprache zu finden, mit der sie dann an die Öffentlichkeit und an ihre Zuschauer herantreten könnten.

Subscription-Modell bald auf YouTube?

Ob es auch auf YouTube ähnlich wie auf Twitch ein monatliches Subscribtion-Modell geben wird, können und wollen die Bohnen nicht verraten. Offenbar steht hier für den 1. September eine größere Ankündigung seitens YouTube kurz bevor, welche man nicht vorweg nehmen wolle.
Der Stream wird auch nicht wie von einigen zuerst gedacht auf YouTube Red laufen, sondern als normaler YouTube-Livestream verfügbar sein.

Technische Neuerungen werden vorerst nicht umgesetzt

Technisch wird der Umzug sehr anspruchsvoll werden. Offenbar sind die Bohnen hier aber schon seit einiger Zeit am Testen, um einen möglichst reibungslosen Übergang von Twitch zu YouTube zu gewährleisten.
Die technischen Neuerungen, welche unter anderem in ihrem Blog-Post als Grund für den Umzug genannt wurden, werden nicht unmittelbar umgesetzt und noch eine Weile auf sich warten lassen. Dies betrifft zum Beispiel 360°-Videos, ein Senden in 1440p und 60 FPS sowie Multicams und VR-Unterstützung. Hier fehlt es momentan an der notwendigen Hardware, um diese Neuerungen umzusetzen. Vorerst wird der Stream lediglich in 720p verfügbar sein. Die On-Demand Videos werden aber weiterhin in 1080p hochgeladen.

In ihrem Format Q&A beantworten die Rocketbeans regelmäßig Fragen aus der Community. Bild von Rocketbeans TV

In ihrem Format Q&A beantworten die Rocket Beans regelmäßig Fragen aus der Community. Bild von Rocket Beans TV.

Die automatische Untertitelübersetzung wird, wie bei YouTube-Videos und Livestreams Standard, auch sofort für den Stream verfügbar sein. Hier hofft man eventuell auf eine Erweiterung der Zielgruppe ins nicht-deutschsprachige Ausland. Als zweites neues Feature kann man den Livestream nach dem Umzug zu YouTube nun auch zurückspulen.

Auch die beliebten interaktiven Formate, bei denen die Zuschauer mit Hilfe des Chats mit eingebunden werden, sollen weiterhin auf dem Sender laufen. Es wird daran gearbeitet, die Skripte für YouTube zu ändern. Auch die App der Rocket Beans wurde für den Umzug angepasst und soll weiterhin funktionieren.

Weiterhin viele offene Fragen

Doch auch nach dem ausführlichen Q&A bleiben viele Detailfragen zum Umzug auf YouTube offen.
So ist zum Beispiel nicht klar, was mit dem beliebten Format „Dosenbeats“ passiert. Das Problem ist hier, dass sich YouTube und die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA nach wie vor noch nicht auf einen Lizenzvertrag für GEMA-pflichtige Musik geeinigt haben. Formate wie Dosenbeats sind aus diesem Grund auf YouTube nur schwer umzusetzen, da Videos mit GEMA-pflichtiger Musik so in der Regel geclaimed werden. Hier hoffen die Rocket Beans sich im Einzelnen mit den Labels und Verlagen über eine Nutzung einig werden zu können. Es wird aber offen gelassen, ob Dosenbeats eventuell auch in Zukunft auf Twitch laufen wird.

Auch ob eine Live-Anbindung von Spielekonsolen gewährleistet werden kann, konnte nicht abschließend geklärt werden. Hier wird eher auf YouTube-Funktionen spekuliert, als eine klare Aussage treffen zu können.


Ebenso steht es in den Sternen ob es wieder eine Berichterstattung von der E3 geben wird, da eine Kooperation mit Twitch nach dem Weggang vermutlich nicht mehr stattfinden wird. Allerdings ist hier ja auch noch bisschen Zeit, um sich nach neuen Möglichkeiten umzuschauen.

Viel entscheidender ist, was mit den Sendungen und Formaten passiert, welche ehemals YouTube-Content auf Twitch zeigten, wie zum Beispiel der Inside-Playstation-Stream. Hier würden auf der neuen Plattformen YouTube die Rocket Beans einen anderen YouTube-Stream aufgreifen und restreamen, was eher unsinnig anmutet. Scheinbar hatte man hier aber auch noch nicht mit den Verantwortlichen gesprochen, weshalb auch diese Frage nicht beantwortet werden konnte. Dies Gespräche sollen nun nachgeholt werden. Hier schienen also vor öffentlicher Bekanntgabe des Wechsels zu YouTube auch diese Kooperationspartner nicht eingeweiht.

Eine der wohl spannendsten Fragen, ob es von YouTube ein konkretes finanzielles Angebot für den Umzug von Twitch zu YouTube gab, um deren Live-Plattform einem breiteren Publikum vorzustellen, bleibt leider unbeantwortet.

Beitragsbild von Rocket Beans TV