Jugendschutz auf YouTube

Würdest du das deinen Kindern zeigen? – Jugendschutz auf YouTube

In unserer modernisierten Welt ist durch die Omnipräsenz des Internets und von Webvideos das Thema Jugendschutz wichtiger denn je. Im Rahmen unserer Artikelreihe zum Thema Jugendschutz haben wir uns in diesem ersten Artikel beispielhaft für weitere Webvideo-Plattformen mit YouTube beschäftigt und uns angeschaut, wie es aktuell um den Jugendschutz auf YouTube steht. 

YouTube ist nicht nur die zweitgrößte Suchmaschine im Internet, es ist auch die größte Webvideo-Plattform. Damit hat das früher gerne als Katzenvideo-Plattform bezeichnete YouTube heute weitaus mehr zu bieten. Über eine Milliarde Nutzer aus aller Welt schauen sich eines der zahlreichen Videos an, die hier veröffentlicht werden. Eine enorm große Menge an Videos, die jederzeit weltweit angeschaut werden kann. Dabei stellt sich schnell die Frage: Wer kann diese Masse an Videomaterial sichten und kontrollieren? Wie wird der Jugendschutz hier umgesetzt? Und wo gibt es noch Nachholbedarf? 

Möglichkeiten zur Kennzeichnung auf YouTube

Nicht selten sieht man unter Videos von großen Kanälen das Wort “Partnerbewertung” eingeblendet. Die Partnerbewertung ist ein System zur Inhaltsbewertung von YouTube-Videos. Mittels dieses Systems können Creator eigene Videos kennzeichnen, wobei dies lediglich Partnerkanälen vorbehalten ist und nur für die Video-Kategorien “TV-Shows” und “Filme” verfügbar ist. 

Eingeteilt wird dabei in die fünf Kategorien Sprache, Nacktheit, sexuelle Aktivität, Gewalt und Drogenmissbrauch. Jede der Kategorien kann mit den Farben Grün (jugendfrei), Gelb (eingeschränkt jugendfrei) oder Rot (nicht jugendfrei) bewertet werden. Angezeigt wird dem Nutzer letztendlich eine Einschätzung, die sich aus den Angaben der Kategorien ergibt. Diese aspektgeleitete Einteilung der Bewertung erinnert dabei eher stark an das differenzierte PEGI-System aus den USA, das der Einstufung von Computerspielen dient, als an die schlichten Plaketten (freigegeben ab 0, 6, 12, 16 oder 18 Jahren) zur Bewertung, die in Deutschland üblich sind und von der USK oder FSK vergeben werden.

Eine weitere Möglichkeit zur Kennzeichnung von Inhalten ist die Markierung des Videos als „freigegeben ab 18 Jahren“ über das YouTube-Dashboard. Diese Angabe kann auch von Nicht-Partner-Kanälen bei eigenen Videos freiwillig vorgenommen werden, was allerdings nur selten zu beobachten ist. Markierte Videos können nur von registrierten Nutzern angesehen werden, die laut bei der Registrierung angegebenem Geburtsdatum mindestens 18 Jahre alt sind. Allerdings ist es für Kinder und Jugendliche möglich, bei der Registrierung bei YouTube ein falsches Alter anzugeben und so Zugang zu altersbeschränkten Videos zu erhalten.

Dazu werden Creator alles andere als ermutigt, ihre Videos, als “ab 18 Jahren freigegeben” zu kennzeichnen, da diese nicht mehr monetarisierbar sind und somit kein Geld für die Creator abwerfen. Die Aspekte der Demonetarisierung und der durch die Sperre sinkenden Reichweite der Videos, sorgen somit für eine geringe Bereitschaft, Videos selbst zu kennzeichnen. Auch die Tatsache, dass diese Funktion sehr selten kommuniziert wird, dürfte für die geringe Beliebtheit der Funktion verantwortlich sein.

YouTube gibt somit die Verantwortung für die Kennzeichnung der Videos zum großen Teil an die Creator der Videoinhalte ab. Daher ist auch nicht 100-prozentig sichergestellt, dass die Kennzeichnung der Inhalte verlässlich ist. Während das System der Partnerbewertung einen guten Eindruck macht, merkt man hier schnell, dass YouTube einiges an Potenzial verschenkt. Hier könnte YouTube mit einer Integration in das nach der Bekanntgabe heftig diskutierte Programm YouTube Heroes nachhelfen, bei dem die Community bessere Möglichkeiten bekommt, Inhalte zu flaggen und Kommentare zu moderieren. 

Außerdem erscheint die beschränkte Möglichkeit der Kennzeichnung für Nicht-Partner nicht auf Deutschland ausgelegt zu sein. Während die Kennzeichnungen ab sechs oder zwölf Jahren für das eigentlich erst ab 13 Jahren zugängliche Portal YouTube nicht von Bedeutung sind, vermisst man hier die Möglichkeit, Videos mit “ab 16 Jahren” zu kennzeichnen.

YouTube Gaming und der Jugendschutz

Welche Problematiken dies mit sich bringt, zeigen die auf YouTube beliebten Zusammenschnitte von Szenen aus Videospielen sowie Let’s Plays. Neben unbedenklichen Spielen, wie das die Trends beherrschende Minecraft, gibt es hier zahlreiche Videos von altersbeschränkten Spielen wie Grand Theft Auto V und Dark Souls oder auch in Deutschland indizierten Spielen wie Lucius oder Dying Light.

Während die Spiele dabei oft erst für erwachsene Spieler freigegeben oder sogar indiziert sind, werden diese auf YouTube frei fernab jeglicher Altersbeschränkungen gezeigt. Zwar gibt es auch hier einige Creator, die hierauf Rücksicht nehmen und im Fall einer Indizierung ihre Let’s Plays abbrechen, wie es die YouTuber Sarazar sowie Zombey und MrMoregame mit dem Let’s Play von Dying Light taten, jedoch gibt es auch genug Creator, die trotz Spielen ohne Jugendfreigabe oder Indizierung diese weiter in ihre Videos verpacken

Seit dem Start des Verticals YouTube Gaming besteht des Weiteren die Möglichkeit, Videos aus der Kategorie Spiele einem Videospiel-Titel zuzuordnen. Anhand dieser Angabe werden die Videos sortiert auf der Gaming-Plattform von YouTube angezeigt. Allerdings besteht keine automatisierte Kennzeichnung der Videos anhand des Spiel-Titels. Videos von in Deutschland ab 16 oder 18 Jahren freigegebenen Spielen sind also ohne Altersbeschränkung auf YouTube zugänglich, obwohl die Kennzeichnung anhand der Angabe des Spiels automatisch passieren könnte.

Was passiert mit gemeldeten Videos bezogen auf den Jugendschutz?

Unangemessene Videos jeder Art können auf YouTube gemeldet werden. Nach einer kurzen Erläuterung des Nutzers, warum das Video unangemessen sein soll, kümmern sich hierbei YouTube-Mitarbeiter darum, das Video zu prüfen. Nach einer Prüfung werden Schritte wie die Sperrung oder Löschung des betreffenden Videos vorgenommen. Gegenüber Broadmark erläuterte Sabine Frank, Leiterin Regulierung, Jugendschutz und Medienkompetenz bei Google dazu: „Wir meinen es schon sehr ernst damit, dass wir keine Toleranz haben für Inhalte, die respektlos sind. Aber man muss auch schauen: Was ist rechtswidrig und was ist nur unschön?“ Damit gegen ein Video vorgegangen werden kann, muss dieses gegen YouTubes Guidelines oder in Deutschland geltende Gesetze — in diesem Fall das Jugendschutz-Gesetz — verstoßen.

Anhand von Einzelfällen zeigt sich allerdings, dass dieses Prozedere nicht so einfach klappt, wie es eigentlich soll. In den Fällen von beispielsweise JuliensBlogs Video zum Bahnstreik im Mai 2015, dem sogenannten “Gay-Prank” von Mert Matan im März 2016 oder ApoReds Bombenprank im Juli 2016 wurden häufig die langsamen Reaktionen seitens YouTube kritisiert. Einige Stimmen gingen dabei so weit, YouTube zu unterstellen, dass die bedenklichen Videos von großen Kanälen unverhältnismäßig lange online gelassen werden würden, um an diesen noch mitzuverdienen. Diese Vorwürfe betreffen Videos vieler Creator, auch die Videos bekannter, oft in Verbindung mit sexuellen Inhalten auftretender YouTuber.

Auf Nachfrage zu diesen Vorwürfen wich die Jugendschutzbeauftragte von Google den Fragen aus: „Da müssen wir uns Einzelfälle ansehen. […] Ich kann nichts zu den einzelnen Vorwürfen sagen, wenn sie nicht weiter spezifiziert oder genannt sind.“ Dazu gab sie bezogen auf einzelne Fälle an: „Ein Einzelfall ist ganz schwierig zu kommentieren.“ Weiterhin betonte Frank: „YouTube ist nicht gedacht als Plattform für Kinder. Es ist sehr klar in den Nutzungsbedingungen geschrieben, dass man einen Kanal nur eröffnen kann, wenn man 13 und älter ist.“ 

Dass YouTube keine Plattform für Kinder ist, lässt sich dabei bereit schon in den Nutzungsbedingungen lesen, wo angegeben wird, dass die Plattform erst von Jugendlichen ab 13 Jahren genutzt werden darf. Allerdings treiben sich inzwischen auch Kinder auf YouTube herum, was YouTube dazu bewegte, die Plattform YouTube Kids ins Leben zu rufen. Der Launch einer Plattform für Kinder kann den Jugendschutz auf der Hauptplattform aber nicht ersetzen. Da YouTube eine öffentlich zugängliche Plattform ist, bedeutet das, dass Kinder, die Zugang zum Internet haben, diese auch nutzen können. Daher ist es trotz Plattformen wie YouTube Kids von enormer Wichtigkeit, den Jugendschutz auf der Hauptplattform nicht zu vernachlässigen.

Wie es um den Jugendschutz auf YouTube steht

Jugendschutz ist, nicht nur bezogen auf YouTube, im Internet ein eher heikles Thema. Während es im Fernsehen, Kino und im öffentlichen Raum klare Richtlinien und Gesetze gibt, die ebenso penibel eingehalten werden, wie sie verfasst sind, läuft dies im Internet weniger geregelt ab. Die Kennzeichnung von Videos auf YouTube scheint nicht auf Deutschland ausgelegt zu sein. Dies lässt sich an der fehlenden Grenze ab 16 Jahren und an dem amerikanisch anmutenden Partnerbewertungs-Konzept feststellen.
Auch warum die Sperrung von Gaming-Inhalten von nicht jugendfreien oder indizierten Spielen nicht automatisch vonstatten geht, ist unklar.

Dass die Kontrolle der unglaublichen Masse an Inhalten nicht einfach ist, wird schnell klar. Allerdings lässt sich auch erkennen, dass hier dennoch Luft nach oben ist. Wie der Jugenschutz auf weiteren Webvideo-Plattformen gehandhabt wird, was weitere Institutionen über die Situation vom Jugendschutz denken und Infos zu weiteren Plattformen, Interviews sowie rechtliche Hintergründe zum Thema Jugendschutz im Internet erfahrt ihr in den weiteren Artikeln unserer Reihe. Diese erscheinen wöchentlich und sind am besten über unsere Themenseite zu finden.

Beitragsbild von YouTube