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Die Entwicklung von YouNow: Vom kleinen Streaming-Dienst zum Big Player

YouNow hat es geschafft, den Markt der Livestreamingdienste aufzuwirbeln und innerhalb weniger Jahre zum Big Player zu werden. Wie sich der Dienst entwickelt hat, vor welchen Herausforderungen YouNow nun steht und was die Zukunft mit sich bringt, haben wir uns genauer angeschaut. 

Das Thema Livestreaming ist momentan aktueller denn je. Nachdem bereits im vergangenen Jahr das Thema seinen Durchbruch hatte, wird Livestreaming von nicht gerade wenigen Medien und Experten als einer der digitalen Trends für das Jahr 2016 angesehen und zurzeit gehypt wie nur wenig andere digitale Themen. Grund hierfür sind in erster Linie Meerkat, Periscope, YouNow und seit neuestem auch Facebook. Die genannten Livestreaming-Dienste konnten es 2015 schaffen, aus dem Nichts heraus das Livestreaming via Smartphone zum Trend zu machen. Für besonders viel Aufmerksamkeit in Deutschland sorgte dabei bereits schon Ende 2014 ein Dienst: YouNow.

Anders als Periscope und Co. erkannte der von Adi Sideman gegründete Dienst bereits sehr früh das Thema Livestreaming. So wurde YouNow schon 2011 gegründet und feiert damit dieses Jahr fünfjähriges Jubiläum. Doch Sideman erkannte nicht nur besonders früh, dass Livestreaming ein interessantes Feld ist, er versuchte mit YouNow auch einen neuen Ansatz zu fahren.

Neuer Ansatz mit YouNow

Ähnlich wie auch YouTube setzt YouNow voll und ganz auf User-Generated-Content. So kann theoretisch jeder Nutzer zum Streamer werden und sich live präsentieren, vorzeigen, was er kann oder einfach nur erzählen, was er gerade macht. Dabei legt YouNow die Einsteigshürde besonders niedrig. Die einzige Anforderung ist das Mindestalter von 13 Jahren sowie zur Anmeldung ein Facebook-, Twitter-, Instagram- oder Google+-Account.

Während es bei normalen User-Generated-Videos dabei vor allem auf gute Inhalte ankommt, spielt live vor allem die Interaktion zwischen Publikum und Streamer einen wichtigen Faktor, auf den sich YouNow voll und ganz fokussiert hat. Bei YouNow ist der Zuschauer nicht nur passiver Zuschauer, sondern kann sich aktiv einbringen. Dafür bietet YouNow diesem verschiedene gamifizierte Tools wie Votings, einen Livechat und die Möglichkeit dem Streamer virtuelle Geschenke zu geben. Dadurch sind YouNow-Streams oft viel mehr als nur das selbstdarstellende Streamen, sondern ermöglichen einen echten Austausch zwischen Zuschauern und den „YouNowern“ genannten Streamern.

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Doch natürlich bringen die besten Interaktionsmöglichkeiten und die interessantesten Streamer nichts, wenn die Zuschauer wegbleiben. Dies war auch etwas, was YouNow am Anfang beschäftigte und schließlich 2013 zur Übernahme von BlogTV führte, womit YouNow auf einen Schlag vier Millionen neue Nutzer dazugewinnen konnte. Damit schaffte es YouNow weiter zu wachsen und Nutzern hinzu zu gewinnen.

Neben der Akquisition von BlogTV setzte YouNow außerdem auf eine andere, sehr effektive Promotion, um die Plattform bekannter zu machen – vor allem in Deutschland. So konnten mehrere bekannte YouTube-Creator wie Melina Sophie oder Liont überzeugt werden, die Livestreamingplattform zu nutzen, wo sie in Q&As Fragen ihrer Fans beantworteten oder exklusive Informationen mit ihrer Community teilten. Dadurch schaffte es YouNow schnell bei der Zielgruppe der Millenials und Teenager an Bekanntheit und Beliebtheit dazu zu gewinnen.

Geburtsstunde der YouNower

Während dabei zu Beginn, Ende 2014, vor allem sehr viele YouTuber und Social-Media-Stars YouNow benutzten, setzte sich parallel dazu auch ein weiterer Trend ein. Dadurch, dass man für YouNow lediglich eine Webcam oder ein Smartphone mit Kamera benötigt, versuchten sich auch viele “normale”, junge Nutzer am Streamen. Viele der Zuschauer wurden so zum Broadcaster und waren auf einmal diejenigen, die mehrere Dutzend oder sogar hunderte Zuschauer hatten.

Manche der YouNower nutzen YouNow dabei nur, um etwa Fragen der Zuschauer zu beantworten oder aus ihrem Alltag zu erzählen. Andere wiederum erkannten, dass sie über YouNow auch ihre Talente zeigen können und präsentierten über die Plattform etwa ihre musikalischen oder künstlerischen Talente.

Mit YouNow Geld verdienen

YouNow bietet dabei nicht nur eine gute Plattform, um schnell neue Zuschauer und Fans zu finden. Darüber hinaus gibt es mit YouNow auch die Möglichkeit, durch die eigenen Streams Geld zu verdienen. So können Nutzer etwa spezielle Geschenke kaufen, um auf sich aufmerksam zu machen und im Chat besonders hervorgehoben zu werden. Damit können die Zuschauer die Streamer direkt unterstützen, wie Ira Tittler von YouNow erklärt: „Da sind wir einzigartig im Markt. Nirgendwo im Live-Broadcasting kann man über die Zuschauerunterstützung Geld verdienen.

Abzocke mit Premium-Geschenken?

Doch auch, wenn somit die Streamer dadurch gutes Geld verdienen können, hat das System, dass Zuschauer durch kostenpflichtige „Premium-Geschenke“ direkt die Streamer unterstützen können, auch viel mit Abzocke zu tun. So können sich Zuschauer durch den Einsatz von sogenannten kostenpflichtigen Bars die Aufmerksamkeit des Streamers erkaufen, wodurch sie beispielsweise Top-Fan werden oder die Möglichkeit haben, direkt eine Nachricht an ihn zu schicken. Die Bars, welche als Währung auf YouNow dienen kosten dabei nicht gerade wenig. Für 1 000 Bars fallen etwa 8-9 US-Dollar an, abhängig wie viele Bars auf einmal gekauft werden.

Dabei müssen bis zu mehrere Euro ausgegeben werden, um einige der „Premium-Geschenke“ kaufen zu können. Zudem besteht auch die Möglichkeit so einfach Geld an den Streamer zu „spenden“, um diese zu unterstützen und dadurch natürlich auch mehr wahrgenommen zu werden.

Dies führt dazu, dass einige Fans teilweise mehrere hundert Euro ausgeben, nur um besser hervorgehoben zu werden und zu den „Top-Fans“ zu gehören. In einem Stream des YouTuber und YouNow-Streamers Tommy Ravach wurden ihm etwa mehr als 75 000 Bars „gespendet“, umgerechnet circa 525 Euro, wobei manche Zuschauer mehrere dreistellige Beträge ausgaben.

Somit ist das System von YouNow angesichts der jungen Nutzerschaft fragwürdig, bekommen diese das Gefühl sich Zuneigung des Streamers erkaufen zu können.

Trotz fragwürdiger Methoden mehr als 100 Millionen Nutzer-Sessions im Monat

Doch trotz dieser zweifelhaften Methoden, erfreut sich YouNow weiterhin großer Beliebtheit. So war das Jahr 2015 für YouNow als Livestreamingplattform sehr erfolgreich, wie Ira Tittler betont: “Das Jahr lief sehr gut und wir haben gesehen, dass wir unglaublich viel Viralität bekommen haben. Gerade am Anfang haben wir dies natürlich durch einige große YouTube-Stars geschafft, innerhalb kürzester Zeit sind dann aber auch die YouNower – also diejenigen, die auch organisch auf die Seite kommen und sich selber broadcasten – hinzugekommen.

Der Erfolg von YouNow spiegelt sich dabei auch in den Zahlen nieder. So kann der Livestreamingdienst mittlerweile mehr als 100 Millionen Nutzer-Sessions im Monat verzeichnen, wovon 20 Prozent auf den deutschen Markt fallen. Auf diese Zahlen möchte YouNow aber gar nicht so viel Wert legen, so Tittler: “Hätte man sich zu Beginn des Jahres ein Ziel gesetzt, hätten wir dieses auf jeden Fall übertroffen. Uns ist aber viel mehr wichtig, dass wir als Player unsere Einzigartigkeit im Markt zeigen und die Broadcaster ihren Inhalt und die Qualität ausweiten können. Es geht dabei nicht nur um das direkte Wachstum, sondern vor allem darum, dass wir ein langlebiges, inspirierendes und vor allem einzigartiges Produkt aufbauen.”

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Probleme beim Jugendschutz

Auf dem Weg YouNow als Livestreamingplattform aufzubauen, zeigte YouNow außerdem beim Thema Jugendschutz zu Beginn in Deutschland einige Schwächen. So kam es vor, dass zum einen viele Teenager private Dinge über sich erzählten und teilweise sogar ihre Adresse und privaten Kontaktdaten öffentlich machten oder sich zu anzüglichen Handlungen verleiten ließen. Zum anderen streamten auch Nutzer unter 13 Jahren, dem Mindestalter von YouNow, ohne dass dies Konsequenzen hatte.

Dies führte dazu, dass YouNow von vielen Medien, Eltern, Jugendschützern und sogar dem Bundesfamilienministerium kritisiert wurde und so schnell vom aufstrebenden Livestreamingdienst zur umstrittenen Streaming-Plattform, von manchen Medien gar als “Paradies für Pädophile” betitelt, wurde.

Auf zahlreiche Kritik reagierte YouNow jedoch und führte schrittweise verschiedene Jugendschutzmaßnahmen ein, um die Plattform sicherer für Teenager zu machen, wie Ira Tittler erklärt: “Bei dem Thema hat sich sehr viel getan. Wir sind schließlich erst vor etwas mehr als einem Jahr ohne große Vorbereitung in den Markt eingetreten und mussten erst einmal ein Moderatoren-Team aufbauen, welches 24 Stunden, sieben Tage die Woche im Broadcast ist. Dazu haben wir dann auch unterschiedliche Third-Party-Tools integriert, die dann entdecken, wenn jemand zu jung ist, wann der Inhalt nicht passt, wenn etwas unangemessen ist. Da haben wir auch innerhalb der ersten Wochen dann gleich reagiert.“ Damit legte sich die Kritik und der negativ geprägte Hype um den Dienst, während YouNow gleichzeitig weiter an Beliebtheit zunahm.

Hierzu trug auch YouNows verstärkte Präsenz in Deutschland bei. So war YouNow etwa beim Deutschen Webvideopreis, den VideoDays und Online-Stars Live vor Ort, wo die YouNow-Partner direkt von den Events streamen konnten. Zudem fanden zahlreiche Wettbewerbe und Contests auf YouNow statt, die ersten YouNow-Awards wurden vergeben, einige Medien wie BigFM setzten YouNow ein und international wurden etwa von Americas Got Talent die Auditions auf YouNow übertragen.

Somit hat es YouNow geschafft, sich im Jahr 2015 zu etablieren und trotz der zahlreichen Kritik sowie den fragwürdigen Premium-Geschenken in Deutschland und auch darüber hinaus zu einem der erfolgreichsten Livestreamingdienste zu werden.

Auf der zweiten Seite geht es weiter mit den Plänen von YouNow, der wachsenden Konkurrenz und der Zukunft des Livestreamingdienstes