HandOfBlood_LMS3

„Dann hast du es als Let’s Player geschafft“ – Interview mit HandOfBlood

Seit mehr als fünf Jahren ist HandOfBlood nun schon auf YouTube aktiv. Mit Broadmark sprach er über seinen Werdegang, den steigenden Erfolg und seine zukünftigen Projekte.

Heutzutage gibt es YouTuber wie Sand am Meer. Doch nur die wenigsten von ihnen schaffen es zu polarisieren und aus der Masse herauszustechen. HandOfBlood alias Max ist einer von ihnen und kann sich zusätzlich auch schon zu den alten Hasen der Plattform zählen. Aufgrund dieser Tatsachen haben wir es uns nicht nehmen lassen ihm ein paar Fragen zu stellen. Heute könnt ihr den ersten Teil des Interviews über die Entwicklung seines Kanals und seine Pläne lesen, am Donnerstag erwartet euch der zweite Teil über HandOfBloods Meinung zur aktuellen Situation von YouTube-Deutschland und Freaks 4U Gaming.

Broadmark: Du hast bereits 2010 mit YouTube angefangen. Wie ist es dazu gekommen?

HandOfBlood: Das ist eine Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle. Früher hatte ich einen Kumpel, mit dem ich immer zur Schule im Bus gefahren bin. Die Verbindung war nicht gerade ideal und deshalb waren wir immer 45 Minuten vor Schulbeginn in der Schule. Normalerweise haben wir dann über Gaming geredet. Zu der Zeit fing auch gerade die YouTube-Szene an. Ich erinnere mich noch, dass Gronkh damals 10 000 Abonnenten hatte und Cekay, auch ehemaliger Let’s Player, mit 20 000 Abonnenten noch vor Gronkh gelegen hatte.

Dieser Cekay muss so toll gewesen sein, dass mein Kumpel mich jeden Morgen über ihn zu gelabert hat. Ich konnte damals nicht so viel mit YouTube anfangen. Eines Tages habe ich meinem Kumpel dann gesagt, dass er aufhören soll zu reden und ich jetzt nach Hause gehe, um das selbst mal auszuprobieren. So toll konnte das Ganze schließlich ja gar nicht sein. Ich habe aus Spaß dann mit Let’s Plays angefangen und habe dabei einfach rumgetrollt. Es war aber dann schwerer als gedacht und alles lief schief. Ich hab‘ dann einfach aus Spaß heraus das alles als Hobby weitergemacht.

Broadmark: Und wie bist du dann zu der Freaks 4U Gaming GmbH gekommen?

HandOfBlood: Anfang 2014 hatte ich meinen Durchbruch. Vorher habe ich immer fünf Abonnenten am Tag gewonnen und hatte 50 Aufrufe auf meine Videos. Eigentlich wollte ich dann aufhören, weil ich mit dem Studieren angefangen hatte. Es gab so viele Dinge, die ich organisieren musste und YouTube war in der Prioritäten-Liste weiter unten angesiedelt. Im Studium habe ich dann aber den Kutcher kennengelernt. Er meinte, mein Kanal wäre auch nicht gerade der beste, da es kein richtiges Konzept gäbe. Wir haben uns dann in die Vorlesung „Methoden der Wirtschaftsinformatik“ gesetzt und zusammen ein richtiges Konzept entwickelt. In diesem waren schon die LoL-Facts und OP-Guides enthalten. Das kam dann gut an und nachdem ich das Rentner-Interview gemacht habe, ist es erst richtig losgegangen. Dadurch bin ich dann in die YouTube-League-of-Legends-Szene hineingekommen, die unfassbar klein war. Maxim war damals der größte YouTuber in der Szene mit 50 000 Abos. Da die Szene so klein war, kannte man sich einfach. Es war wie ein kleines Dorf auf YouTube.

Ich kam dann in diese Szene, als derjenige, der immer nur rumtrollt. Vorher hatte noch niemand diesen Platz ausgefüllt. Maxim hatte Anfang des Jahres bei Freaks 4U Gaming angefangen zu arbeiten, wo er die Übertragung von Cups gemacht hat. Freaks 4U Gaming wollte dann expandieren und eine Analyseecke aufmachen und dafür brauchst du eben einen Moderator. Maxim hatte mich daraufhin vorgeschlagen und ich bin jede Woche mit dem Fernbus hierher gefahren. Kurz vorher habe ich auch gemerkt, dass der Studiengang nichts für mich ist. Eigentlich wollte ich dann den Studiengang wechseln und nach Wernigerode ziehen. Aber dadurch, dass sie sich das in Spandau so entwickelt hat, kam die Überlegung es hier nicht einfach mal auszuprobieren.

Broadmark: Mit deinem Wechsel zu Freaks 4U Gaming hat dein YouTube-Kanal einen stetigen Aufschwung erlebt. Alleine in den letzten 12 Monaten hast du mehr als 350 000 neue Abonnenten dazu gewinnen können. Zudem machst du seit geraumer Zeit häufiger Videos mit großen YouTubern, wie LeFloid oder Dner, was ebenfalls ein Wachstumsfaktor ist. Wie gehst du mit dem steigenden Erfolg um?

HandOfBlood: Dadurch, dass ich drei Jahre lang kaum Erfolg hatte und nur mein Ding gemacht habe, habe ich eine gute Distanz dazu. Ich kenne aber auch beide Seiten. Es gibt viele kleinere YouTuber, die rummeckern, dass sie gerne groß werden möchten – ich gehörte damals auch dazu. Dazu kommt noch, dass ich vom Alter her über dem Durchschnitt liege. Hätte ich meine heutige Entwicklung mit 18 Jahren gemacht, dann sehe das alles jetzt ein wenig anders aus. Dann würde ich auch viel Scheiße bauen und denken, ich wäre der Allergeilste. Ich würde auch in Interviews sagen, dass ich die besten Videos auf YouTube mache oder davon schwärmen, wie viel ich arbeite.

Was auch noch entscheidend ist, dass ich nie „togethers“ gemacht habe, da ich jahrelang alleine vor dem PC gesessen habe. Ich bin erst durch Twitter in die YouTube-Szene gekommen. Als ich 100 000 Abonnenten erreicht hatte, habe ich erst mit Twitter angefangen. Eigentlich war ich der totale Social-Media-Noob, wollte jedoch für meinen YouTube-Kanal Twitter mal ausprobieren. Darüber sind dann einige YouTuber auf mich zugegangen und ich wusste gar nicht wer die sind. Mir wurde von einem Zuschauer der Account von Dagi Bee empfohlen und ich dachte am Anfang erst, dass das ein Scherz-Account ist. Durch das alles, habe ich einen guten Abstand zu allem. Wobei ich auch sehe, dass es coole Leute gibt, wie halt LeFloid oder Dner.

handofblood

Das Wachstum von HandOfBloods YouTube-Kanal.

Broadmark: Durch immer neue Projekte verändert sich auch dein Zuschauerkreis. Wie siehst du das?

HandOfBlood: Ganz am Anfang hatte ich größtenteils nur Horror-Let’s-Plays und League. Da gab es eine große Kluft zwischen den Abonnenten. Mittlerweile ist es so, dass ich die meisten Zuschauer für League of Legends begeistere. Ich frage mich das aber auch öfter, wenn ich Gothic 1 spiele und gleichzeitig Videos über League veröffentliche. Ich glaube aber, dass man als Let’s Player die Zuschauer überzeugen muss, sich für dich als Person zu begeistern. Wenn du das schaffst, dann hast du eine Community, die sich alles von dir anschaut, weil sie dich feiert und nicht nur das Spiel. Die sehen dann auch über schlechte Grafik hinweg. Dann hast du es als Let’s Player geschafft.

Broadmark: Die letzte gamescom hast du ja sehr kritisch betrachtet. Freust dich auf die kommende gamescom überhaupt?

HandOfBlood: Ich habe im letzten Jahr einen Vlog hochgeladen, der für viele überraschend war. Ich lasse mich nicht so in den Hype und Wahn treiben, der auf YouTube stattfindet. Dieses Jahr freue ich mich nicht so auf die gamescom, da ich im letzten Jahr diese extreme Erfahrung gemacht habe. Und ich werde mich wohl den Leuten anschließen, von denen ich damals glaubte, die sind verrückt, und mich verkleiden oder durchschleichen. Sonst geht das eben nicht. Ich gehe dahin um größtenteils zu arbeiten und Zuschauer oder Kollegen zu treffen. Es gibt einige Events im Anschluss der gamescom, die aber cool sind. Zum Beispiel war Last Man Standing mit dem anschließenden Fan-Meeting letztes Jahr gut organisiert. Ich habe ein wenig Respekt vor der kommenden gamescom, aber ich weiß, was mich erwartet. Ich versuche dort einen guten Weg zu gehen, damit auch meine Zuschauer zufrieden sind.

Broadmark: Bereust du es dabei auch ein wenig, dass du nun so erfolgreich und bekannt bist?

HandOfBlood: Es gibt schon Momente, in denen man denkt, ich wäre gerne wie früher. Es gab mal einen Zwischenfall, wo ein Zuschauer mich bei einem Date abfotografiert und es dann auf Twitter gepostet hat. Für ihn war das super lustig, aber ich bin auch noch ein Mensch. Für mich ist das dann super beschissen und für mein Date erst recht. Das sind dann schon solche Momente, wo man gerne wie früher wäre. Man gewöhnt sich aber daran, man bekommt ja auch eine Menge. Allein neue Leute aus der Szene zu treffen und Erfahrung auf Events zu sammeln, das macht das alles schon wett.

Broadmark: Aktuell passiert bei dir sehr viel. Was planst du in den nächsten Wochen und Monaten?

HandOfBlood: Ich hatte durch das gebrochene Bein eine kleine Pause, was extrem frustrierend war. Ich musste die ganze Zeit zuhause im Bett liegen, durfte noch nicht einmal an den PC, weil das Bein hochgelagert werden musste. Dadurch habe ich erst einmal Netflix entdeckt. Ich habe aber auch in der Zeit viele Formate geskriptet. Gerade läuft bei mir ja Salzsturm der Gefühle, mit dem ich versuche aus Gaming mehr heraus zu bekommen. Aber es sind noch eine Menge andere Sachen geplant, zum Beispiel der Nachfolger der LoL-Facts, der Mitte des Jahres starten soll. Das ist aber gerade ein wenig chaotisch, weil wir bei Freaks4U Gaming umziehen und ich dafür ein eigenes Studio bekomme. Durch den hohen Planungsaufwand braucht das eben Zeit. Dodo Wars ist jetzt auch erst mal gestartet und einige Videos sind mit David Hain und dem Spandauer Inferno noch geplant.

Broadmark: Wie kann man sich dieses neue Projekt, welches die LoL-Facts ablösen soll, denn vorstellen?

HandOfBlood: So ganz verrate ich noch nicht in welche Richtung das neue Format gehen soll, aber es wird wieder was Wöchentliches und es wird einen Showcharakter haben. Es wird wesentlich aufwendiger als die LoL-Facts. Aber da muss ich schauen, wie das mit meinem Kanal vereinbar ist. Mir ist es wichtig, einen Mix aus Quantität und Qualität zu haben. Man muss da eben realistisch sein, dass man alles hinbekommt.

Den zweiten Teil des Interviews mit HandOfBlood über YouTube-Deutschland, Netzwerke und Freaks 4U Gaming kannst du hier lesen.