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„Die Produktion eines Fanfilms ist aus urheberrechtlicher Sicht immer kritisch.“

Darf ich ein Video mit Figuren aus meinem Lieblingsfilm drehen und veröffentlichen? Und warum werden verschiedene Fanfilme so unterschiedlich behandelt? Auf die rechtlichen Hintergründe bei Fanfilmen geht David Cebulla genauer ein.  

Fanfilme als höchste künstlerische Anerkennung an seinen Lieblings-Film, -Serie oder –Comic, als Ausdruck besonderer Wertschätzung für das von anderen geschaffene Produkt, verpackt in einer eigenen höchst aufwendigen, künstlerischen Art und Weise.

In Fanfilmen werden oft Figuren oder ganze Welten übernommen, die als Grundlage für die eigene Geschichte dienen. Denn wie sonst sollte der Zuschauer erkennen, dass der Film in einem bestimmten Universum spielt?! Meist werden dann Charaktere oder Storylines (weiter-) entwickelt, die im Hauptwerk gar nicht oder nur ansatzweise vorkamen. Doch stellt sich immer wieder die Frage, wie hier die rechtliche Situation aussieht. Darf man denn überhaupt Figuren, Namen und Geschichten verwenden und sie in seinem eigenen Werk aufgreifen, wenn doch schon hinter jedem Namen im „Harry Potter Cluedo“ ein (unregistered) Trademark-Zeichen steht? Zu dieser Problematik habe ich mit Rechtsanwalt André Stämmler aus Jena gesprochen. Stämmler ist Experte für Medien-, IT- und Urheberrecht.

Um die Betrachtung anschaulicher zu gestalten, habe ich mir zusätzlich zwei Fanfilme als Beispiele gewählt, die sich zum einen sehr ähnlich sind, in der rechtlichen Auffassung jedoch sehr unterschiedlich behandelt werden:

DARTH MAUL: Apprentice

Der aufwendig inszenierte Star Wars Fan-Film „DARTH MAUL: Apprentice“ vom Regisseur Shawn Bu, wurde erst dieses Jahr mit dem Webvideopreis für das beste Video ausgezeichnet. Mit einem ca. 70 Mann starken Team, wurde das Projekt an insgesamt 18 Drehtagen und in einem Produktionszeitraum von insgesamt zwei Jahren umgesetzt. Das Budget belief sich dabei im unteren fünfstelligen Bereich, wobei die gesamte Crew kostenlos arbeitete. Der Film entstand ursprünglich als Abschlussfilm für das Bachelor-Studium des Regisseurs, wurde aber dann so aufwendig und langwierig, dass es den zeitlichen und wahrscheinlich auch finanziellen Rahmen einer Abschlussarbeit sprengte. Schließlich wurde der Fanfilm so gut, dass er im Internet viral ging, den erwähnten Webvideopreis erhielt und die Autoren des Films sogar Anfragen von Talent-Agenturen sowie aus Hollywood bekamen. Alles in allem eine Nachwuchsproduktion, die mit vielen Profi-Filmen mithalten kann.

AXANAR

Der zweite Film in meiner Betrachtung ist „AXANAR“, als Langfilm noch in der Entstehung, beziehungsweise der zuvor produzierte Kurzfilm „PRELUDE TO AXANAR“, welcher bereits auf YouTube veröffentlicht wurde. Der Kurzfilm basiert auf Star Trek von Gene Roddenberry und behandelt die Geschehnisse im Vorlauf der Schlacht von Axanar, welche in „Star Trek: The Original Series“ erwähnt wird. Der aufwendig produzierte Film, in welchem sogar Schauspieler aus früheren originalen Star Trek-Projekten verpflichtet werden konnten, wurde mit einem Budget von über 100 000 US-Dollar über Kickstarter finanziert. Für den nun geplanten Langfilm wurden bereits weitere Crowdfunding-Kampagnen erfolgreich abgeschlossen, welche auf Kickstarter über 600 000 US-Dollar und auf Indiegogo mehr als 500 000 US-Dollar einbrachten. Crowdfunding-Kapital wird in der Filmbranche allgemein als Eigenkapital des Produzenten angesehen, womit der Film unkommerziell bleibt und die Macher desselben nicht auf eine kommerzielle Verwertung angewiesen sind. Somit unterscheidet sich die Finanzierungsart also nicht vom oben erwähnten Star Wars-Fanfilm „DARTH MAUL: Apprentice“.

Klage gegen Fanfilm-Produzenten

Doch nun kommt der große Clou: Während der Star Wars-Fanfilm überall hochgelobt durch die Presse ging, wurde der Star Trek-Fanfilm zwar ebenfalls von den Fans gefeiert, doch gleichzeitig wurden die Produzenten von den Rechteinhabern an der Marke Star Trek, von CBS und Paramount Pictures, wegen Copyright-Verletzungen für den Film AXANAR verklagt. Die Begründung war hier, dass der Film für ein Fan-Projekt zu professionell produziert wäre. Die Klage schien wohl auch vor dem Hintergrund eines neuen offiziellen Star Trek-Films und einer für das Jahr 2017 geplanten Star Trek-Serie für die Studios sowie der Reaktionen der Fans auf „PRELUDE TO AXANAR“ besonders brisant zu sein.

Auswahl der Nutzerkomentare auf YouTube unter dem Video "Prelude to Axanar"

Auswahl der Nutzer-Kommentare auf YouTube unter dem Video „Prelude to Axanar“

Verständlicherweise zeigten sich die Macher des Films stark enttäuscht von dieser Reaktion seitens der Studios. Golem zitiert AXANAR-Produzent Peters wie folgt: „Axanar ist ein Fanfilm. Wie andere Fanfilme auch ist Axanar basierend auf einer sehr langen Beziehung zwischen den Fans und den Produktionsstudios in die Produktionsphase eingetreten (…). Ich bin enttäuscht, von der Klage aus den Medien erfahren zu haben.

Erst ein Eingreifen von J. J. Abrams und Justin Lin als Regisseur des aktuellen Star Trek-Films Star Trek Beyond schien den Streit beizulegen. CBS kündigte daraufhin an, Richtlinien für künftige Fanfilme zu erlassen. Der Rechtsstreit schien daraufhin beendet, bis zum Juni 2016. Hier erklärten CBS und Paramount trotz der Erklärung von J. J. Abrams überraschenderweise vor Gericht, dass sie an ihrer Klage festhalten werden.

Wir haben damit zwei Fanfilme, die sich in ihrer Machart durchaus sehr ähnlich sind: Gleiche Finanzierungsart, ein hohes persönliches Engagement und Begeisterung der Macher für das gewählte Universum, eine nicht-kommerzielle Verwertung im Internet, eine insgesamt sehr hohe Qualität der Filme und all dies vor dem Hintergrund von aktuellen Original-Produktionen der jeweiligen Studios.

Fanfilme rechtlich immer kritisch

Ist man also schlichtweg als Filmemacher eines Fanfilms auf die Güte und Akzeptanz des jeweiligen Studios angewiesen? Ist man als Erschaffer eines solchen künstlerischen Werkes nur geduldet, nie autorisiert und muss immer in der Angst leben von einem großen Studio verklagt zu werden, wenn der aufwendig produzierte Film gerade nicht in die Marketing-Kampagne des jeweiligen Unternehmens passt?

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André Stämmler – Anwalt für Medien-, IT- und Urheberrecht

Im Gespräch mit Rechtsanwalt André Stämmler, Experten für Medien-, IT- und Urheberrecht aus Jena, macht dieser deutlich: „Die Produktion eines Fanfilms ist aus urheberrechtlicher Sicht immer kritisch. Wenn die wesentlichen Züge eines Films übernommen werden (Charaktere und Welten) kann dies schnell eine „unfreie Bearbeitung“ darstellen und gegen das Urheberrecht verstoßen. Je mehr der Fanfilm an das Original erinnert und wesentliche Züge daraus übernimmt, desto eher wird eine Urheberrechtsverletzung vorliegen.

Doch macht nicht gerade die Einzigartigkeit der Filmwelt und der Figuren den Wiedererkennungswert in einem Fanfilm aus? Theoretisch ja. Doch bewegt man sich rechtlich bei der Übernahme derselben in das eigene Werk auf sehr dünnem Eis, wie Stämmler erklärt: „Filmfiguren sind grundsätzlich urheberrechtlich geschützt, sofern diese eine gewisse Individualität aufweisen. Eine Übernahme ist daher nicht ohne Weiteres möglich. Gleiches gilt für Geschichten.“ Im Gegensatz dazu genießen einfache Namen in der Regel keinen urheberrechtlichen Schutz. Dieser greift erst, wenn der Name direkt bestimmten Figuren zuzuordnen sind, wie zum Beispiel der Filmfigur Darth Vader.

In der Realität dürfte hier die Grenze aber schwer zu ziehen sein. So ist beispielsweise „Harry Potter“ theoretisch ein sehr gewöhnlicher Name. In der Realität verbindet aber praktisch jeder den berühmten Zauberer mit diesem Namen, welcher somit direkt der Filmfigur zugeordnet wird. Zusätzlich zum urheberrechtlichen Schutz, muss auch beachtet werden, ob es sich um eine eingetragene Warenmarke handelt und man hier womöglich gegen weitere Rechte verstößt. Auch bei der Übernahme von Filmuniversen und -welten wird es nicht ganz leicht. Stämmler sagt dazu: „Die Star Strek-Welt wird urheberrechtlichen Schutz genießen, eine 08/15-Westernwelt kaum.

Kontaktaufnahme mit dem Rechteinhaber – Theorie vs. Realität

Wer einen Fanfilm produzieren und sichergehen will, sollte das Projekt mit dem Studio beziehungsweise dem Rechteinhaber abstimmen.“ so Stämmler. Dies dürfte aber gerade für angehende Filmemacher äußert schwierig sein. Doch wer ein so ambitioniertes Projekt wie DARTH MAUL: Apprentice oder PRELUDE TO AXANAR plant, der sollte zumindest um eine Kontaktaufnahme und Einverständniserklärung bemüht sein. Doch allzu schwarz darf man auch nicht sehen. Auch Rechtsanwalt Stämmler hält in der Praxis das Risiko, für einen Fanfilm verklagt zu werden eher für gering: „Die meisten Studios werden sich eher über das Marketing freuen, als sich gleich in ihren Rechten verletzt zu sehen.

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Die Kontaktaufnahme mit dem Rechteinhaber des Originalfilms gestaltet sich in der Realität vor allem für Nachwuchsproduzenten sehr schwierig. Symbolbild von StartupStockPhotos.

Wo liegt nun konkret der Unterschied?

Doch steht nach wie vor die Frage im Raum, warum die beiden Fanfilme aus dem obigen Beispiel konkret nun so unterschiedlich behandelt werden. Hat das vielleicht damit zu tun, dass DARTH MAUL: Apprentice in Deutschland produziert wurde und AXANAR in den USA hergestellt wird? Rechtsanwalt André Stämmler erklärt: „Für den Urheberschutz spielt es übrigens keine Rolle, wo der originale Film und wo der Fanfilm produziert wurde.“ Konkret heißt dies, dass sowohl ein amerikanischer Film in Deutschland, als auch ein deutscher Film in Amerika urheberrechtlich geschützt ist. Ein deutscher Fanfilm wie DARTH MAUL: Apprentice muss also auch amerikanisches Urheberrecht beachten.

Die Ungleichbehandlung ist also kein rechtliches Problem, sondern lediglich, wie der Rechteinhaber dem Fanfilm-Projekt gegenüber eingestellt ist. Auch André Stämmler meint, dass es wahrscheinlich ist, „dass „Axanar nach Auffassung der Rechteinhaber zu professionell war und man „Konkurrenzausschalten wollte.“ Es scheint also wirklich so, dass der Unterschied beim jeweiligen Urheber und dessen Umgang mit dem Fanfilm liegt. Während sich die einen über die kostenlose Werbung freuen, sehen sich die anderen in ihren Rechten verletzt und klagen. Die Ursachen für beide Vorgehensweisen hängen dabei von vielen firmeninternen Entscheidungen, wie Marketingplan, geplante eigene Filme und Serien und vielem mehr ab.

Als (angehender) Filmproduzent kann man in der Praxis also nie ganz sicher sein, wie nun das Original-Studio auf den eigenen Film reagiert. Stämmler fasst die Problematik gut zusammen: „Eine klare Abgrenzung, ab wann ein Fanfilm gegen Urheberrechte verstößt und wann nicht, ist leider nur am Einzelfall zu treffen und auch dort im Zweifel immer noch schwierig.“ Hier muss also jeder selber entscheiden, ob er das Risiko eingeht oder nicht.

Beitragsbild von T7pro