Robert Levenhagen Inreach 2016

Influencer Marketing – „The Time is now!“ Robert Levenhagen von InfluencerDB im Interview

Im Rahmen der #Inreach 2016 in Berlin haben wir mit Robert Levenhagen von InfluencerDB über das Thema Influencer Marketing gesprochen. Thema war dabei vor allem, wie Unternehmen Influencer Marketing nutzen können, um ihr Produkt bekannter zu machen und welche Möglichkeiten das Analyse-Tool InfluencerDB dabei bietet.

Broadmark: Influencer Marketing ist ja zurzeit das Hype-Thema schlechthin. Eine wichtige Rolle spielt hierbei für Marken und Agenturen natürlich die Wahl des passenden Influencers. Inwiefern kann InfluencerDB hier helfen?

Robert: Wir betreiben eine Datenbank mit allen Instagram-Channels der Welt ab 15.000 Followern. Es gibt die Möglichkeit dabei, verschiedene Filter anzuwenden und so beispielsweise zwischen Ländern, Hashtags, Themen oder weiteren Metriken zu segmentieren. Das Ganze ist dabei sehr einfach im Vergleich zur Recherche von Influencern direkt über Instagram, womit wir Marken und Agenturen einen großen Mehrwert bieten.

Broadmark: Ihr versteht euch als Research und Analyse-Tool für Instagram. Was bietet InfluencerDB dabei insgesamt?

Robert: Das Thema Research habe ich ja gerade schon angesprochen. Weiterhin bieten wir eine tiefgehende Analyse der Kanäle an. Es gibt zum Beispiel die Möglichkeit, die Zielgruppe eines Kanals zu analysieren. Dabei werden Fragen beantwortet wie: Woher kommen die User? Wie schnell wächst ein Account eigentlich? Oder sind die Follower alle wirklich echte Menschen oder Bots, die dazugekauft wurden?

Broadmark: Wie erkennt man diese Metriken? Wie funktioniert InfluencerDB?

Robert: Bei uns kommen verschiedenste Algorithmen zum Einsatz: Wir können tracken, wie sich die Follower-Zahl auf der Tagesbasis verändert und das ein Jahr lang einsehen. Das heißt, wenn irgendwann ein Instagrammer 10.000 Follower dazukauft, dann fällt das auf. Der Graph, der normalerweise eine ganz natürliche, organische Entwicklung zeigt, macht auf einmal so einen kleinen Sprung. Außerdem sinkt die Qualität der Zielgruppe, und auch das ist ein KPI, den wir ausweisen. Audience Quality nennen wir das.

Broadmark: Mit Instagram habt ihr euch dabei auf nur eine Plattform spezialisiert. Warum bietet ihr euren Service “nur” für Instagram an? Und was ist an der Plattform so spannend für euch?

Robert: Instagram war zu dem damaligen Zeitpunkt die schnellstwachsende Plattform. Außerdem gab es da auch noch keinen dominanten Player. Ich kann aber auf jeden Fall schon leaken, dass wir an einer YouTube-Integration arbeiten, die ähnlich funktioniert wie InfluencerDB aktuell für Instagram. Das wird aber noch eine Weile dauern bis wir diese releasen, weil wir einen gewissen qualitativen Anspruch an uns selbst haben. Ich gehe davon aus, dass wir diese Integration im kommenden Jahr starten werden.

Broadmark: Immer mehr Marken versuchen sich an Influencer Marketing-Kampagnen. Was sind deine Tipps an Unternehmen? Worauf sollten diese beim Influencer Marketing besonders achten?

Robert: Das Wichtigste ist, das Thema ernst zu nehmen und sich ernsthaft damit zu beschäftigen! Man kann keine Lösung erwarten, wenn man einmalig beispielsweise 10 000 Euro für Influencer Marketing ausgibt und darauf basierend dann entscheidet, ob es für einen funktioniert oder nicht. Das ist meiner Meinung nach Quatsch.

Influencer Marketing ist einfach eine neue Mediengattung, die in den nächsten zehn bis 20 Jahren kontinuierlich wachsen wird, egal ob die Plattform YouTube, Instagram oder Snapchat heißt. Die Art und Weise, wie Content gemacht wird und wie Menschen erreicht werden, wird zwischen Privatpersonen, die zu Contentproduzenten werden, gestaltet. Das muss man verstehen und sich dieses Themas wirklich richtig annehmen, eigene Kompetenzzentren für diesen Bereich planen, Budgets dahin shiften und langfristig planen.
Ich kann hierbei auch nur empfehlen, Daten zu nutzen und sich nicht auf das Bauchgefühl zu verlassen oder zu schauen wer gut aussieht oder wer auf den ersten Blick schöne Zahlen hat. Es gibt ganz, ganz viele Influencer-Marketing-Kampagnen, bei denen das Budget einfach vollkommen verpufft, weil es in die falschen Influencer investiert wird.

Zusammengefasst sollten Unternehmen deshalb schauen: Passt der Influencer zu meiner Marke? Wie ist die Content-Qualität und das Umfeld des Influencers? Erreicht der Influencer die richtige Zielgruppe? Stimmen die Metriken? Und wie ist das Preisleistungsverhältnis?
Zudem empfehle ich nicht nur mit einem Influencer, sondern mit vielen verschiedenen zu arbeiten, um sich möglichst viel Wissen selbst in dem Bereich anzueignen.

Broadmark: Dazu haben viele Unternehmen inzwischen ja auch eigene Instagram-Accounts. Inwiefern ist dies für Unternehmen sinnvoll? Und wie können diese Unternehmen es schaffen, auf Instagram durchzustarten?

Robert: Das ist zu 100 Prozent sinnvoll für Marken und Unternehmen, die eine junge Konsumentenzielgruppe ansprechen wollen. Diese Unternehmen müssen auf Instagram aktiv sein, da führt meiner Meinung nach gar kein Weg mehr dran vorbei.
Natürlich macht es aber nicht für alle Unternehmen Sinn, dort aktiv zu werden. Das hängt letztendlich von der Zielgruppe ab, die man erreichen möchte.

Broadmark: Sollten die Unternehmen dabei eigenen Content produzieren? Oder wie z.B. Mercedes-Benz diesen in Zusammenarbeit mit Fotografen oder Influencern erstellen?

Robert: Auf Instagram muss man den Spagat zwischen hoher Qualität und ausreichender Quantität schaffen. Im besten Fall muss täglich etwas gepostet werden. Wenn man diese Inhalte selbst produziert, wird es halt recht schnell teuer oder sieht einfach nicht gut aus. Das heißt, hier ergibt es durchaus Sinn, auch mit Influencern als Content-Lieferanten zu arbeiten.

Broadmark: Was beobachtest du ansonsten aktuell für Trends im Influencer Marketing?

Robert: Ich glaube, die Unternehmen, die schnell und agil sind sowie dem Thema offen gegenüber eingestellt sind, haben jetzt die Möglichkeit, sich noch eine richtig gute Grundlage zu schaffen. In fünf Jahren ist das nicht mehr so einfach, in zwei Jahren wird es auch schon schwerer sind als jetzt: The time is now!

Vor zwei Jahren war es noch einfacher. Marken wie Kapten & Son oder Daniel Wellington haben es geschafft, mit sehr geringen Budgets hunderttausende Follower aufzubauen. Je schneller man agiert, desto schneller kann man noch etwas vom Kuchen bekommen.

Broadmark: Wie schauen die Pläne für InfluencerDB aus? Wo geht bei euch die Reise hin?

Robert: Wir können schon Analyse, Recherche und Monitoring. Weiter sehen wir noch einen vierten Punkt, und das ist Management. Das heißt, ich will als Unternehmen mein Influencer-Netzwerk ja auch irgendwie verwalten können: Ich möchte wissen, mit wem habe ich schon gearbeitet, mit wem nicht. Das ist für uns ein wichtiger Punkt. Dazu haben wir die YouTube-Integration ganz groß auf der Agenda. Wer weiß was dann noch so kommt. Das sind aber unsere beiden Baustellen für 2017.

Broadmark: Vielen Dank für das Interview!

Beitragsbild von INREACH