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funk: Ein neuer Player entert die Webvideobranche

Am ersten Oktober startet mit funk das junge Angebot von ARD und ZDF. Damit entert nun ein neuer Player die deutsche Webvideobranche und könnte diese gehörig aufwirbeln.

Noch wenige Tage sind es bis das jungen Angebots von ARD und ZDF endlich startet. Dass es dabei jetzt nur noch wenige Tage bis zum offiziellen Launch sind, hätte man sich vor weniger als zwei Jahren kaum vorstellen können. Dort wurde der Vorschlag von ARD und ZDF, einen Jugendkanal für die 14 bis 29-Jährigen zu starten, vehement von der Ministerpräsidentenkonferenz abgeschmettert. Stattdessen sollten ARD und ZDF ein reines Online-Angebot entwickeln. Was sich damals wie eine Niederlage anfühlte, hat sich heute zu einem zielgruppenspezifischen Angebot entwickelt, welches in der klassischen TV-Welt wahrscheinlich inzwischen komplett fehl am Platz wäre.

Aufbau von funk

So wurde im vergangenen Jahr unter der Federführung von Florian Hager und Sophie Burkhardt mit dem jungen Angebot von ARD und ZDF ein Konzept entwickelt, welches nach den Regeln der Online-Welt dort die Zielgruppe erreichen möchte, wo diese unterwegs ist. Statt auf einer eigenen Plattform werden die Inhalte vornehmlich auf Drittplattformen wie YouTube, Facebook, Snapchat oder einer eigenen App stattfinden. Hierbei werden speziell auf die Zielgruppe zugeschnitten eigene Formate und Inhalte nach den Regeln der Webvideoszene konzipiert und produziert. Diese sollen dabei informieren, orientieren sowie unterhalten und damit nicht nur dem Nutzer gefallen, sondern auch dem Rundfunkstaatsvertrag genügen.

45 Millionen Euro nur für Webvideos

Ausgestattet ist funk dabei mit 45 Millionen Euro. Eine Summe, die gerade mal 0,6 Prozent der jährlichen Rundfunkeinnahmen ausmacht, jedoch für die noch sehr junge und kleine Webvideobranche enorm hoch ist. Die 45 Millionen werden dabei nicht einfach in den Aufbau einer möglichst großen Infrastruktur, sondern in erster Linie in Inhalte gesteckt, die die Nutzer zu sehen bekommen. Bereits vorab wurden dabei Formate wie die Gaming-Show 1080NerdScope, die Informations-Show Headlinez oder die Satire-Nachrichten-Show Was mit Fabian gestartet. Diese konnten somit schon vorab unter Beweis stellen, dass diese gemessen an Klickzahlen mal mehr (wie 1080NerdScope) oder eher weniger (wie Was mit Fabian) funktionieren. Insgesamt wird es zum Start mehr als 40 Formate geben, die die 15 Millionen 14 bis 29-Jährigen möglichst breit ansprechen sollen.

funk: Ein neuer, starker Player in der Webvideobranche

Damit wird es aber nicht nur eine Riesenflut an neuen, qualitativen Inhalten geben, sondern damit wird zum 1.10. auch ein neuer Player den deutschen Webvideomarkt betreten. Dieser wurde bislang vornehmlich von den Multi-Channel-Netzwerken wie Studio71, Mediakraft Networks oder TubeOne sowie reichweitenstarken Creatorn wie Gronkh, BibisBeautyPalace oder Die Lochis beherrscht.

funk entert dabei fast perfekt zum richtigen Zeitpunkt die Webvideobranche. So befindet sich die Branche aktuell in einer Phase, in der mit allen Mitteln um Reichweite und Aufmerksamkeit gekämpft wird, in der Buzzwords wie Influencer Marketing, Clickbaiting oder Pranks vorherrschen und Qualität nur eine untergeordnete Rolle spielt. 45 Millionen Euro für Inhalte, die auf Qualität anstelle von Reichweitenmaximierung setzen, kommen somit gerade recht. Doch auch wenn somit viele neue, qualitative Inhalte gestartet werden, wäre es noch deutlich zu früh, das junge Angebot von ARD und ZDF als “den Messias der Webvideobranche” darzustellen, der nun kommt, mal eben schnell den Markt entert und für “Recht und Ordnung” sorgt.

Erst einmal müssen die Inhalte von funk unter Beweis stellen, dass diese es schaffen, dass der Funke bei den 15 Millionen 14 bis 29-Jährigen überspringt. Eine Bibi erreicht schließlich mit Ihrer One-Woman-Show regelmäßig fast 2,5 Millionen Menschen. Da muss das funk schnell zeigen, dass die produzierten Inhalte nicht in der Versenkung verschwinden, sondern die breite Masse erreichen. Zudem muss das junge Angebot zeigen, dass es auch ohne eingekaufte, reichweitenstarke Influencer funktionieren und eigene Gesichter aufbauen kann. Die bereits gestarteten Formate funktionieren schließlich in erster Linie aufgrund der bereits etablierten, reichweitenstarken Köpfe dahinter. Dies mag aktuell sehr gut funktionieren, ist in der schnelllebigen Webvideowelt jedoch alles andere als nachhaltig.

Auch wenn somit von allen Seiten gespannt beobachtet wird, wie der Start am ersten Oktober verläuft, sollte die Euphorie noch nicht zu groß sein. funk entert zwar ein Stück weit die Webvideobranche, ist selbst aber noch in stürmischen Wassern unterwegs.

Alles weitere zum Start von funk, findet ihr hier




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